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Wie man im Homeoffice und beim mobilen Arbeiten gesund bleibt

    Immer mehr Menschen arbeiten mobil. Während Homeoffice und Coworking viele Vorteile mit sich ziehen, gibt es auch Herausforderungen, gerade für die mentale und physische Gesundheit.

    Podcast «Mobiles Arbeiten & Gesundheit»

    In der dritten Ausgabe der Podcast-Miniserie sprechen wir mit Dieter Studer, Fachspezialist Präventionsmanagement, und Daniel Angst, Abteilungsleiter Präventionsmanagement der Krankenversicherung SWICA und wollen wissen, wie man beim mobilen Arbeiten von zuhause aus gesund bleibt und wie Remote-Teams auch in Zeiten von Homeoffice wirkungsvoll zusammenarbeiten können.

    Neben den sich erst abzeichnenden und noch nicht abschätzbaren Folgen für die Wirtschaft bringt die Corona-Krise auch konkrete Herausforderungen für die Gesundheit mit sich. „Die Menschen bleiben zuhause, machen sich Sorgen, viele bangen sogar um Ihre Existenz“, sagt Daniel Angst. Das geht auf Dauer nicht spurlos an der Gesundheit vorbei.

    Interview und Text: Sibylle Zumstein

    Key Notes zum Interview

    Bei Sorgen: Gespräch suchen

    Ängste und Sorgen sind in der aktuellen Situation nichts Ungewöhnliches. Doch wenn man merkt, dass einem etwas stark belastet, sollte man sich unbedingt Hilfe suchen. „Dabei reicht es manchmal schon, mit Familie und Freunden zu sprechen“, betont Dieter Studer. Man solle sich unbedingt mitteilen, über seine Gedanken oder Sorgen offen reden. Oder auch innerhalb des Betriebs einen Ansprechpartner suchen, beim HR oder dem Sozialpartner, oder weitere Angebote wie die Dargebotene Hand nutzen.

     

    Um die Resilienz zu stärken braucht es Reflexion

    Um seine Widerstandsfähigkeit oder Resilienz im Umgang mit Unsicherheit oder Krisen zu stärken, braucht es Selbstreflexion. Man muss sich selber beobachten können. Warum macht mir eine Situation Angst? Wie fühle ich mich dabei? Was löst es aus? Dann kann man seine Resilienz konkret trainieren. Beim Resilienztraining geht es um Resilienzfaktoren: Optimismus, Dinge akzeptieren, in Lösungen denken, sein Netzwerk pflegen, Zukunftspläne schmieden. Dieter Studer ergänzt: „Man kann sich überlegen: Was mache ich, wenn die Pandemie vorbei ist? Worauf freue ich mich? Welche Ziele verfolge ich?“ Das helfe enorm, die Dinge einzuordnen und positiv zu bleiben.

    Schlaf, Bewegung und Ernährung sind zentral

    Wer körperlich aktiv ist und sich gesund ernährt, ist widerstandsfähiger. Auch auf körperlicher Ebene kann man viel selber dafür tun, um gesund zu bleiben. Bewegung wie Spazieren ist zentral. „Bewegung ersetzt Sport natürlich nicht ganz. Für Herz, Kreislauf und Muskulatur wäre zwei- bis dreimal pro Woche Sport treiben ideal“, betont Daniel Angst.

    «Man kann sich überlegen: Was mache ich, wenn die Pandemie vorbei ist? Worauf freue ich mich? Welche Ziele verfolge ich?»
    Dieter Studer, Fachspezialist Präventionsmanagement der Krankenversicherung SWICA

    Zuhause bewegt man sich zu wenig

    Studien aus der ersten Corona-Welle zeigen, dass sich Menschen im Homeoffice weniger bewegen und weniger gesund essen. „Hat man sich bisher tagsüber viel bewegt – und sei es nur schon, zu Fuss zum Bus zu gehen, im Büro zum Drucker und der Kaffeemaschine zu laufen oder die Treppe statt den Lift zu nehmen, so verbraucht man bereits einiges an Kalorien. Fällt dies weg, nimmt man an Gewicht zu, wenn der Kalorienverbrauch nicht reduziert wird“, sagt Daniel Angst.

    Einen symbolischen Arbeitsweg einbauen

    Damit die Bewegung nicht vergessen geht, kann man morgens einen Arbeitsweg symbolisieren und 20 Minuten im Quartier oder in der Natur spazieren gehen. Abends kurz raus, den Kopf lüften und sich wieder bewegen hilft zudem dabei, sich vom Arbeitsalltag abzugrenzen.

    Tipp: Pausen aktiv gestalten

    Zuhause sollte man stündlich aufstehen, ein paar Übungen machen, sich strecken oder die Beine ausschütteln, um die Durchblutung anzuregen und ein wenig Bewegung einzubauen. Oder den Drucker in einen anderen Raum stellen, sich selber ein Stehpult gestalten – zum Beispiel mit einem Bügelbrett und Büchern – oder die Sitzposition regelmässig ändern, um dem Rücken Gutes zu tun.

    Arbeitgeber: Gesundheitsschutz hört im Homeoffice nicht auf

    Arbeitgeber müssen ihre Pflicht zum Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden auch wahrnehmen, wenn diese mobil arbeiten. „Sieht ein Vorgesetzter, dass eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter nachts um 22 Uhr noch E-Mails verschickt, muss man das Gespräch suchen“, sagt Dieter Studer. Klare verbindliche Regeln punkto Erreichbarkeit und Pausen seien zentral, damit die Mitarbeitenden nicht mehr arbeiten, nur weil sie zuhause sind.

    Dieter Studer ergänzt: „Aber auch als Arbeitnehmer habe ich eine Pflicht zu schauen, dass ich gerade sitze, Pausen mache, mich bewege und gesund bleibe.“

    Online-Kaffee für den Zusammenhalt im Team

    Oft geht beim mobilen Arbeiten und im Homeoffice die soziale Komponente der Zusammenarbeit im Team etwas verloren. Man sieht sich nur noch in Meetings und weiss nicht, wie es den Teamkollegen und -kolleginnen geht. „Wir organisieren deshalb wöchentlich eine Kaffeepause mit dem Team. In dieser halben Stunde treffen wir uns privat – wer Zeit hat, kommt. Das stärkt den Zusammenhalt und hilft, dass wir uns im Team nicht auseinanderleben“, sagt Dieter Studer. Oder man trifft eine Arbeitskollegin, die in der Nähe wohnt, physisch zum Lunch, wenn an einem Tag beide von zuhause aus arbeiten.

    Tipps zur konkreten Anwendung

    Weitere konkrete Tipps zur Stärkung der mentalen und physischen Gesundheit in Zeiten von Homeoffice und mobilem Arbeiten gibt es im Podcast – jetzt anhören:

    Daniel Angst
    Dieter Studer
    1. Daniel Angst

      Daniel Angst ist Abteilungsleiter Präventionsmanagement bei der Krankenversicherung SWICA. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung von Firmen im Bereich Gesundheit. Fundierte Kenntnisse zeichnen Herrn Angst im Coaching zum Thema Ernährung, Sport und Gesundheit aus. Er hat einen Master of Arts in Betrieblichem Gesundheitsmanagement mit Spezialisierung auf Ernährung absolviert.

      Dieter Studer

      Dieter Studer (BSc Psychology) ist Fachspezialist Präventionsmanagement bei SWICA. Zuvor arbeitete er als Polizist mit eidg. Fachausweis bei der Stadtpolizei Zürich und Baden, unter anderem in den Bereichen Jugendkriminalität und -prävention. Als Milizoffizier ist er als Integrationsberater im psychologisch-pädagogischen Dienst tätig und ist zertifizierter Care Giver vom nationalen Netzwerk für psychologische Nothilfe. Zudem ist er Berater «Friendly Work Space» von Gesundheitsförderung Schweiz und Multiplikator von Prev@Work der Stiftung SuchtSchweiz. 

    2. Der Podcast entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner VillageOffice. Die 2016 gegründete Genossenschaft entwickelt regionales Coworking. Sie fördert dezentrales Arbeiten und baut ein schweizweites Netzwerk von VillageOffice Partner Spaces auf. Das sind regional verankerte, partizipativ entwickelte Coworking Spaces, eingebettet in ein Netzwerk von lokalen Dienstleistern.

       

      Weitere Podcasts

    Angebot: Ratgeber «Gesundheit am Arbeitsplatz»

    Dieser Ratgeber liefert konkrete Tipps für einen gesunden Umgang mit den wesentlichen Themen des Berufsalltags und wurde in Zusammenarbeit mit unserem Partner SWICA erstellt. Für kfmv-Mitglieder ist er kostenlos. Nichtmitglieder können den Ratgeber für CHF 20.- bestellen.

    Moderation und Text

    • Sibylle Zumstein

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