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Elternzeit – oder Vaterschaftsurlaub?

Die Schweiz hinkt mit ihrem Modell des Mutterschaftsurlaubs anderen europäischen Ländern hinterher. Der Kaufmännische Verband setzt sich deshalb für eine mehrmonatige Elternzeit ein. Sie fördert die Gleichberechtigung beider Elternteile in der Kinderbetreuung sowie die Integration von Müttern in den Arbeitsmarkt.

Elternzeit – kurz erklärt

In der Schweiz hat eine Mutter nach Geburt des Kindes Anrecht auf 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Die Mutterschaftsentschädigung entspricht 80% des durchschnittlichen Einkommens, höchstens aber CHF 196.- pro Tag. Väter haben keinen geregelten Urlaubsanspruch, erhalten aber nach den Bestimmungen des Obligationenrechts üblicherweise ein bis zwei bezahlte Urlaubstage. Damit bildet die Schweiz im OECD-Vergleich sowohl bezüglich Mutterschaftsurlaub als auch bezüglich Vaterschaftsurlaub das Schlusslicht. Während die Hälfte der OECD-Länder eine Mutterschafts- oder Elternzeitdauer von mindestens 43 Wochen gewährt (im Durchschnitt sogar 54 Wochen), kennt die Schweiz bis heute einzig die (geburtsbezogene) Mutterschaftsentschädigung. Selbst diese gibt es erst seit Juli 2005. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.

Eine mehrmonatige Elternzeit kann dazu beitragen, dass die Kinderbetreuung von Anfang an nicht nur als Aufgabe der Mutter, sondern als Aufgabe beider Elternteile betrachtet wird. Dies fördert die Gleichberechtigung und mittel- und langfristig auch den Wiedereinstieg und die Integration von Müttern in den Arbeitsmarkt. Denn Frauen sollten durch das Muttersein nicht einseitige finanzielle Nachteile oder Karrierehemmnisse erleiden. Das Potenzial an weiblichen Fachkräften kann dadurch besser genutzt und deren Erwerbsbeteiligung erhöht werden. Davon profitieren auch Unternehmen – der Arbeitsmarkt ist auf gut qualifizierte Frauen angewiesen. Dies wiederum beträgt zu einem höheren Erwerbseinkommen der Frauen resp. der Haushalte bei und hat einen positiven finanziellen Effekt auf Steuereinnahmen und Sozialversicherungen.

«In der Schweiz fehlt eine Familienpolitik. Der Bund und vor allem die Kantone und Gemeinden betreiben sie auf Sparflamme, und es bestehen grosse Unterschiede.»
Gilles Crettenand, Verbandssprecher Westschweiz Männer.ch und Projektkoordinator MenCare Suisse romande
  1. Der Kaufmännische Verband fordert eine mehrmonatige Elternzeit. Er schliesst sich der Argumentation der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen EKF an und fordert einen Elternurlaub von 28 Wochen, zu gleichen Teilen zwischen den Eltern (mindestens aber 24 Wochen gemäss EKF). Die Leistungen entsprechen denjenigen des Mutterschaftsurlaubs – jedoch für beide Elternteile. Ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub, beziehbar unmittelbar nach der Geburt und auch bei gleichen Leistungen, kann Teil davon sein.

    Lösungen innerhalb eines GAV können darüber hinausgehen.

  2. Im Sinne einer zukunftsgerichteten Bildungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik setzt sich der Kaufmännische Verband schon seit langem für Gleichberechtigung, sowohl in der Arbeitswelt als auch in der Familienpolitik, ein. Weil das Kinderhaben Aufgabe der Eltern und nicht ausschliesslich der Mutter ist und Frauen nicht einseitige finanzielle- und karrierebremsende Nachteile erleiden sollen, muss Vereinbarkeit von Beruf, Ausbildung und Privatleben auf gesellschaftspolitischer Ebene für beide Elternteile gefördert werden. Dazu gehört auch eine mehrmonatige Elternzeit, die den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedürfnissen Rechnung trägt.

  3. Die Schweiz hängt mit ihrem Modell des Mutterschaftsurlaubs anderen europäischen Ländern hinterher. Auch wenn dieses Modell mit der Einführung der Mutterschaftsentschädigung 2005 revidiert wurde, entspricht es schon lange nicht mehr den heutigen gesellschaftlichen Bedürfnissen. Einen gesetzlich geregelten Eltern- oder Vaterschaftsurlaub gibt es derzeit nicht.

    Die im Juli 2017 eingereichte Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» forderte 20 Tage über die EO finanzierten Vaterschaftsurlaub und brachte das Thema wieder ins Rollen.

    Der Kaufmännische Verband hat sich bisher für eine Elternzeit mit 14 Wochen pro arbeitendem Elternteil ausgesprochen (Parlamentarische Initiative Bertschy Nr. 16.453). Die Volksinitiative für einen 4-wöchigen Vaterschaftsurlaub hat er im Grundsatz zwar unterstützt, aber immer darauf hingewiesen, dass nur ein Elternurlaub beide Elternteile gleichermassen in die Pflicht nimmt.

    Die Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen EKFF führte 2018 eine Metaanalyse zur Wirkung einer Elternzeit durch. Zahlreiche Gründe sprechen für eine gemeinsame Elternzeit: von einer verbesserten physischen und psychischen Gesundheit von Müttern und Kindern, über eine bessere Bindung zwischen Vater und Kind, bis hin zu einer signifikant höheren Erwerbstätigkeit von Müttern. Zudem kann die Elternzeit auch einen anderen Aspekt gesellschaftlicher Ungleichheit beseitigen: Derzeit kehrt nur eine kleine Minderheit der Frauen nach 14 Wochen an ihren Arbeitsplatz zurück; vor allem diejenigen, die sich einen unbezahlten Urlaub nicht leisten können.

    Die Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats SGK-S hat im November 2018 einen Gegenvorschlag zur VI eingereicht. Dieser verlangte einen über die EO finanzierten 2-wöchigen Vaterschaftsurlaub, beziehbar innert sechs Monaten nach der Geburt des Kindes. Der Kaufmännische Verband unterstützt den Gegenvorschlag der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats SGK-S für einen 2-wöchigen Vaterschaftsurlaub – da dieser gleichzeitig mit dem Mutterschaftsurlaub bezogen werden kann und somit das Fundament für eine gemeinsame Elternzeit setzt. Eltern haben dadurch die Möglichkeit, ihren Alltag unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes gemeinsam neu zu organisieren.

    Im Juni 2019 stimmte der Ständerat für den Gegenvorschlag der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats SGK-S eines 2-wöchigen Vaterschaftsurlaubs. Für den Kaufmännischen Verband ist der politische Prozess damit jedoch noch nicht abgeschlossen. Weder ein 2- noch ein 4-wöchiger Vaterschaftsurlaub stellen, isoliert betrachtet, eine befriedigende Option dar. Nur eine mehrmonatige Elternzeit, aufteilbar zwischen den Eltern und mit fixen Ansprüchen für Mütter und Väter kann den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedürfnissen Rechnung tragen.

    Eine Volksinitiative wurde für den Frühling 2020 angekündigt.

Links & Downloads

Politische Geschäfte

Vernehmlassungen

Sobald die Behörden Themen, die für unsere Mitglieder relevant sind, in die Vernehmlassung schicken, gibt der Kaufmännische Verband eine Empfehlung ab.

Vernehmlassungsantwort zum indirekten Gegenentwurf zur Vaterschaftsurlaubs-Initiative Nr. 18.441

plattform – Allianz für Angestelltenpolitik

Die Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes wird als plattform-Thema betreut.

Die plattform vertritt die gemeinsamen politischen Interessen von Angestellte Schweiz, des Kaufmännischen Verbandes, der Schweizer Kader Organisation SKO, der Zürcher Gesellschaft für Personal-Management (ZGP) und veb.ch, dem Schweizer Verband für Rechnungslegung, Controlling und Rechnungswesen, gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Zusammen vertreten diese Verbände die Anliegen von rund 88 000 Mitgliedern in bildungs-, wirtschafts- und angestelltenpolitischen Themen. Ziel ist es, übergeordnete politische Interessen zu bündeln und konsensorientierten und kompromissfähigen Lösungen zum Durchbruch zu verhelfen.

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