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Die Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus werfen viele arbeitsrechtliche Fragen auf. Wie schützt der Arbeitgeber seine Mitarbeitenden? Darf oder muss man von Zuhause arbeiten? Muss man eine Maske im Büro tragen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Allgemeine Fragen

  1. Aus Angst, angesteckt zu werden, können Arbeitnehmer nicht einfach so der Arbeit fernbleiben. Falls Arbeitnehmer selber den Verdacht haben, ansteckend zu sein, da sie evtl. Symptome aufweisen, können sie in dieser Situation wie in jedem anderen Krankheitsfall zu Hause bleiben.

  2. Der Arbeitgeber hat aber aufgrund seiner Fürsorgepflicht alles zu unternehmen, damit die Möglichkeit einer Ansteckung möglichst geringgehalten werden kann (z.B. Hygienemassnahmen, Homeoffice, keine Auslandeinsätze usw.). Nach OR 328 muss er aufgrund seiner Fürsorgepflicht entsprechende Massnahmen ergreifen, auf die Gesundheit gebührend Rücksicht nehmen und Weisungen erteilen. Die Massnahmen müssen selbstverständlich verhältnismässig sein und dürfen nicht in Persönlichkeitsrechte eingreifen.

  3. Arbeitgeber sind verpflichtet, Massnahmen zum Schutz der Gesundheit von Arbeitnehmenden umzusetzen. Arbeitsplätze und Abläufe sind so zu gestalten, dass die Gesundheit von Angestellten geschützt wird.

    Als besonders gefährdete Personen gelten zurzeit schwangere Frauen sowie Personen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Ihnen sollte nach wie vor die Möglichkeit für Homeoffice gewährt werden. Falls dies im Unternehmen nicht möglich ist, müssen im Betrieb umfassende Schutzmassnahmen ergriffen oder eine Ersatztätigkeit vereinbart werden. Weiterführende Informationen sind auf der Website des SECO zu finden.

    Der Kaufmännische Verband empfiehlt weiterhin Homeoffice zu gewähren, zumal die Epidemie nicht vollständig unter Kontrolle ist und so dem unterschiedlichen Bedürfnis nach Gesundheitsschutz Rechnung getragen werden kann. Insbesondere weil am Arbeitsplatz die notwendigen Massnahmen zum Schutz der Gesundheit nicht so weit gehen, umfassende Schutzmassnahmen ergriffen werden müssen oder gefährdeten Personen sogar eine Ersatztätigkeit angeboten werden muss. Es müssen jedoch die Hygiene- und Verhaltensregeln des BAG eingehalten werden: Abstand von 1.5 Meter halten, Maske tragen und die weiteren Verhaltensregeln. (So schützen wir uns.)

  4. Das ist eine ganz heikle Frage. Die Fürsorgepflicht verpflichtet zwar den Arbeitgeber, den Arbeitnehmern Schutz und Fürsorge zu verschaffen und alles zu unterlassen, was ihren berechtigten Interessen entgegenstehen könnte. Ob der Arbeitgeber im Falle einer Ansteckung am Arbeitsplatz seiner Sorgfalts- und Fürsorgepflicht nachgekommen ist oder nicht, d.h. ob er alles unternommen hat, um die berechtigten Interessen des Arbeitnehmers zu schützen, muss jeweils im Einzelfall geprüft werden.

  5. Liegt der Grund für die Arbeitsunfähigkeit in den persönlichen Verhältnissen des Arbeitnehmers, besteht nach Art. 324a OR auch weiterhin eine Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Das heisst: Arbeitnehmer, bei denen das neue Coronavirus nachgewiesen wird und die krankheitsbedingt ausfallen, haben weiterhin Anspruch auf Lohn.

  6. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt folgende Massnahmen gegen die Ausbreitung des neuen Coronavirus

    • Abstand halten (min. 1.5m)
    • Maske tragen, wenn Abstand nicht möglich ist
    • Regelmässig gründlich Hände waschen
    • In Taschentuch oder Armbäuge husten und niesen
    • Bei Symptomen sofort testen lassen und zuhause bleiben
    • Covid-App herunterladen

    Alle aktuellen Massnahmen finden Sie unter: bag-coronavirus.ch.

  7. Aufgrund seiner Fürsorgepflicht und auch wegen möglichen Haftungsansprüchen von Kunden etc. kann der Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern verlangen, dass sie sich testen lassen.

    Eine Testpflicht des Arbeitnehmers greift in die persönliche Freiheit und in die persönliche Integrität des Arbeitnehmers ein. Es muss hier eine Güterabwägung stattfinden zwischen den berechtigten Interessen des Arbeitgebers an einem reibungslosen Betrieb und den Interessen des Arbeitnehmers, dass der Arbeitgeber in die persönliche Integrität und Freiheit des Arbeitnehmers eingreifen darf. Eine Testpflicht würde sich wohl in Betrieben durchsetzen lassen, in welchen durch eine nicht erkannte Infektion eines Arbeitnehmenden viele Menschen angesteckt werden könnten, wie z.B. in Spitälern oder Gefängnissen.

    Eine generelle Testpflicht ist aus rechtlicher Sicht nicht durchsetzbar.

  8. Nein. Der Arbeitgeber darf grundsätzlich nicht über die Freizeit der Arbeitnehmer bestimmen. Wem jedoch nachgewiesen werden kann, dass die Quarantäne selbstverschuldet ist, riskiert während der 10 Tage weder Lohn noch Erwerbsersatz zu erhalten. Die Zulässigkeit der Kündigung müsste individuell überprüft werden.

Letzte Aktualisierung: 23.06.2021

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