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"Nur mit Kostensparen rettet man kein Geschäft."

    Herausragende Leistung wird bei Swissport International Basel belohnt. Per 1. Januar 2019 stimmte das Unternehmen einer generellen Lohnerhöhung für alle Mitarbeiter zu und stellt somit einen vollen Teuerungsausgleich sicher. Und das obwohl die Luftverkehrsbranche vor zahlreichen Herausforderungen steht. Wie Swissport International Basel mit dem zunehmenden Wettbewerb und Kostendruck umgeht und künftig automatisierte Prozesse mit individuellem Service kombinieren möchte, erklärt Gion-Pieder Pfister, Senior Vice President & CEO Swissport International Basel, im Interview.

    kfmv-Blog: Rückblickend, welches waren die grössten Herausforderungen für den Luftverkehr im letzten Jahr?

    Gion-Pieder Pfister: Am Standort Basel sind eine ganze Reihe Herausforderungen auf uns zugekommen, mit denen teilweise der gesamte Luftverkehr in Europa zu kämpfen hatte. Einerseits die Streiks der Luftverkehrskontrolleure in Frankreich und Italien, andererseits die Überlastung des Luftraums in Europa und eine allgemein angespannte Personalsituation bei den Fluglotsen. Es fehlt nach wie vor ein einheitlicher Luftraum in Europa, der zu deutlich mehr Effizienz führen würde.

    Wie hat sich das auf den EuroAirport in Basel ausgewirkt?

    In Basel kommt die anhaltend hohe Auslastung des Flughafens hinzu: Der EuroAirport ist für 8 Millionen Passagiere ausgelegt, hat aber im vergangenen Jahr 8.6 Millionen Passagiere abgefertigt. Ausserdem ist der Flughafen noch nicht «beslottet»: Jede Fluggesellschaft kann dadurch innerhalb der Öffnungszeiten landen und starten wann sie will; Ohne Restriktionen wie an den Flughäfen Zürich und Genf. Speziell zu Spitzenzeiten wie zu Ferienbeginn und -ende haben wir am Anschlag gearbeitet. Verkehrsströme waren unberechenbar. Auch das Wetter hat im letzten Jahr schlecht mitgespielt… Wir konnten die Auswirkungen all dieser Faktoren zum Glück mit zusätzlichen Rekrutierungen und der Einplanung von Reserven in der Operation einigermassen auffangen. Unser Personal war extrem gefordert und hat einen grossartigen Job geleistet.

    Grund für Swissport International Basel einer generellen Lohnerhöhung nachzukommen? 

    Swissport International unterstützt das Prinzip, dass herausragende Leistung belohnt werden soll. Wir führen deshalb in Basel während des ganzen Jahres traditionell individuelle Saläranpassungen durch, für Mitarbeiter, die sich durch ausserordentliche Leistungen auszeichnen. Hinzu kommt eine generelle Lohnanhebung von 1.1% für alle Mitarbeiter im Monats- wie im Stundenlohn. Swissport International vertritt und lebt das Grundprinzip der Lohngleichheit.

     

    Für den Kaufmännischen Verband ist eine Lohnentwicklung, die sich nach dem Wachstumskurs der Schweizer Wirtschaft richtet, ebenso selbstverständlich wie die strukturelle Lohngleichheit. Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit dem Verband?

    Ich erlebe den Kaufmännischen Verband als kritischen, aber konstruktiven Sozialpartner, mit dem man gemeinsam Lösungen findet. So stelle ich mir das Zusammenwirken der Sozialpartner vor. Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) gibt allen Partnern Sicherheit und eine solide Basis für die Zusammenarbeit.

    Welche neuen Herausforderungen kommen künftig auf die Luftverkehrsbranche zu?

    Sicherlich müssen wir aufgrund der steigenden Passagierzahlen immer wieder unsere Prozesse und Abläufe unter die Lupe nehmen, damit wir auch weiterhin unsere hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards für unsere Kunden gewährleisten können. Auch in Fragen der Nachhaltigkeit müssen wir uns weiter anstrengen und ökologischer werden – zum Beispiel durch den Einsatz innovativer und moderner Elektrofahrzeuge für die Abfertigung am Boden. In Basel kommt noch das bi-nationale Umfeld des Flughafens hinzu. Die Anwendung des Schweizer Arbeitsrechts ist, trotz einer politischen Vereinbarung, rechtlich nicht gesichert und steht dauernd unter Beschuss.

    Auch führt der zunehmende Kostendruck zu einem stärkeren Wettbewerb in der Branche…

    Der Luftverkehr war schon immer eine durch viele globale und lokale Faktoren beeinflusste Branche. Wir müssen also per Definition fit und flexibel bleiben. Natürlich ist es nicht immer einfach. Das Aufkommen der Low-Cost-Carrier und die Gegenreaktionen der traditionellen Fluggesellschaften haben das Preisniveau für Passagiere extrem sinken lassen. Wie alle Branchen versuchen wir Kosten durch Effizienzsteigerungen, wie Prozessverbesserungen, Automatisierung und Flexibilisierung auf allen Ebenen aufzufangen. Nur mit Kostensparen rettet man aber kein Geschäft.

    Das heisst, Sie investieren in neue Massnahmen und in Ihre Mitarbeiter?  

    Wir investieren sehr viel in neue Betriebsmittel, in die Ausbildung des Personals, in die Arbeitssicherheit, in unser Qualitätssicherungssystem «Swissport Formula» und in die Rekrutierung. In einem Geschäft wie dem unseren, wo der Preis der Dienstleistung Hauptkostenfaktor ist, machen diese Elemente im Konkurrenzkampf den Unterschied.

    Wie werden Sie in Zukunft rekrutieren? Und wie verändern sich die Berufe im Luftverkehr im Hinblick auf den Megatrend Digitalisierung?

    Grundsätzlich wächst der Luftverkehr weiter und schafft Arbeitsplätze. Es gibt schon heute eine Segmentierung zwischen «Volumen und Qualität». Volumen wird durch die Digitalisierung (Check-in, Gepäckabgabe, Boarding, Robotik bei der Gepäcksortierung usw.) noch mehr automatisiert. Qualität wird mit einem persönlichen Service für Vielflieger und First- und Business Class oder gegen Bezahlung individualisiert. Heute ist es zudem so, dass wir Probleme haben, qualifiziertes Fachpersonal zu finden. Die Digitalisierung hilft uns also das Geschäft zu sichern.

    Wie schafften Sie es, Digitalisierung und Automation in traditionelle Abläufe zu integrieren?

    Swissport International Basel ist eine von sechs Innovation- «Lab-Stations» innerhalb des Swissport-Konzerns. Dies hat einen sehr positiven Einfluss auf die Organisation und setzt ganz neue Energien frei. Schlussendlich versuchen wir als Management auf allen Ebenen und trotz Wachstum nahe bei unserem Personal zu sein. Ich denke, dies ist noch immer eine Stärke von Swissport International Basel.

    Ich erlebe den Kaufmännischen Verband als kritischen, aber konstruktiven Sozialpartner, mit dem man gemeinsam Lösungen findet. So stelle ich mir das Zusammenwirken der Sozialpartner vor. Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) gibt allen Partnern Sicherheit und eine solide Basis für die Zusammenarbeit.
    Gion-Pieder Pfister

    Gastautorin

    • Emily Unser

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