17. April 2013

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Lehrabgänger/innen-Umfrage 2012

Vier Monate nach Abschluss der Kaufmännischen Lehre liebäugeln 95% aller Lehrabgänger/innen mit einer Weiterbildung, oder sie haben bereits eine begonnen. Erfreulich ist auch die Beschäftigungssituation: Lediglich 2.5% waren zu diesem Zeitpunkt noch bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet.

Vier Monate nach der Lehrabschlussprüfung hat die überwiegende Mehrheit der Abgänger/innen klare Zukunftsperspektiven. 73.7% sind erwerbstätig, 18.5% gehen einer anderen Beschäftigung nach. Zu gut zwei Dritteln absolviert letztere Gruppe eine zusätzliche Aus- oder Weiterbildung.

Erfreulicherweise absolvierten sehr wenige Lehrabgänger/innen zum Erhebungszeitpunkt im November 2012 ein Praktikum (2.8%, Vorjahr: 3.7%). Besonders störend ist, dass gut die Hälfte der Personen dieses Praktikum im kaufmännischen Bereich und in der gleichen Branche macht. Diese Abgänger/innen hätten das Recht auf eine richtige Anstellung und eine angemessene Entlöhnung.

Von den verbleibenden 5% ist die Hälfte arbeitslos gemeldet, 1% ist ohne Unterstützung des RAV auf Stellensuche. 1.5% haben es entweder mit der Stellensuche nicht eilig, oder sie haben bereits eine Stelle in Aussicht, diese aber noch nicht angetreten. Damit bestätigt sich der Trend, dass Lehrabgänger/innen mit kaufmännischem Profil auf dem Stellenmarkt sehr begehrt sind: Die durchschnittliche Quote der gemeldeten Stellenlosen in der Altersgruppe 15 – 24 Jahre liegt mit 3.5% (November 2012) deutlich höher. Die positive Entwicklung seit der Ersterhebung im Juli legt zudem den Schluss nahe, dass der Stellenmarkt sehr wohl in der Lage ist, alle kaufmännischen Lehrabgänger/innen aufzunehmen, wegen der grossen Zahl an Absolvent/innen (2012: rund 12 000) allerdings mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung.

Um diese Thematik zu entschärfen, fordert der KV Schweiz die Betriebe auf, ihren Lehrabgänger/innen vermehrt die Möglichkeit zu bieten, auch nach Lehrabschluss für eine gewisse Zeit im Betrieb verbleiben zu können.

Wenig Unterstützung bei Weiterbildungen

Erstmals wurden im Rahmen der Lehrabgänger/innen-Umfrage auch detailliert die Weiterbildungswünsche abgefragt. Und hier zeigt sich, dass die Bereitschaft zur beruflichen Weiterbildung im kaufmännischen Bereich enorm hoch ist. Über die Hälfte der Befragten gab an, entweder bereits mit einer Weiterbildung begonnen zu haben oder im laufenden Jahr damit zu beginnen. Weitere 44% wollen in den nächsten Jahren eine Weiterbildung in Angriff nehmen, und lediglich 5.6% haben noch keine entsprechenden Pläne.

Die Berufsmatura ist mit 20% die am häufigsten geplante Weiterbildung, gefolgt von einem Fachhochschulstudium (18%). Mit je ca. 10% sind auch Sprachkurse, Berufsprüfungen (Fachausweise) und Zertifikatsausbildungen sehr beliebt. Rund die Hälfte der Befragten absolviert die Weiterbildung berufsbegleitend.

Eher bescheiden nimmt sich bei den Weiterbildungsbemühungen junger Kaufleute in einem Anstellungsverhältnis aber die Unterstützung durch die Arbeitgeber aus. Lediglich 10% werden finanziell, immerhin 30% zeitlich und gut 12% finanziell und zeitlich unterstützt. Der KV Schweiz fordert die Unternehmen auf, diese Unterstützung auszubauen – nicht zuletzt auch in ihrem eigenen Interesse, denn die Wirtschaft ist auf gut ausgebildete Fachkräfte dringend angewiesen.

Der Fragebogen wurde vom KV Schweiz in Kooperation mit dem Stellenmarkt-Monitor (Universität Zürich) ausgearbeitet. Im November 2012 nahmen 1 633 ehemalige Lernende daran teil, an der Ersterhebung im Juli 2012 beteiligten sich 3 387 Personen. Die kaufmännische Grundbildung ist die mit Abstand am häufigsten absolvierte Lehre in der Schweiz.

Michael Kraft,

Verantwortlicher Jugendpolitik,
Telefon 044 283 45 72, Mobile 076 428 25 11