kfmv_Business_Excellence_Single_58_0143_RGB_300dpi

Werden Sie Berufsbildner/in

Als Berufsbildner/in vermitteln Sie Lernenden den praktischen Teil der beruflichen Grundbildung im Lehrbetrieb oder stellen die Vermittlung sicher. Der Kaufmännische Verband rät, für jede/n Lernende/n ein Ausbildungsprogramm zu erstellen.

Als Berufsbildner/in sind Sie für die gesamte Ausbildung der Lernenden verantwortlich. Sie müssen die Lern- und Leistungsdokumentation genau kennen. Und sie sollten fähig sein, die Ausbildung so zu gestalten, dass die/der Lernende die vorgegebenen Lernziele erfolgreich meistern kann.

Kurse

Die in einem Unternehmen verantwortlichen Berufsbildner/innen werden in jedem Lehrvertrag aufgeführt. Sie verfügen über ein eidg. Fähigkeitszeugnis EFZ des entsprechenden Berufs oder über eine gleichwertige Qualifikation, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung im Lehrgebiet und angemessene berufspädagogische Qualifikationen. Diese können wie folgt erworben werden:

  • in der "Bildung für Berufsbildner/innen" (BBB) – im Umfang von 100 Lernstunden. Sie erhalten ein eidg. anerkanntes Diplom.
  • oder im "Kurs für Berufsbildner/innen in Lehrbetrieben" (KBB) – im Umfang von 40 Kursstunden. Sie erhalten einen kantonalen, eidg. anerkannten Ausweis.

Die berufspädagogische Bildung ist im Rahmenlehrplan für Berufsbildungsverantwortliche definiert. Die Inhalte sind nicht berufsbezogen. Sie betreffen methodisch-didaktische und führungsspezifische Grundlagen für die Ausbildung von Jugendlichen. Haben Sie bereits eine berufspädagogische Qualifikation, können Sie vom Besuch der Kurse ganz oder teilweise befreit werden.

Als Berufsbildner/in können Sie auch Fachkräfte des Betriebs beauftragen, den Lernenden einen Teil der beruflichen Praxis zu vermitteln. Als Fachkraft gilt, wer über eine abgeschlossene berufliche Grundbildung im Fachbereich der lernenden Person oder über eine gleichwertige Qualifikation verfügt. Verantwortlich bleiben aber in jedem Fall Sie, der/die Berufsbildner/in.

Der Kaufmännische Verband bietet in den Regionen vom SBFI anerkannte Ausbildungskurse für Berufsbildner/innen sowie themenspezifische Weiterbildungen an.

Ausbildungsprogramm für Lernende

Stellen Sie zu Beginn der Ausbildung für jede/n Lernende/n ein persönliches Ausbildungsprogramm zusammen und besprechen Sie es mit ihr/ihm. Darin halten Sie fest, in welchen Abteilungen und Bereichen die Ausbildung stattfindet und wie lange in diesen gearbeitet wird. Für jedes Semester definieren Sie Pflicht- und Wahlpflicht-Leistungsziele, die dann auch die Basis für die Arbeits- und Lernsituationen (ALS) sowie die Prozesseinheiten (PE) bilden.

Arbeits- und Lernsituation

Als Berufsbildner/in halten Sie einmal pro Semester den Ausbildungsstand der lernenden Person im Ausbildungsbericht über die Arbeits- und Lernsituationen (ALS) fest. Insgesamt also sechsmal während der Lehre. Die nötigen Formulare zur Durchführung und Beurteilung der ALS sowie eine Wegleitung für Lernende und Berufsbildner/innen werden durch die jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen erarbeitet und in der Lern- und Leistungsdokumentation (LLD) dokumentiert. Der Ablauf der ALS sieht folgendermassen aus:

  • Vorbereitungsgespräch
    Sie und die zuständige Ausbildungsperson wählen in Absprache mit der/m Lernenden die Leistungs- und Verhaltensziele aus, die beurteilt werden. Die Kriterien und die Notenskala müssen also bereits im Voraus allen Beteiligten bekannt sein. Sämtliche Abmachungen werden im Ausbildungsbericht festgehalten und von beiden Parteien unterschrieben.
  • Beobachtungszeit
    Die/der Lernende arbeitet während drei bis sechs Monaten in der vereinbarten Lernsituation. Die zuständige Ausbildungsperson beobachtet sie/ihn in dieser Zeit bei der Arbeit und hält wichtige Ereignisse schriftlich fest.
  • Beurteilungsgespräch
    Sie und die zuständige Ausbildungsperson beurteilen und bewerten die Leistungen und Verhaltensweisen aufgrund der festgehaltenen Beobachtungen. Das Gespräch dient auch als eine Art Standortbestimmung für Lernende. Sie halten die Beurteilung und die Schlussnote im Ausbildungsbericht (vorgegebenes Formular) fest und geben sie in die Datenbank DBLAP 2 ein. Die Noten zählen für den betrieblichen Teil des Qualifikationsverfahrens.

Prozesseinheit (PE)

Je nach Branche absolvieren die Lernenden während der Ausbildung zwei Prozesseinheiten (PE) oder zwei Kompetenznachweise der überbetrieblichen Kurse (ük-KN). Die PE werden im Lehrbetrieb durchgeführt, die üK-KN in den überbetrieblichen Kursen. Die Noten zählen für die betriebliche Erfahrungsnote des Qualifikationsverfahrens (QV). Jede PE wird nach einem vorgegebenen Plan absolviert:

  • Vorbereitungsgespräch
    In diesem Gespräche legen die verantwortliche Ausbildungsperson und die/der Lernende die Aufgabenstellung und den Ablauf fest. Die Vereinbarungen werden schriftlich in einem von den Branchen vorgegebenen Formular festgehalten und von beiden Parteien unterzeichnet.
  • Präsentation
    Die PE müssen einer vom Lehrbetrieb bestimmten unabhängigen Drittperson präsentiert werden, die diese dann beurteilt. Die Drittperson kann aus dem Lehrbetrieb stammen oder von extern kommen. Bei einer betriebsinternen Person ist darauf zu achten, dass sie der/dem Lernenden nicht in direkter Linie vorgesetzt ist.
  • Beurteilung
    Die/der Ausbildungsverantwortliche beurteilt Inhalt und Gestaltung der PE-Dokumentation. Sie als Berufsbildner/in müssen die PE-Noten in die DBLAP2 eingeben.

Die Anleitung sowie die nötigen Dokumente zur Durchführung einer PE finden Sie in der Lern- und Leistungsdokumentation (LLD).

Lerndokumentation

Alle Lernenden müssen während ihrer Ausbildung eine Lerndokumentation führen, in der sie alle wesentlichen Arbeiten, erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen im Betrieb festhalten. Die Lerndokumentation sollte mindestens einmal pro Semester durch Sie, die/den Berufsbildner/in, kontrolliert, jedoch nicht benotet werden.

Für die Lerndokumentation sind verschiedene Bearbeitungsformen möglich. Der Lehrbetrieb bestimmt die Instrumente, die dafür eingesetzt werden. Entsprechende Formulare für die Lerndokumentation finden Sie in der branchenspezifischen LLD.

Zusätzlich beurteilen die Lernenden, auch im Sinne einer Selbstreflexion, die Ausbildung. Sie notieren, was sie brauchen, um die Ausbildung zu verbessern. Zum Beispiel, wo sie mehr Unterstützung, Anleitung oder Wissen benötigen. Diese Rückmeldung wird mit Ihnen ebenfalls einmal pro Semester besprochen.

Lehrende

Sollten die Lernenden nach Beendigung der Lehrzeit nicht weiterbeschäftigt werden können, so erwachsen daraus dennoch gewisse Verpflichtungen für Sie. Unsere Empfehlungen:

  • Sie sollen die Lernenden möglichst früh, jedoch spätestens drei Monate vor Ausbildungsende über eine mögliche Weiterarbeit im Betrieb orientieren.
  • Halten Sie sich an Artikel 329 Absatz 3 des OR. Dieser besagt, den stellensuchenden Lernenden rund zwei bis drei Monate vor Auslaufen des Lehrvertrages die erforderliche Zeit zu gewähren, um sich vorstellen zu können. Dies ohne die Verpflichtung, die entsprechende Zeit nachzuholen.
  • Der Kaufmännische Verband empfiehlt, die Lehrabgänger/innen bei der Stellensuche zu unterstützen.

Das Lehrzeugnis

Das Lehrzeugnis ist meist das erste Zeugnis, das junge Menschen im Bewerbungsprozess vorweisen können. Es ist eine wichtige Grundlage für die Laufbahn und erfordert nebst rechtlichem Wissen auch die nötige Sensibilität beim Verfassen.

Ihre Aufgabe als Berufsbildner/in ist es, den Lernfortschritt, die Leistungen und das Verhalten der Lernenden objektiv und wohlwollend zu qualifizieren. Der Kaufmännische Verband, Ihr Sparringpartner, empfiehlt Ihnen:

  • Nehmen Sie die Bildungsberichte, die Sie anlässlich der ALS (Arbeits- und Lernsituationen) während der Lehrjahre verfasst und mit den Lernenden besprochen haben, als Grundlage. Darin sind die Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen beschrieben und auch die Ausbildungsschwerpunkte werden aufgezeigt.
  • Erwähnen Sie gute Leistungen bei den Prozesseinheiten (PE). Die Lernenden können die PE als Beispiele im Bewerbungsdossier verwenden und so nebst dem Lehrzeugnis und dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis oder Berufsattest noch eine weitere praxisnahe Arbeit als Referenz ausweisen.

Anleitung zum Erstellen eines Lehrzeugnisses

Ein Lehrzeugnis sollte folgende Elemente in dieser Reihenfolge enthalten:

  • Name, Vorname, Geburtsdatum, Heimatort
  • Lehrbezeichnung, Angabe der Branche, Dauer und Profil
  • Auflistung der Tätigkeiten bzw. Ausbildungsschwerpunkte
  • Beurteilung der Arbeitsqualität unter besonderer Berücksichtigung von Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Lerntempo, Lernkompetenz, Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit
  • Beurteilung von: (1) Qualifikation, Verhalten, Sozialkompetenz (2) Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden, Vorgesetzten, insbesondere den Berufsbildner/innen, Praxisbildner/innen, Umgangsformen
  • Hinweis auf das Bestehen des Qualifikationsverfahrens unter besonderer Berücksichtigung und Erwähnung, sofern diese sehr gut bestanden wurde. Hinweis über eine Weiterbeschäftigung nach der Lehre.
  • Empfehlung und Wünsche
  • Datum und Unterschrift(en)

Mitglieder des Kaufmännischen Verbandes können ein Musterlehrzeugnis downloaden!



Mehr Wissen. Für Sie.

Unsere Leitfäden für Berufsbildner/innen vermitteln alles Wichtige rund um die Lehrlingsbetreuung. Gratis für Mitglieder der Fachgruppe wbp – Print und online!

Zu den Leitfäden

Alltagsprobleme lösen

kfmv_Entry_Silh_Peo_10_0054_K_150dpi_tr

Welche Regeln sollen gelten punkto Phone, Facebook, Kleidung oder Sprache?