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24. August 2014

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Berufsbildung in der Akademisierungsfalle

Gestützt auf eine Umfrage unter Absolventinnen und Absolventen der Höheren Berufsbildung, fordert der KV Schweiz einen neuen Finanzierungsschlüssel. Zudem verlangt er, den Wert der Bildungsabschlüsse national wie international transparent darzustellen.

Die Höhere Berufsbildung (HBB) muss gestärkt werden. Insbesondere, weil sie dringend benötigte Fach- und Führungskräfte auf den Arbeitsmarkt bringt. Sie ist einer der wichtigsten Standortvorteile der Schweiz und trägt wesentlich zum Erfolg der gesamten Volkswirtschaft bei. Wie die Stärkung aber aussehen soll, darüber herrscht Uneinigkeit. Nun liefert der KV Schweiz Daten, die Klarheit in die Diskussion bringen: Er beruft sich auf die Resultate einer Umfrage unter mehr als 4000 Absolventinnen und Absolventen der HBB im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Berufsfeld.

Die Umfrage greift zwei für die (politische) Weiterentwicklung der HBB zentrale Themen auf: die Finanzierung und Unterstützung von Weiterbildungen sowie die Anerkennung der Abschlüsse. Aus der Befragung geht hervor, dass die Hauptmotive für das Absolvieren einer Weiterbildung die Erhöhung der Arbeitsmarktchancen und die persönliche Weiterentwicklung sind. Die finanzielle und zeitliche Unterstützung des Arbeitgebers spielt auch eine wichtige Rolle. Frauen werden jedoch weniger unterstützt als Männer. Auffallend ist weiter, dass Grossbetriebe überproportional mehr Unterstützung gewähren als KMU.

Soll das brachliegende Fach- und Führungskräftepotenzial für die Volkswirtschaft tatsächlich ausgeschöpft werden, ist die finanzielle Unterstützung ein zentraler Schlüssel. Es braucht ein nachfrageorientiertes Finanzierungsmodell: HBB-Absolvierende sollen für Vorbereitungskurse zu eidgenössischen Berufs- und Höheren Fachprüfungen höhere Beiträge durch die öffentliche Hand erhalten und diese direkt ausbezahlt bekommen. Damit würden auch Studierende in KMU mehr Unterstützung erfahren. Deshalb fordert der KV vom Bund jährlich 100 Millionen Franken mehr für die HBB.

Gegen akademische Titel

Die zweite grosse Herausforderung für die HBB ist die nationale und internationale Positionierung. Während die grosse Mehrheit der befragten Absolventinnen und Absolventen sich noch nie im Ausland beworben hat und deshalb keine Erfahrungswerte aufweist, nennen immerhin 15% Probleme hinsichtlich des Bekanntheitsgrades ihres Berufsbildungsabschlusses bei Bewerbungen in der Schweiz.

Deshalb werden momentan zum Beispiel Titel wie Professional Bachelor/Master diskutiert. Die Umfrageteilnehmenden haben zur Titelfrage keine eindeutige Präferenz: 43% sind für eine Einführung. 25% sind dagegen und ein Drittel kann die Frage nicht beurteilen.

Der KV Schweiz lehnt eine Einführung von akademischen Titeln klar ab. Die Kopie einer Titeletikette würde nur zu mehr Verwirrung führen und die Berufsbildung auf lange Frist hin schwächen. Die HBB würde nicht an Wert gewinnen und in der Akademisierungsfalle landen. Wobei die Titel nur eines von mehreren Beispielen sind, die dahin führen.

Der Verband fordert daher den Ständerat auf, den knappen Entscheid des Nationalrates vom Juni 2014 für die Einführung von akademischen Titeln in der Berufsbildung zu korrigieren. Zudem plädiert er einmal mehr für einen Nationalen Qualifikationsrahmen für die Berufsbildung, der es ermöglicht, die Berufsbildungsabschlüsse national wie international verständlich darzustellen. Deshalb verlangt der KV Schweiz vom Bundesrat am 27. August 2014 einen positiven Entscheid zur Einführung eines solchen Rahmens.

Kontakt

Meier Claude

Claude Meier
Leiter Bildung

Telefon 079 540 79 80