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Fit für die Zukunft – mit «Kaufleute 2022»

Die Arbeitswelt verändert sich, und mit ihr das KV. «Kaufleute 2022» stellt die Weiterentwicklung der kaufmännischen Grundbildung sicher.

Die Arbeitswelt wird digitaler, der Arbeitsmarkt flexibler, der Trend zur Dienstleistungsgesellschaft hält an. Routinearbeiten in der Administration oder der Datenerfassung nehmen ab und neue Kompetenzen sind gefragt. Was bedeutet dies für das KV, die beliebteste Lehre der Schweiz? Wird es den Beruf der Kauffrau und des Kaufmanns in zehn Jahren noch geben? Wie werden die neuen Kompetenzen vermittelt? Was ändert sich an der Ausbildung? Müssen die Lehrbetriebe die Ausbildung neu ausrichten?

  • Kommunikationsplattform Konvink

    Informationen zum aktuellen Stand des Projekts und die freigegebenen Dokumente finden Sie auf der Kommunikationsplattform Konvink der SKKAB.

    skkab.ch

Wie verändert sich das KV?

Mit diesen Fragen befasst sich das Reformprojekt Kaufleute 2022 der Schweizerischen Konferenz der Kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen (SKKAB). Die Reform stellt sicher, dass junge Erwachsene weiterhin gut ausgebildet werden, auf dem Arbeitsmarkt begehrt bleiben und aus einer Vielzahl an Karrieremöglichkeiten auswählen können. Wie alle Berufe in der Schweiz wird auch die KV-Lehre alle 5 Jahre überprüft um sicherzustellen, dass sie am Puls der Zeit bleibt.

Diese Kompetenzen sind gefragt

Digitale Kompetenzen, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen, wie zum Beispiel Selbstorganisation und Selbstreflexion, werden immer wichtiger. Junge Berufsleute müssen komplexe Herausforderungen meistern, sich in rasch wechselnden Situationen zurechtfinden und engagiert in Projekten und Teams zusammenarbeiten können. Kaufleute 2022 fokussiert deshalb auf die so genannten Handlungskompetenzen. Diese gewinnt man durch praktische Erfahrungen, weshalb der Lehrbetrieb als wichtigster Lernort im Zentrum steht. Mit dem Fokus auf Handlungskompetenzen wird das Fachwissen und dessen Anwendung im Berufsalltag bestmöglich aufeinander abgestimmt.

Komplexe Problemstellungen lösen

Kaufleute müssen in der Lage sein, herausfordernde Problemstellungen kreativ zu bearbeiten, da sie mehr in Schnittstellenfunktionen arbeiten und Projekte koordinieren werden. In der Ausbildung ist es deshalb wichtig, dass junge Lernende früh lernen, selbständig zu arbeiten, vermehrt in Teams zu agieren, sich zu reflektieren und praxisorientiert Probleme zu lösen.

Was ändert sich mit der neuen Ausbildung?

Kaufleute 2022 verbindet bewährte Elemente der heutigen Ausbildung mit notwendigen Innovationen. Die Kerngedanken vergangener Reformen werden weiterverfolgt: Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen an allen drei Lernorten – im Lehrbetrieb, an der Berufsfachschule und in den überbetrieblichen Kursen – integrieren und fördern, zu lebenslangem Lernen befähigen, selbstorganisiertes Lernen und Arbeiten fördern und begleiten. Die konsequente Orientierung an Handlungskompetenzen – also die Ausrichtung an den berufspraktischen Tätigkeiten – ist eine der ganz grossen Anliegen der Reform. Das stärkt die Berufsbildung und damit das duale Bildungssystem.

«Kaufleute müssen Prozesse strukturieren, Informationen einholen und vermitteln, Ergebnisse präsentieren und Andere für die eigenen Anliegen begeistern können.»
Michael Kraft, Leiter Bildung Kaufmännischer Verband
  1. Das Qualifikationsprofil mit seinen Handlungskompetenzbereichen ist auf der Kommunikationsplattform Konvink der SKKAB aufgeschaltet. Diese werden auf Leistungsziele für die Lehrbetriebe, Berufsfachschulen und die überbetrieblichen Kurse heruntergebrochen.

    Die Lernergebnisse einer beruflichen Grundbildung in Form von Handlungskompetenzen festgelegt. Die im Qualifikationsprofil beschriebenen Handlungskompetenzbereiche bilden die Struktur der Ausbildung und des Qualifikationsverfahrens. Hinter dem Qualifikationsprofil und den einzelnen Handlungskompetenzen steht das Tätigkeitsprofil, welches als Ergebnis einer umfassenden Berufsfeldanalyse aus allen für die kaufmännische Grundbildung relevanten Arbeitssituationen besteht. Diese Arbeitssituationen sind detailliert beschrieben und werden durch sogenannte kritische Erfolgsfaktoren im Hinblick auf die Umsetzung konkretisiert.

    Im Unterschied zum derzeit gültigen Qualifikationsprofil bestehen neu fünf Handlungskompetenzbereiche (A bis E), die für alle Lernorte identisch sind:

    • A Handeln in agilen Arbeits- und Organisationsformen
    • B Interagieren in einem vernetzten Arbeitsumfeld
    • C Koordinieren von unternehmerischen Arbeitsprozessen
    • D Gestalten von Kunden- und Lieferantenbeziehungen
    • E Einsetzen von Technologien der digitalen Arbeitswelt

    Dank der Fokussierung auf die Schlüsselkompetenzen des Berufs sowie einer tätigkeitsbezogenen und von den Lernenden ausgehenden Herangehensweise wird die Berufsidentität gestärkt. Das ist wichtig im Hinblick auf eine erfolgreiche berufliche Integration der ausgebildeten Kaufleute in den Arbeitsmarkt. Auf der Grundlage des Qualifikationsprofils sind spezifische Vertiefungen aus Sicht der Arbeitsmarktanforderungen in den Branchen möglich. Diese Konkretisierungen sind zentral für die Kompetenzentwicklung im Rahmen von betrieblichen Anwendungssituationen und Arbeitstätigkeiten.

  2. Der Lehrbetrieb trägt über Praxis und Erfahrung zum Erwerb von Handlungskompetenzen bei. Die Berufsfachschulen vermitteln Berufskunde und Allgemeinbildung, die überbetrieblichen Kurse branchenspezifisches Wissen und Knowhow.

    Sie alle unterstützen das handlungskompetenzorientierte Lernen, indem sie:

    • sich verstärkt auf Handlungskompetenzen ausrichten (vgl. Qualifikationsprofil)
    • Aus- und Weiterbildung der Berufs-/Praxisbildner/innen, Lehrpersonen und üK-Leitende ermöglichen
    • praxisorientierte Lehr- und Lernformen sowie Instrumente zur Unterstützung der Ausbildenden bieten
    • die Qualifikationsverfahren ebenfalls handlungskompetenzorientiert aufbauen und andere Prüfungsformen entwickeln
  3. Insgesamt gibt es folgende vier Optionen bzw. Vertiefungsrichtungen: 1. Kommunikation mit Anspruchsgruppen in der Landessprache, 2. Kommunikation mit Anspruchsgruppen in der Fremdsprache, 3. Finanzen und 4. Technologie. Mit diesen vier Optionen wird auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Stärken der Lernenden, aber auch auf die Bedürfnisse der Lehrbetriebe eingegangen. Wie etwa nationales vs. internationales Unternehmen, Fokus auf kommunikationsgetriebene Aufgaben vs. Fokus auf technologische oder finanztechnische Aufgaben. Die Berufsfeldanalyse hat gezeigt, dass es eine fachliche Differenzierung braucht. Durch die Wahl einer Vertiefungsrichtung wird praxisnah vermittelt. Das heisst:  Es wird keine Theorie auf Vorrat gelernt, sondern die neu erworbenen Kompetenzen können im Betrieb praktisch und konkret eingesetzt werden.

  4. Es werden keine Fächer abgeschafft, sondern es wird neu in den genannten Handlungskompetenzbereichen unterrichtet. Fachwissen bleibt wichtig. Doch die Lehrformen und Aufgaben werden sich ändern. Das gelingt, wenn sich Schule und Lehrpersonen entsprechend entwickeln.

  5. Nein, im Rahmen der kaufmännischen Grundbildung werden weiterhin zwei Fremdsprachen angeboten: Eine Fremdsprache ist obligatorisch, welche dem Einsatzgebiet des Betriebs entsprechend gewählt und falls gewünscht vertieft werden kann. Eine zweite Fremdsprache hat weiterhin eine grosse Bedeutung und wird als Wahlpflichtfach angeboten, ohne dass alle Lernenden dieses wählen müssten.

    Damit wird auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Stärken der Lernenden, aber auch auf die Bedürfnisse der Lehrbetriebe eingegangen (z.B. nationales vs. internationales Unternehmen, Fokus bei kommunikationsgetriebenen Aufgaben vs. Fokus bei technologischen oder finanztechnischen Aufgaben). Das flexible, individuell gestaltbare Ausbildungssystem gewährleistet zudem die Anschlussfähigkeit nach unten (zweijährige Ausbildung Büroassistent/in EBA) und nach oben (Berufsmaturität 2; weiterhin zwei Fremdsprachen möglich während der Lehre als Vorbereitung auf die Berufsmaturität).

  6. Ja. Die lehrbegleitende Berufsmaturität (BM 1) wird im Konzept auf der Basis der Anforderungen des Rahmenlehrplans Berufsmaturität, welcher zwei Fremdsprachen beinhaltet, verankert. Dort verändert sich nichts.

  7. Die Verbundpartner sind der Ansicht, dass sich die Profile in der heutigen Form nicht ausreichend bewährt haben. Obwohl sich das B-Profil vom E-Profil seit 2012 nur im schulischen Teil der Ausbildung unterscheidet, war die Wahrnehmung bei den Lehrbetrieben und auf dem Arbeitsmarkt teilweise eine andere. Mit der neuen KV-Lehre wird es vielfältige und weniger starre Möglichkeiten geben, um auf die individuellen Stärken der Lernenden und die Anforderungen der Lehrbetriebe einzugehen. Etwa mittels Optionen, Wahlpflichtfächern und einem persönlichen Portfolio.

  8. Das neue Qualifikationsverfahren wird handlungskompetenzorientiert ausgerichtet sein: Die Lernenden sollen zeigen, dass sie ihr erworbenes Können im Berufsalltag anwenden können.

    Ein erstes Konzept wurde Ende Juni 2020 veröffentlicht. Darin und im Entwurf der neuen Bildungsverordnung (8. Abschnitt) finden sich detaillierte Angaben zum QV.

    Alle drei Lernorte erteilen Erfahrungsnoten: Insgesamt 40% der Abschlussnote mit folgender Beurteilung: Beurteilung Betrieb 25%, Berufsfachschule 50%, üK 25%.

    Im Qualifikationsverfahren mit Abschlussprüfung werden die Handlungskompetenzen in den nachstehenden Qualifikationsbereichen wie folgt geprüft:

    1. Abschlussprüfung Berufsfachschule / Berufskenntnisse im Umfang von 4.75 Stunden (davon 1 Stunde mündlich und 3.75 Stunden schriftlich). Die schriftliche Prüfung dauert damit deutlich weniger lang als bisher. Verschiedene Handlungen werden branchenübergreifend und mit vorgegebenen Hilfsmitteln simuliert.
    2. Abschlussprüfung Betrieb / praktische Arbeit (eine branchenspezifisch geleitete Fallarbeit) im Umfang von 50 Minuten exkl. Vorbereitung. Zur Prüfung der Berufspraxis wird es somit keine schriftliche Prüfung mehr geben. Die Umsetzung erfolgt in der Branche (nicht im Lehrbetrieb).

    Die gewählte Option und der Wahlpflichtbereich sind nicht Bestandteil der Abschlussprüfung, sondern der Erfahrungsnoten. Zusätzliche Kompetenznachweise (wie Sprachzertifikate, Auslandsaufenthalte, Auszeichnungen, Computerkurse, branchenspezifische Zertifikate) werden in einem persönlichen Portfolio mitgeführt. Die konkreten Ausführungsbestimmungen zum QV sind noch zu erstellen.

  9. Die Rolle wird vielschichtiger. Lehrpersonen wie auch Berufs- und Praxisbildner/innen agieren als Vorbild, indem sie authentisch sind, Empathie und Engagement zeigen – und sich selbst reflektieren. Gleichzeitig sind sie Expert/innen und bringen ihr Fachwissen gezielt ein. Sie haben einen Wissensvorsprung und können dadurch Leistung und Kompetenzen bewerten. Für die Lernenden sind sie zudem Coaches, unterstützen im Lernprozess und vermitteln Kompetenzen zur Selbstorganisation. Die Information und die Schulung der Berufsbildungsverantwortlichen an den drei Lernorten Betrieb, Berufsfachschule und üK sowie von weiteren für die Umsetzung zuständigen Personen werden in der Umsetzungsplanung angegangen.

  10. Im Jahr 2018 wurde das Berufsfeld analysiert und die Zukunftskompetenzen des Berufs Kaufmann/Kauffrau definiert. 2019 lag der Fokus auf den didaktischen Rahmenkonzepten für die drei Lernorte Betrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse. Im Juli 2020 wurden die Bildungsverordnung, der Bildungsplan und das Konzept zum Qualifikationsverfahren (QV) fertiggestellt, durch die SKBQ Kaufmann/Kauffrau verabschiedet und veröffentlicht. Sie sind auf der Kommunikationsplattform konvink der SKKAB zum Download verfügbar. Zwischen 1. August und 30. September 2020 läuft die SKKAB-interne Anhörung. Parallel dazu findet die Ämterkonsultation durch das SBFI statt. Zudem befassen sich die Arbeitsgruppen «Schulkonferenzen» und «Kantone» mit den Bildungserlassen. Mit der neuen Lehre soll im Sommer 2022 gestartet werden.

Die SKKAB, der Kaufmännische Verband und die Verbund- und Bildungspartner agieren gemeinsam

Als Trägerin der Bildungsverordnung und des Bildungsplans des Berufs Kauffrau/Kaufmann EFZ ist die Schweizerische Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen (SKKAB) verantwortlich für die Weiterentwicklung der kaufmännischen Grundbildung. Die SKKAB engagiert sich zusammen mit allen Verbund- und Bildungspartnern seit Anfang 2018 für die neue Ausbildung. Dazu gehören die heutigen 21 Ausbildungs- und Prüfungsbranchen, die Berufsfachschulen mit ihren drei Schulkonferenzen, der Kaufmännische Verband sowie die Kantone und der Bund.

Mehr Informationen zu Kaufleute 2022 finden Sie auf der Website der SKKAB.

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