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Die Corona-Situation ist besonders für Studierende, Lernende und Berufs- und Praxisbildner/innen eine Herausforderung. Wie kann ein Lehrbetrieb die Lernenden-Betreuung trotz Homeoffice gewährleisten? Wie sieht die Situation an Berufsfach- und Weiterbildungsschulen aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Im Lehrbetrieb

  1. Kann im Lehrbetrieb der Abstand von 1.5 Meter nicht eingehalten werden, sind Massnahmen gemäss dem im Arbeitsbereich üblichen «STOP-Prinzip» (Substitution, Technische Massnahmen, Organisatorische Massnahmen, Persönliche Schutzausrüstung) zu treffen. Beispiele dafür sind die Arbeit im Homeoffice, die physische Abtrennung von Arbeitsplätzen, z.B. mittels Plexiglas und Tragen von Gesichtsmasken. Vertiefte Informationen und ein Merkblatt für Arbeitgeber zum «STOP-Prinzip» finden sich auf der Webseite vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO unter der Rubrik «Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz»

    Besonders bei der Einarbeitung im ersten Lehrjahr ist eine 1:1 Betreuung sehr wichtig. Es ist üblich, diese zusammen am Arbeitsplatz und am gleichen Bildschirm durchzuführen – auch während längerer Zeit (über 15 Minuten). Der Kaufmännische Verband ermuntert Lehrbetriebe, ihren Lernenden und Praxisbildner/innen kostenlos Einweg-Masken zur Verfügung zu stellen. Dies, um die Sicherheit und Gesundheit in der engen Betreuung während der ersten Monate der Lehrzeit sicherstellen zu können.

  2. Lehrbetriebe sind verpflichtet, die Schutzmassnahmen gemäss BAG auch für Lernende einzuhalten und entsprechende Massnahmen zu treffen (Hygienemassnahmen, Homeoffice, bis hin zu Betriebsschliessungen). Davon ausgehend, dass die Krise noch längere Zeit dauern wird, ist Homeoffice gerade für KV-Lernende eine sinnvolle und in der Regel praktikable Lösung, um sowohl den Gesundheitsschutz als auch die Weiterführung der Ausbildung zu gewährleisten. Der Kaufmännische Verband fordert alle Lehrbetriebe auf, ihren Lernenden das Arbeiten im Homeoffice, wo immer dies machbar ist, zu ermöglichen, sie bei der Einrichtung ihres neuen Arbeitsplatzes zu unterstützen und ihnen die dafür erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Weitere Informationen und Praxistipps dazu im Merkblatt Homeoffice für KV-Lernende.

    Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, die jeder Arbeitgeber individuell auf die neue Situation seiner Branche und seines Betriebs anpassen muss.

    • Einzelne Tage oder komplettes Homeoffice für Lernende: Die Berufs- und Praxisbildner/innen sollen den Lernenden klare Arbeitsaufträge mitgeben. Die Kommunikation und der Austausch von Informationen kann über E-Mail, Telefon, Videokonferenzen und Desktop-Sharing sichergestellt werden. Mittels Desktop-Sharing ist es auch möglich, einzelne Arbeitsschritte den Lernenden vorzuzeigen.
    • Homeoffice für einen Teil der Belegschaft, um das Ansteckungsrisiko zu senken und den Betrieb aufrecht zu erhalten: In diesem Fall können die Lernenden wechselnd durch unterschiedliche Personen im Lehrbetrieb betreut werden.
    • Zudem kann es sinnvoll sein, den Lernenden Zeit zum selbständigen Lernen zu geben – insbesondere dann, wenn aufgrund der aktuellen Situation wenig Aufgaben im Lehrbetrieb zu erledigen sind.

    Die Rahmenbedingungen, wie z.B. die Arbeitszeit, die Erreichbarkeit und Anleitungen für Videokonferenz-Tools (wie Zoom, Microsoft Teams, Whereby, Skype usw.) müssen durch die Betriebe vorgegeben und durch die Lernenden eingehalten werden.

  3. In gewissen Branchen besteht zum Teil ein besonderer Personalmangel mit entsprechenden potenziellen Mehreinsätzen von Lernenden. Trotz der Mehrbelastung rufen die Verbundpartner und der Kaufmännische Verband die Ausbildungsbetriebe dazu auf, den Bildungsauftrag nicht zu vernachlässigen. Die arbeitsrechtlichen Regelungen (insbesondere Arbeitszeit und Überstunden/Überzeit) sowie die Vorgaben des BAG sind einzuhalten.

    Die Jugendberatung des Kaufmännischen Verbands unterstützt Lernende in solchen Situationen jederzeit gerne. Die Grundsätze der nationalen Verbundpartner zu dieser Frage finden Sie zudem in diesem Dokument.

  4. Soll der Lehrbetrieb geschlossen werden, hat der Berufsbildner oder die Berufsbildnerin das kantonale Berufsbildungsamt, die Berufsfachschule sowie die Eltern unverzüglich zu benachrichtigen. Zudem sollte er oder sie sich gemeinsam mit der lernenden Person und ihren Eltern um die Fortsetzung der beruflichen Grundbildung in einem anderen Lehrbetrieb bemühen. Das Berufsbildungsamt ist bei der Suche nach einer neuen Lehrstelle behilflich.

    Der Lehrbetrieb ist unter Umständen zu Schadenersatz verpflichtet. Diese Forderungen einzuziehen, ist allerdings sehr schwer, da die betroffenen Betriebe meist nicht mehr zahlungsfähig sind. Wird die lernende Person erwerbslos, hat sie Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Bei Konkurs des Lehrbetriebs und in gewissen anderen Fällen deckt die Arbeitslosenkasse allfällige Lohnforderungen der lernenden Person für die letzten vier Monate vor der Konkurseröffnung (Insolvenzentschädigung).

In Berufsfach- und Weiterbildungsschulen

  1. Präsenzveranstaltungen in weiterführenden Schulen sind seit dem 6. Juni 2020 wieder erlaubt. Die Berufsfachschulen informieren gegenüber ihren Schüler/innen, was dies für die jeweiligen Klassen und den Unterricht bedeutet. Ab dem 29. Oktober 2020 gilt an allen Berufsfachschulen eine Maskenpflicht für Lehrpersonen sowie für Schülerinnen und Schüler. Alle Schulen haben zudem ein Schutzkonzept ausgearbeitet, das selbstverständlich einzuhalten ist.

    Bei Fragen zum Schulunterricht und dessen Weiterführung melden Sie sich bitte direkt bei Ihrer Berufsfachschule.

  2. Nein. Präsenzveranstaltungen sind auf der tertiären Bildungsstufe ab 2. November 2020 wieder verboten. Dies umfasst den Hochschulbereich, die Höhere Berufsbildung, die Weiterbildung sowie weitere Bildungseinrichtungen (Ausbildung im Freizeitbereich).

    Die Schulen informieren gegenüber ihren Studierenden, was dies für die jeweiligen Klassen und den Unterricht bedeutet (z.B. Fernunterricht). Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an Ihre Schule.

  3. Nein. Der Ausbildungsauftrag der Berufsfachschulen an die Lernenden wird weitergeführt, unabhängig von der Form der Präsenzveranstaltungen. Die Berufsfachschulen informieren gegenüber ihren Schüler/innen, was dies für die jeweiligen Klassen und den Unterricht bedeutet (z.B. Halb- oder Ganzklassenunterricht, Fernunterricht etc.). Die allenfalls ausfallenden Schulzeiten werden dazu genutzt, um die Aufträge der Schule zu bearbeiten.

    Der Kaufmännische Verband appelliert an alle Lehrbetriebe, ihre Lernenden die Schulaufträge von Zuhause machen zu lassen. Das bedeutet: keine ÖV-Nutzung und kein physischer Kontakt zu anderen Mitarbeitenden.

QV und Prüfungen

  1. Ja, die Lernenden konnten trotz Coronavirus wie in den Vorjahren ihren Lehrabschluss mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis bzw. einem eidg. Berufsattest realisieren. Dies gilt auch für die Berufsmaturität. Das Qualifikationsverfahren sah dieses Jahr aufgrund der aktuellen Situation jedoch anders aus.

    Allgemeine, berufsunspezifische Informationen zum Thema "Neues Coronavirus und die Berufsbildung in der Schweiz" finden Sie auf folgender Webseite: Berufsbildung 2030

    Die Verbundpartner der Berufsbildung hatten am 9. April 2020 beschlossen, dass die schulischen Abschlussprüfungen nicht stattfinden und stattdessen die Erfahrungsnoten ins Abschlusszeugnis übernommen werden. Ebenso wurde in der ganzen Schweiz auf die kantonalen Prüfungen der eidgenössischen Berufsmaturität verzichtet und die Prüfungen durch Erfahrungsnoten ersetzt. Für die betrieblichen bzw. praktischen Prüfungen bestanden verschiedene Varianten, welche pro Beruf festgelegt werden konnten. Die für den jeweiligen Beruf zuständige Organisation der Arbeitswelt beantragte jeweils ihre bevorzugte Variante. Diese Eingabe wurde von einer Expert/innengruppe der Kantone geprüft und vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) genehmigt. In den Berufen Kauffrau/-mann EFZ, Büroassistent/in EBA, Detailhandelsfachfrau/-mann EFZ und Detailhandelsassistent/in EBA wurden auf betriebliche/praktische Lehrabschlussprüfungen verzichtet.

    Somit stützte sich sowohl der schulische als auch der betriebliche Teil des Qualifikationsverfahrens für die Lernenden in der regulären Ausbildung auf Erfahrungsnoten ab. Zum Abschluss zählten teilweise ebenfalls mehrere, bereits absolvierte Prüfungsteile aus dem schulischen Bereich. Für Repetentinnen und Repetenten sowie für Erwachsene, die den Berufsabschluss nachholen (Art. 32 BBV), wurden angepasste Prüfungsformen erarbeitet, die auch ihnen einen rechtzeitigen Abschluss unter den geltenden Richtlinien des Bundes ermöglichte.

    Mehr Informationen auf den Websites der SKKAB (Kaufleute), IGKG (Büroassistent/innen) und BDS (Detailhandel).

  2. Verschiedene Zertifikats-, Berufs- und Höhere Fachprüfungen, die im Frühjahr und Herbst 2020 zentral durchgeführt worden wären, wurden abgesagt bzw. verschoben. Sie werden als angemeldete/r Prüfungsteilnehmende/r direkt durch die Prüfungsträgerschaft bzw. die Prüfungsorganisation über den aktuellen Stand und allfällige neue Termine informiert.

  3. Nein. Die Absolvierenden müssen die eidgenössische Prüfung abgelegt haben, damit sie ein Beitragsgesuch stellen können. Dies gilt auch, wenn eine Prüfung verschoben werden muss.

    Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich Teilbeiträge zu beantragen (Ausnahmefall). Die Bedingungen für einen Antrag auf Teilbeiträge vor der eidgenössischen Prüfung gelten wie bis anhin.

Letzte Aktualisierung: 29.10.2020

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