Seitennavigation & Suche

«Die meisten würden sich wieder fürs KV entscheiden»

Junge Leute wollen sich weiterbilden. Dabei ist ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Weiterbildung wichtig, sagt Nicole Cornu, Fachverantwortliche Grundbildung und Jugendberatung.

Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger zeigen laut der aktuellen Lehrabgänger-Umfrage ein hohes Commitment und eine Leidenschaft für den kaufmännischen Beruf. Weshalb ist eine hohe Berufsidentifikation für den Arbeitsmarkt wichtig – für Betriebe und Arbeitnehmende? 

Nicole Cornu: Identifikation und Berufsstolz erhöhen die Qualität der Dienstleistungen, was Unternehmen zugutekommt. Zudem bleiben zufriedene und stolze Mitarbeitende länger bei einem Arbeitgeber beziehungsweise im gleichen Berufsfeld. Unsere Umfrage zeigt denn auch: Der Berufs- und Branchenverbleib unter den Absolventinnen und Absolventen der kaufmännischen Grundbildung ist sehr hoch. 70% der Lehrabgänger würden sich wieder für das KV entscheiden.

Es gibt auch Lehrabbrüche.

Meistens handelt es sich nicht um eigentliche Abbrüche, sondern die Lehre wird in einem zweiten Anlauf fortgeführt und auch erfolgreich abgeschlossen. Deswegen spricht man von Lehrvertragsauflösungen, beispielsweise infolge eines Lehrbetriebswechsels. Gemäss unserer Umfrage haben nur knapp 4% nach der kaufmännischen Grundbildung in einen anderen Beruf gewechselt. Zudem plant nur eine Minderheit, die Branche zu wechseln: Lediglich 18% sehen sich in fünf Jahren ausserhalb des kaufmännischen Berufsfelds.

Womit hat die Identifikation mit kaufmännischen Berufen zu tun?

Die KV-Berufe sind sehr vielfältig. Sie reichen von Direktionsassistentinnen über Kundenberater bis hin zu HR- und Kommunikationsfachleuten, alles anspruchsvolle, spannende Berufe, die sehr unterschiedliche und attraktive Karrieren ermöglichen. Ich finde es wichtig, dass man dies auch kommuniziert. Arbeitgeber, Lernorte, Branchen- und Berufsverbände sollten die Attraktivität dieses Berufes hervorheben, angehenden Lernenden und Eltern sagen: Ein KV-Abschluss schafft beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Laufbahn. 

«Die KV-Berufe sind sehr vielfältig. Sie reichen von Direktionsassistentinnen über Kundenberater bis hin zu HR- und Kommunikationsfachleuten, alles anspruchsvolle, spannende Berufe, die sehr unterschiedliche und attraktive Karrieren ermöglichen.»
Nicole Cornu

Die Jugendlichen sind ausgesprochen weiterbildungsbereit. 90% der Befragten erachten das lebenslange Lernen als relevant für ihre Karriere. Die Vereinbarkeit von Beruf und Weiterbildung ist ihnen dabei wichtig.

Diese Vereinbarkeit ist neben dem Arbeitsklima zum wichtigsten Jobkriterium avanciert. In früheren Umfragen war das deutlich weniger der Fall. Immer weniger Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger treten eine Vollzeitstelle an. 80% der teilzeitangestellten Berufseinsteiger erhoffen sich dadurch mehr Zeit für Weiterbildungen. Auffallend ist, dass Weiterbildungen sehr bewusst als Zukunftsinvestition gewählt werden und nicht einfach eine Alternative zur Erwerbslosigkeit darstellen. Unsere Umfrage hat auch gezeigt, dass sich viele Absolventinnen und Absolventen erst nach dem Lehrabschluss der Doppelbelastung von Job und Weiterbildung bewusstwerden. Weiterbildungswillige achten daher bei der Jobsuche vermehrt auf die Work-Life-Balance. Frauen – 55% der Lernenden sind weiblich – ist dies wichtiger als Männern.

Weiterbildungswille und Berufsstolz haben zugenommen. Wie sieht es bei den Löhnen aus?

Bei den Lohnempfehlungen, welche wir als Kaufmännischer Verband jedes Jahr publizieren, stützen wir uns primär auf Zahlen vom Bundesamt für Statistik ab. Gemäss unserer Umfrage ist der durchschnittliche Bruttojahreslohn für kaufmännische Berufseinsteiger gegenüber dem Vorjahr gestiegen: 2019 lag er bei 55 000 Franken, 2018 bei 52 000 Franken und 2017 bei 54 600 Franken. Diese positive Entwicklung zeugt von der grossen Anerkennung der kaufmännischen Berufe in Wirtschaft und Öffentlichkeit sowie der Relevanz auf dem Arbeitsmarkt. Mit der KV-Reform, die ansteht, werden Absolventinnen und Absolventen noch besser für die Anforderungen der Arbeitswelt gewappnet sein.

«Auffallend ist, dass Weiterbildungen sehr bewusst als Zukunftsinvestition gewählt werden und nicht einfach eine Alternative zur Erwerbslosigkeit darstellen.»
Nicole Cornu

Zur Person

  • Nina Meier

Weitere Informationen

Beliebte Inhalte