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Rechte und Pflichten in der Lehre

In der Lehre trägst du Verantwortung. Als dein starker Partner klärt dich der Kaufmännische Verband über deine Rechte und Pflichten im Betrieb und in der Berufsschule auf.

Arbeitszeit

  • Deine Arbeitszeit steht im Lehrvertrag. Sie darf nicht länger sein als die der übrigen Angestellten in deinem Lehrbetrieb und (inkl. eventuelle Überstunden) nicht mehr als 45 Stunden pro Woche betragen.
  • Für Jugendliche bis zum Ende des 18. Altersjahres gilt eine tägliche Höchstarbeitszeit von neun Stunden – inklusive Schulbesuch. Diese Tagesarbeitszeit muss inklusive Pausen innerhalb eines Zeitraumes von zwölf Stunden liegen und darf nicht länger als bis 22 Uhr dauern (für Lernende unter 16 Jahren nur bis 20 Uhr).
  • Musst du an mehr als an fünf Tagen pro Woche arbeiten – wie dies im Verkauf meistens der Fall ist –, steht dir wöchentlich nebst dem Sonntag im Minimum ein freier Halbtag zu. Fällt dein üblicher freier Halbtag mit einem Feiertag zusammen, gilt er als bezogen. Du kannst ihn weder nach- noch vorholen.

Überstunden

In jedem Betrieb gibt es immer wieder Situationen, in denen länger gearbeitet werden muss. Ab 16 Jahren musst auch du als Lernende/r manchmal Überstunden machen. Diese dürfen aber nur in Ausnahmefällen, nicht regelmässig und nur im Rahmen des Zumutbaren angeordnet werden:

  • wenn saisonbedingt mehr Arbeit anfällt als normal
  • wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten
  • zur Abwehr von betrieblichen Schäden

Dein Arbeitstag darf inklusive Überstunden aber in keinem Fall länger als neun Stunden dauern, wenn du jünger als 18 bist. Zudem hast du ein Anrecht auf (minimale) Pausen.

Überstunden muss dir dein Lehrbetrieb ausgleichen. Entweder erhältst du gleich viel Freizeit oder einen zusätzlichen Lohn mit einem Zuschlag von mindestens 25 Prozent. Ein solcher Überstundenlohn sollte auf der Basis eines angelernten Angestellten berechnet werden, nicht auf dem Lernendenlohn. Denn Überstunden sind im Interesse des Betriebs, nicht der Ausbildung. Während deiner Lehre sollte dein Betrieb grundsätzlich, wenn immer möglich, die zuviel geleistete Zeit mit freier Zeit ausgleichen.

Pausen

  • Bei einer täglichen Arbeitszeit von sieben bis neun Stunden hast du Anrecht auf eine Mittagspause von mindestens einer halben Stunde.
  • Falls du mehr als fünfeinhalb Stunden am Stück arbeiten musst, hast du zusätzlich 15 Minuten Pause zugute.
  • In vielen Betrieben gibt es zusätzlich Vormittags- und Nachmittagspausen (Znüni, Zvieri). Deren Dauer wird in den Arbeitsverträgen festgelegt. Da es dafür keine gesetzlichen Vorgaben gibt, muss dein Betrieb solche zusätzlichen Pausen nicht gewähren. Der Kaufmännische Verband empfiehlt aber solche Arbeitsunterbrüche.

Nacht- und Sonntagsarbeit

  • Betriebe dürfen alle Mitarbeitenden, auch Lernende, nach ihrem 18. Geburtstag am Sonntag und in der Nacht zur Arbeit einsetzen.
  • Nur für Jugendliche unter 18 bleibt Nacht- und Sonntagsarbeit grundsätzlich verboten.
  • Ausnahmen für bestimmte Berufe, in denen Nacht- oder Sonntagsarbeit für das Erreichen des Lehrziels zwingend ist, sind in einer Verordnung geregelt. Ob du in einem solchen Betrieb arbeitest, siehst du in deinem Lehrvertrag.
  • Bei Sonntagsarbeit muss dir der Betrieb in der vorhergehenden oder folgenden Woche einen freien Wochentag gewähren.
  • Bei regelmässiger Nachtarbeit steht dir ein Zeitzuschlag von zehn Prozent zu.

Schultage

Die Zeit, die du in der Schule verbringst, gilt als Arbeitszeit. Ein Schultag mit 8 Lektionen entspricht einem ganzen Arbeitstag, ein solcher mit 4 Lektionen einem halben. Wenn du einen ganzen Tag Pflichtunterricht hast (mindestens acht Lektionen, inkl. Sport), darf dich der Betrieb am gleichen Tag nicht auch noch zur Arbeit aufbieten. Wenn du aber beispielsweise nur am Morgen Berufsschul-Unterricht hast, dann musst du nachmittags zur Arbeit. In diesem Fall gilt eine Lektion als eine Stunde Arbeit. Wenn du im Betrieb normalerweise einen 8-Stunden-Tag hast und am Morgen 4 Lektionen in der Schule hast, musst du am Nachmittag noch 4 Stunden arbeiten.

Ob der Weg zwischen Schule und Arbeitsort als Arbeitszeit gilt oder nicht, ist umstritten. Der Kaufmännische Verband empfiehlt dir, mit deinem Lehrbetrieb eine Vereinbarung für die – vielleicht auch nur teilweise – Anrechnung abzuschliessen.

Ferien

Der gesetzliche Ferienanspruch für Arbeitnehmende bis zum vollendeten 20. Altersjahr beträgt 5 Wochen. Ab deinem 20. Geburtstag hast du noch mindestens 4 Wochen. Bei entsprechenden Vereinbarungen in deinem Lehrvertrag oder im Gesamtarbeitsvertrag sind mehr Ferien möglich.

Unsere Empfehlungen:

1. Lehrjahr

7 Wochen

2. Lehrjahr

6 Wochen

3./4. Lehrjahr

6 Wochen

Du hast ein Anrecht darauf, alle deine Ferientage in einem Jahr zu beziehen. Ferientage nicht einzulösen und dafür Lohn zu beziehen, ist nicht möglich. Sprich rechtzeitig mit deiner/m Berufsbildner/in, um deine Ferien frühzeitig zu planen. Rechtlich gesehen darf dein Arbeitgeber den Zeitpunkt deiner Ferien bestimmen. Im Normalfall spricht man sich im Betrieb aber ab und berücksichtigt alle Interessen. Auch deine.

Ganz frei bist du in deiner Entscheidung aber auch sonst nicht:

  • Damit du dich wirklich erholen kannst, darfst du die Ferien nicht beliebig aufteilen. Du musst mindestens zwei deiner Ferienwochen am Stück beziehen.
  • Macht dein Lehrbetrieb während der Berufsschulferien Betriebsferien, wirst du in dieser Zeit in die Ferien geschickt.
  • Du solltest deine Ferienwochen sowieso während der offiziellen Schulferien beziehen. Denn wenn du während der Schulzeit frei nimmst, musst du zwar nicht zur Arbeit, aber dennoch den Unterricht besuchen. Deine Schule kann in begründeten Fällen eine Ausnahme bewilligen.

Wenn du zwischen 16 und 30 bist, in deiner Freizeit ehrenamtliche Jugendarbeit leistest und bei einem privaten Unternehmen angestellt bist, hast du Anspruch auf eine Woche (unbezahlten) Jugendurlaub pro Jahr.

Kurzabsenzen

Für bestimmte Kurzabsenzen gibt ein Betrieb seinen Angestellten, inklusive Lernende, normalerweise frei. Für welche Kurzabsenz du wie viele Stunden oder Tage frei bekommst, ist gesetzlich nicht geregelt. Unternehmen halten dies oft in ihrem Betriebsreglement fest.

Wir empfehlen:

Arzt-/Zahnarzt-Besuch, Physiotherapie u.Ä.

die notwendigen Stunden – wenn möglich Randstunden –, falls die Konsultation in der Freizeit nicht möglich ist

Militärische Rekrutierung oder Inspektion

1 Tag

Heirat naher Verwandter

1 Tag

Tod eines Familienmitgliedes im eigenen Haushalt

3 Tage

Tod von Familienangehörigen

bis 3 Tage

Tod von Verwandten oder Bekannten (Teilnahme an Bestattung)

max. 1 Tag

Eigener Umzug in der Region

1 Tag

Eigener Umzug bei weiterer Entfernung

1-2 Tage

Eigene Hochzeit

3 Tage

Geburt des eigenen Kindes

2 Wochen bezahlter sowie mindestens weitere 2 Wochen unbezahlter Urlaub

Wer im Monatslohn angestellt ist, bekommt in der Regel auch Lohn für die Zeit der Kurzabsenzen. Wie viele Stunden oder Tage dir dein Betrieb für welche Kurzabsenz anrechnet bzw. entlöhnt, steht im Betriebsreglement. Angestellte, die im Stundenlohn arbeiten, haben keinen Lohnanspruch bei Kurzabsenzen – ausser dies sei im Arbeitsvertrag anders geregelt.

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Wende dich an
Michael Kraft
Jugendberater

Telefon 044 283 45 72
  • FAQ Lehre

    Die wichtigsten Fragen zur Lehre und die Antworten unserer Jugendberatung. Aus der Sorgenecke für Lernende von "20 Minuten".

Das musst du wissen

Alle deine Rechte in aller Kürze findest du auf unserem Merkblatt "Meine Rechte und Pflichten". Als Mitglied kannst du es gratis herunterladen.

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