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Die Corona-Situation ist besonders für Studierende, Lernende und Berufs- und Praxisbildner/innen eine Herausforderung. Wie kann ein Lehrbetrieb die Lernenden-Betreuung trotz Homeoffice gewährleisten? Wie sieht die Situation an Berufsfach- und Weiterbildungsschulen aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Im Lehrbetrieb

  1. Seit dem 18. Januar 2021 gilt eine «Homeoffice-Pflicht», welche besagt, dass der Arbeitgeber, überall dort Homeoffice anordnen muss, wo dies aufgrund der Art der Aktivität möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar ist (vgl. Informationen auf der Webseite vom SECO).

    Der Kaufmännische Verband und auch die kantonalen Berufsbildungsämter ermuntern die Lehrbetriebe, Homeoffice wenn immer möglich auch für Lernende umzusetzen. Gerade im kaufmännischen Bereich ist eine Fortführung des Ausbildungsauftrags auf Distanz in den meisten Fällen möglich und zumutbar. Ist die praktische Ausbildung nur vor Ort möglich, gilt es, die betrieblichen Schutzkonzepte inkl. Maskenpflicht strikt einzuhalten. In jedem Fall muss die Begleitung und Betreuung gewährleistet sein. Lernende dürfen nicht sich selbst überlassen werden.

    Zur Unterstützung der Berufs- und Praxisbildner/innen organisiert der Kaufmännische Verband Online-Seminare mit Tipps und Tricks für die Begleitung von Lernenden im Homeoffice. Zudem stellen wir das Merkblatt «Homeoffice für KV-Lernende» zur Verfügung. Dort finden Sie wichtige Informationen sowie Tipps für sinnvolle Praxisaufträge.

    Für Lernende haben wir Homeoffice-Tipps in Form eines Padlets (Link-Sammlung) zusammengestellt.

  2. Lehrbetriebe sind verpflichtet, die Schutzmassnahmen gemäss BAG auch für Lernende einzuhalten und entsprechende Massnahmen zu treffen (Hygienemassnahmen, Homeoffice, bis hin zu Betriebsschliessungen). Davon ausgehend, dass die Krise noch längere Zeit dauern wird, ist Homeoffice gerade für KV-Lernende eine sinnvolle und in der Regel praktikable Lösung, um sowohl den Gesundheitsschutz als auch die Weiterführung der Ausbildung zu gewährleisten. Der Kaufmännische Verband fordert alle Lehrbetriebe auf, ihren Lernenden das Arbeiten im Homeoffice, wo immer dies machbar ist, zu ermöglichen, sie bei der Einrichtung ihres neuen Arbeitsplatzes zu unterstützen und ihnen die dafür erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Weitere Informationen und Praxistipps dazu im Merkblatt Homeoffice für KV-Lernende.

    Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, die jeder Arbeitgeber individuell auf die neue Situation seiner Branche und seines Betriebs anpassen muss.

    • Einzelne Tage oder komplettes Homeoffice für Lernende: Die Berufs- und Praxisbildner/innen sollen den Lernenden klare Arbeitsaufträge mitgeben. Die Kommunikation und der Austausch von Informationen kann über E-Mail, Telefon, Videokonferenzen und Desktop-Sharing sichergestellt werden. Mittels Desktop-Sharing ist es auch möglich, einzelne Arbeitsschritte den Lernenden vorzuzeigen.
    • Homeoffice für einen Teil der Belegschaft, um das Ansteckungsrisiko zu senken und den Betrieb aufrecht zu erhalten: In diesem Fall können die Lernenden wechselnd durch unterschiedliche Personen im Lehrbetrieb betreut werden.
    • Zudem kann es sinnvoll sein, den Lernenden Zeit zum selbständigen Lernen zu geben – insbesondere dann, wenn aufgrund der aktuellen Situation wenig Aufgaben im Lehrbetrieb zu erledigen sind.

    Die Rahmenbedingungen, wie z.B. die Arbeitszeit, die Erreichbarkeit und Anleitungen für Videokonferenz-Tools (wie Zoom, Microsoft Teams, Whereby, Skype usw.) müssen durch die Betriebe vorgegeben und durch die Lernenden eingehalten werden.

  3. Kann im Lehrbetrieb der Abstand von 1.5 Meter nicht eingehalten werden, sind Massnahmen gemäss dem im Arbeitsbereich üblichen «STOP-Prinzip» (Substitution, Technische Massnahmen, Organisatorische Massnahmen, Persönliche Schutzausrüstung) zu treffen. Beispiele dafür sind die Arbeit im Homeoffice, die Maskenpflicht, die physische Abtrennung von Arbeitsplätzen, z.B. mittels Plexiglas, u.ä.

    Vertiefte Informationen und ein Merkblatt für Arbeitgeber zum «STOP-Prinzip» finden sich auf der Webseite vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO unter der Rubrik «Pflichten der Arbeitgeber».

    In Innenräumen gilt überall dort eine Maskenpflicht, wo sich mehr als nur eine Person in einem Raum aufhält. Ein grosser Abstand zwischen Arbeitsplätzen im gleichen Raum genügt nicht mehr. Der Lehrbetrieb muss die Gesichtsmasken am Arbeitsplatz zur Verfügung stellen und dafür sorgen, dass die Maskenpflicht umgesetzt wird.

  4. In gewissen Branchen besteht zum Teil ein besonderer Personalmangel mit entsprechenden potenziellen Mehreinsätzen von Lernenden. Trotz der Mehrbelastung rufen die Verbundpartner und der Kaufmännische Verband die Ausbildungsbetriebe dazu auf, den Bildungsauftrag nicht zu vernachlässigen. Die arbeitsrechtlichen Regelungen (insbesondere Arbeitszeit und Überstunden/Überzeit) sowie die Vorgaben des BAG sind einzuhalten.

    Die Jugendberatung des Kaufmännischen Verbands unterstützt Lernende in solchen Situationen jederzeit gerne. Die Grundsätze der nationalen Verbundpartner zu dieser Frage finden Sie zudem in diesem Dokument.

  5. Soll der Lehrbetrieb geschlossen werden, hat der Berufsbildner oder die Berufsbildnerin das kantonale Berufsbildungsamt, die Berufsfachschule sowie die Eltern unverzüglich zu benachrichtigen. Zudem sollte er oder sie sich gemeinsam mit der lernenden Person und ihren Eltern um die Fortsetzung der beruflichen Grundbildung in einem anderen Lehrbetrieb bemühen. Das Berufsbildungsamt ist bei der Suche nach einer neuen Lehrstelle behilflich.

    Der Lehrbetrieb ist unter Umständen zu Schadenersatz verpflichtet. Diese Forderungen einzuziehen, ist allerdings sehr schwer, da die betroffenen Betriebe meist nicht mehr zahlungsfähig sind. Wird die lernende Person erwerbslos, hat sie Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Bei Konkurs des Lehrbetriebs und in gewissen anderen Fällen deckt die Arbeitslosenkasse allfällige Lohnforderungen der lernenden Person für die letzten vier Monate vor der Konkurseröffnung (Insolvenzentschädigung).

  6. Schnupperlehren geben zukünftigen Lernenden Einblicke in ein Unternehmen. Meist dauern sie im kaufmännischen Bereich von einem halben Tag bis drei Tage. Auch Lehrbetriebe lernen dadurch ihre zukünftigen Lernenden kennen. Daher bieten Schnupperlehren eine optimale Eignungsüberprüfung für die Lehrstellenbesetzung. 

    Einige Unternehmen bieten auch während der Corona-Krise weiterhin Schnuppern im Betrieb an, allerdings in einer angepassten Form – zum Beispiel in kleineren Gruppen, so dass die betriebsinternen Schutzkonzepte sowie BAG-Empfehlungen eingehalten werden können.

    Andere bieten virtuelle Betriebsführungen und Berufsinformationen per Video an, bei denen die Lernenden Einblick in ihre Lehre im Betrieb geben. Zudem führen sie Gespräche und Aufträge/Gruppenarbeiten zur Eignungsabklärung per Videokonferenz durch. Zahlreiche Lehrbetriebe (v.a. Banken) bieten sogenannte WhatsApp-Schnuppern an. 

    Oft haben Berufsbildner die Selektions-Schnupperlehren mit den Lernenden neu aufgegleist. Beispielsweise werden Vorbereitungsarbeiten durchgeführt, welche die Schnupperlernenden dann virtuell präsentieren oder zuschicken. Bei angehenden Kaufleuten hat das Vorstellungsgespräch klar mehr Gewicht und das kann virtuell durchgeführt werden. Einen Schlussentscheid über eine Einstellung zu fällen, ohne jemanden gesehen zu haben, ist schwierig.

    Weitere Informationen zum Thema «Berufe kennenlernen in Zeiten von Covid-19».

In Berufsfach- und Weiterbildungsschulen

  1. Präsenzveranstaltungen in weiterführenden Schulen sind seit dem 6. Juni 2020 wieder erlaubt. Die Berufsfachschulen informieren gegenüber ihren Schüler/innen, was dies für die jeweiligen Klassen und den Unterricht bedeutet. Ab dem 29. Oktober 2020 gilt an allen Berufsfachschulen eine Maskenpflicht für Lehrpersonen sowie für Schülerinnen und Schüler. Alle Schulen haben zudem ein Schutzkonzept ausgearbeitet, das selbstverständlich einzuhalten ist.

    Bei Fragen zum Schulunterricht und dessen Weiterführung melden Sie sich bitte direkt bei Ihrer Berufsfachschule.

  2. Nein. Präsenzveranstaltungen sind auf der tertiären Bildungsstufe ab 2. November 2020 wieder verboten. Dies umfasst den Hochschulbereich, die Höhere Berufsbildung, die Weiterbildung sowie weitere Bildungseinrichtungen (Ausbildung im Freizeitbereich).

    Die Schulen informieren gegenüber ihren Studierenden, was dies für die jeweiligen Klassen und den Unterricht bedeutet (z.B. Fernunterricht). Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an Ihre Schule.

  3. Nein. Der Ausbildungsauftrag der Berufsfachschulen an die Lernenden wird weitergeführt, unabhängig von der Form der Präsenzveranstaltungen. Die Berufsfachschulen informieren gegenüber ihren Schüler/innen, was dies für die jeweiligen Klassen und den Unterricht bedeutet (z.B. Halb- oder Ganzklassenunterricht, Fernunterricht etc.). Die allenfalls ausfallenden Schulzeiten werden dazu genutzt, um die Aufträge der Schule zu bearbeiten.

    Der Kaufmännische Verband appelliert an alle Lehrbetriebe, ihre Lernenden die Schulaufträge von Zuhause machen zu lassen. Das bedeutet: keine ÖV-Nutzung und kein physischer Kontakt zu anderen Mitarbeitenden.

QV und Prüfungen

  1. Jugendliche und Erwachsene, die eine Berufslehre absolvieren, sollen auch 2021 einen vollwertigen, auf dem Arbeitsmarkt anerkannten Berufsabschluss erlangen. Auch die Kandidatinnen und Kandidaten der Berufsmaturität sollen diese ohne Abstriche abschliessen können. Am Spitzentreffen der Berufsbildung vom 9. 11.2020 haben sich Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt gemeinsam dafür ausgesprochen, dass die Qualifikationsverfahren 2021 wenn immer möglich nach geltendem Recht durchgeführt werden sollen. Um nationalen und kantonalen Schutzbestimmungen gerecht zu werden und so die Durchführung der Prüfungen zu sichern, erarbeiten die Organisationen der Arbeitswelt und die Kantone vorgängig organisatorische Massnahmen. 

    Aktualisierte Informationen der vom SBFI mandatierte, verbundpartnerschaftlich zusammengesetzte Task Force «Perspektive Berufslehre» finden Sie auf der Webseite

  2. Sie werden als angemeldete/r Prüfungsteilnehmende/r direkt durch die Prüfungsträgerschaft bzw. die Prüfungsorganisation über den aktuellen Stand und allfällige neue Termine informiert.

  3. Nein. Die Absolvierenden müssen die eidgenössische Prüfung abgelegt haben, damit sie ein Beitragsgesuch stellen können. Dies gilt auch, wenn eine Prüfung verschoben werden muss.

    Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich Teilbeiträge zu beantragen (Ausnahmefall). Die Bedingungen für einen Antrag auf Teilbeiträge vor der eidgenössischen Prüfung gelten wie bis anhin.

Lehrstellensuche

  1. Konkrete Tipps für den Eintritt in die Arbeitswelt und die erste Lehrstelle hat der Kaufmännische Verband hier zusammengetragen. 

    Die Berufsberatungsstellen (BIZ) stellen Bewerbungsunterlagen für die Lehrstellenbewerbung zur Verfügung und teilen Tipps auf der Seite «Berufe kennenlernen in Zeiten von Covid-19». Dort werden alternative Möglichkeiten zur klassischen Schnupperlehre aufgezeigt und entsprechende Links angegeben.

  2. Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, müssen sich mit Brückenangeboten und Zwischenlösungen auseinandersetzen und melden sich dazu am besten beim nächsten BIZ. Informationen dazu hier.

Berufseinstieg

  1. Nach einer Berufslehre die erste Stelle zu finden, ist eine grosse Herausforderung. Insbesondere in einem aufgrund der Covid-19-Pandemie angespannten Arbeitsmarkt sind junge Berufsleute vermehrt auf Unterstützung angewiesen. Zu erwarten ist, dass sich die Situation nach Ende der Kurzarbeitsentschädigungen noch weiter akzentuieren wird.

    Junge Lehrabgänger/innen sind besonders stark von der aktuellen wirtschaftlichen Lage betroffen. Verschiedene Studien zeigen, dass eine Rezession, die mit dem Berufseinstieg zusammenfällt, langfristige Auswirkungen auf die Arbeitsmarktsituation der betroffenen Arbeitnehmer/innen haben kann. Die negativen Effekte zeigen sich vor allem in Form eines tieferen Lohnniveaus. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Lehrabgänger/innen rasch im Arbeitsmarkt Fuss fassen können. Sie verfügen über eine gute und breite Grundausbildung, besitzen aber noch wenig Berufserfahrung und Spezialisierung.

  2. Du hast schon unzählige Bewerbungen verschickt, jeoch ohne Erfolg? Für Lehrabgänger/innen ohne langjährige Berufserfahrung kann der Einstieg in den Arbeitsmarkt schwierig sein. Arbeitslosigkeit kann jeden treffen. Informiere dich bezüglich deiner Ansprüche auf Unterstützung und lass dich beraten. Als Angestelltenverband unterstützt dich der Kaufmännische Verband in dieser schwierigen Situation. Unseren Mitgliedern bieten wir verschiedene Beratungen an, welche eine erste Anlaufstelle sein können.

  3. Klappt es mit dem Berufseinstieg nicht gleich auf Anhieb, möchtest du dich weiter qualifizieren und/oder suchst du eine zielführende Alternative? Nach Abschluss einer beruflichen Grundbildung kannst du alternativ zu einer Anstellung auch eine Zwischenlösung wählen. Besonders beliebt sind beispielsweise Sprachaufenthalte und Berufspraktika im Ausland. Solche erlauben es dir deine Kenntnisse in einer Sprache zu erweitern und gleichzeitig neue Menschen und Kulturen kennenzulernen.

    Der Abschluss einer beruflichen Grundbildung ist der erste Meilenstein auf deinem Karriereweg im Sinne des lebenslangen Lernens. Oft stellt sich schon bald die Frage nach möglichen und sinnvollen Weiterbildungen in deinem Berufsfeld. Eine solche kann dir dabei helfen dein Fachwissen zu vertiefen und neue Kompetenzen anzueignen. Dein Profil als Arbeitnehmer/in wird auf diesem Weg geschärft und du verbesserst deine Stellung auf dem Arbeitsmarkt. Damit du unter all den unzähligen Weiterbildungen genau das Angebot wählst, welches deinen Entwicklungs-Vorstellungen entspricht, ist es sinnvoll dich im Voraus zu informieren und beraten zu lassen. Zu den häufigsten Weiterbildungen direkt nach der Lehre gehört beispielsweise die Berufsmaturität (BM2) oder der Besuch eines Berufsbildner/innen Kurses.

Letzte Aktualisierung: 28.1.2021

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Bei weiteren Fragen steht Ihnen unser Rechtsdienst tatkräftig zur Seite. Rufen Sie uns an unter +41 44 283 45 10 oder schreiben Sie uns an rechtsdienst@kfmv.ch.

Bei spezifischen Fragen zur Situation in der Lehre  steht Lernenden, Eltern sowie Berufs- und Praxisbildner/innen unsere Jugendberatung zur Seite. Schreiben Sie uns an jugend@kfmv.ch.

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