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Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes

Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigt das Bedürfnis von Arbeitnehmenden, örtlich und zeitlich unabhängig zu arbeiten und sich so eine flexible Work-Life-Balance zu schaffen. Der Kaufmännische Verband unterstützt eine dadurch notwendige Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes bei gleichzeitigem Schutz der Arbeitnehmenden.

Inhalt & Forderungen

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Während die Digitalisierung mobiles Arbeiten – vor allem in Wissensberufen – möglich gemacht hat, verlangt die Gesellschaft neue Beschäftigungsformen und -grade. Selbstständigkeit, Crowdworking und Gig-Ökonomie, bei denen Personen ihre Arbeitskraft und ihre fachspezifischen Services u.a. auf Online-Plattformen zur Verfügung stellen, nehmen zu. Erwerbstätige können von zuhause aus, im Büro oder in Coworking-Spaces arbeiten.

Die neue Arbeitswelt fordert mehr Flexibilität, Mobilität und Vertrauen. Wichtig ist, dass Berufstätige, die flexibel und ortsunabhängig arbeiten, arbeitsrechtlich geschützt sind. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Gesundheitsschutz, der sowohl vom Unternehmen gewährleistet, als auch vom Mitarbeitenden wahrgenommen werden muss. Es braucht feste Abmachungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezüglich Arbeitsort, Arbeitszeit und Arbeitsvolumen und demnach eine Anpassung der arbeitsgesetzlichen Grundlagen.

«Arbeitskräfte müssen immer agiler sein. Entscheidend für das Wohlbefinden ist die Selbstbestimmung. Wer seinen Job also selbst gestaltet, stärkt Ressourcen.»
Georg Bauer, Gesundheits- und Arbeitswissenschaftler, Leiter der Abteilung «Public & Organisational Health» an der Universität Zürich
  1. Um den neuen gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Bedürfnissen entgegenzukommen, braucht es eine Modernisierung des Arbeitsgesetzes. Das gegenwärtige Gesetz stammt aus dem Industriezeitalter und entspricht nicht mehr unserer heutigen Dienstleistungsgesellschaft. Der Kaufmännische Verband schlägt deshalb ein neues Jahresarbeitszeitmodell vor, welches sich einfacher und flexibler als die jetzige Gesetzgebung gestaltet, ortsunabhängiges Arbeiten gesetzlich verankert und einen ausreichenden Gesundheitsschutz sicherstellt.

    Mehr Flexibilität

    Angestellte, die flexibel arbeiten können, sind zufriedener. Mit der Modernisierung des Arbeitsgesetzes sollen Angestellte nach einem partnerschaftlich gleichberechtigten Prinzip selbst darüber entscheiden können, wo und wann sie arbeiten.

    Mehr Rechtssicherheit

    Das aktuelle Arbeitsgesetz entspricht nicht mehr den Bedürfnissen der heutigen Arbeitswelt. Der Kaufmännische Verband fordert weniger, aber dafür zeitgemässe Regeln, damit das Gesetz einfacher anwendbar und Rechtsunsicherheit minimiert wird.

    Mehr Gesundheitsschutz

    Die schwindenden Grenzen zwischen Beruf und Privatleben bergen aber auch gesundheitliche Risiken. Mit einem griffigen und geradlinigen Gesundheitsschutz möchten wir eine modernisierte gesetzliche Grundlage für die betroffenen Arbeitnehmenden verankern.

    Die Neuregelung gilt für eine bestimmte Kategorie von Arbeitnehmenden wie Führungspersonen, Projektleiter/innen oder Fachspezialist/innen, die ihre Arbeitszeiten mehrheitlich selbst bestimmen können. Der Entscheid für das Jahresarbeitszeitmodell soll im gegenseitigen Einverständnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer/in gefällt werden und ist somit freiwillig.

  2. Der kaufmännische Beruf hat sich in den letzten Jahren verändert. Damit sind auch die Interessen der kaufmännisch- betriebswirtschaftlichen Angestellten vielfältiger geworden. Viele, die das KV absolviert haben, bilden sich heute weiter und sind in Funktionen tätig, in denen sie flexibel arbeiten können und wollen. Das zeigt u.a. unsere Mitgliederumfrage aus dem Jahr 2017: Eine grosse Mehrheit unserer Mitglieder (70%) verfügt über eine gewisse Arbeitszeitautonomie und ist damit sehr zufrieden. Junge Arbeitnehmende und Personen in höheren Funktionen wünschen sich zudem mehr örtliche Flexibilität bei der Erbringung ihrer Arbeit (z.B. Home-Office oder Coworking-Spaces).

  3. Das aktuelle Arbeitsgesetz stammt aus dem Jahr 1964. Auch wenn dieses über die Jahre immer wieder revidiert wurde, wird es den Realitäten der heutigen Arbeitswelt nicht mehr gerecht. Im Parlament wurden im Jahr 2016 verschiedene Vorstösse eingereicht, die mehr Flexibilität in der Gestaltung der Arbeitszeiten fordern. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats (WAK-S) hat sich im November 2018 mit dem Thema befasst und schickte zwei Vorstösse in die Vernehmlassung – einen zur parlamentarischen Initiative Keller-Sutter betreffend Arbeitszeiterfassung (Nr. 16.423), den anderen zur parlamentarischen Initiative Graber bezüglich eines flexiblen Jahresarbeitszeitmodells (Nr. 16.414).

    Im Februar 2019 hat die WAK-S den Vorschlag zur parlamentarischen Initiative Graber unverändert übernommen. Die parlamentarische Initiative Keller-Sutter soll nach Erscheinen des Berichts zur Umsetzung von Art. 73a ArGV1 erneut traktandiert werden. Nach einer zweiten Lesung des Geschäfts im Mai 2019 hat die Kommission zur parlamentarischen Initiative Graber neue Anträge gestellt.

    Diese umfassen folgende Beschlüsse: 

    • Der Geltungsbereich des neuen Jahresarbeitszeitmodells wird auf Vorgesetzte und Fachspezialisten, die jährlich mindestens CHF 120 000,- verdienen oder einen höheren Bildungsabschluss haben, eingeschränkt. Angestellte, die nach Einsatzplänen (auch Pikett) arbeiten, dürfen dem Jahresarbeitszeitmodell nicht unterstellt werden.
    • Die wöchentliche Höchstarbeitszeit darf 67 Stunden nicht überschreiten. Zudem muss die jährliche Arbeitszeit auf mindestens 40 Wochen verteilt werden.
    • Sonntagsarbeit, die nach eigenem, freiem Ermessen geleistet wird, muss ausserhalb des Betriebs erbracht werden.
    • Die Unterordnung zum Jahresarbeitszeitmodell erfordert die Zustimmung der betroffenen Angestellten oder der Arbeitnehmervertretung des entsprechenden Betriebs.
    • Der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden ist unter diesem Modell eine zwingende Bestimmung.
    • Die Regelungen für das neu eingeführte Jahresarbeitszeitmodell gelten nicht für andere, bereits vorhandene Jahresarbeitszeitmodelle.

    Das Geschäft soll an der Oktobersitzung 2019 der WAK-S wieder aufgenommen und die Sozialpartner zu den geplanten Änderungen angehört werden. Die parlamentarischen Vorstösse werden voraussichtlich in der Wintersession 2019 im National- und Ständerat diskutiert.

Politische Geschäfte

Vernehmlassungen

Sobald die Behörden Themen, die für unsere Mitglieder relevant sind, in die Vernehmlassung schicken, gibt der Kaufmännische Verband eine Empfehlung ab.

Vernehmlassungsantwort zu den parl. Initiativen Nr. 16.423 und Nr. 16.414

plattform – Allianz für Angestelltenpolitik

Die Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes wird als plattform-Thema betreut.

Die plattform vertritt die gemeinsamen politischen Interessen von Angestellte Schweiz, des Kaufmännischen Verbandes, der Schweizer Kader Organisation SKO, der Zürcher Gesellschaft für Personal-Management (ZGP) und veb.ch, dem Schweizer Verband für Rechnungslegung, Controlling und Rechnungswesen, gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Zusammen vertreten diese Verbände die Anliegen von rund 88 000 Mitgliedern in bildungs-, wirtschafts- und angestelltenpolitischen Themen. Ziel ist es, übergeordnete politische Interessen zu bündeln und konsensorientierten und kompromissfähigen Lösungen zum Durchbruch zu verhelfen.

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