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Future Skills: Die Lebenskompetenzen für eine ungewisse Zukunft

Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten braucht es, um in einer schnelllebigen Welt und auf einem dynamischen und zunehmend digitalisierten Arbeitsmarkt zu bestehen? Mit dieser Frage beschäftigen sich unter anderem Staat, Bildungsinstitutionen und Zukunftsforscher:innen. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht – aber die Richtung ist klar.

Nichts ist so ungewiss wie die Zukunft. So liesse sich der Stand der aktuellen Welt- und Wirtschaftslage in einem kurzen Satz zusammenfassen. Die Welt ist im Wandel. Neue Technologien, Informationsüberfluss, Klimawandel, Krieg und geopolitische Machtverschiebungen, die Herausforderungen im Gesundheitswesen und die Langzeitauswirkungen der Coronakrise führen zu grosser Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft.

Die Zukunft lässt sich nicht in Zahlen fassen

Die zahlreichen Studien zum Thema «Future Skills» sind zumeist linear ausgerichtet. Sie fokussieren auf Trends und nehmen an, dass sich diese gleich weiterentwickeln, wie zum Beispiel die OECD-Studie «Trends Shaping Education». Doch zur Zukunft gibt es keine Zahlen, Prognosen sind schwierig und viele Fragen empirisch nicht zu beantworten. Auch können Zukunftsstudien keine unerwarteten Ereignisse berücksichtigen. Trotzdem sind sie notwendig und bieten Orientierung.

Future Skills: Bildung ist die Basis

Die GDI-Studie «Future Skills: Vier Szenarien für morgen und was man dafür können muss» schlägt vor, nicht von der Zukunft, sondern von mehreren «Zukünften» zu sprechen, und skizziert vier solche Szenarien für die Welt im Jahr 2050. Die Verschiedenartigkeit der Szenarien «Kollaps», «Gig-Economy-Prekariat», «Netto-Null» und «Vollautomatisierter KI-Luxus» legten den Schluss nahe, dass es unmöglich sei, Kinder und Jugendliche auf die Zukunft vorzubereiten, so die Studie. Doch bei aller Ungewissheit sind Bildung, der Zugang zu Wissen und lebenslanges Lernen die notwenige Grundlage für eine spätere Arbeitsmarktfähigkeit.

Fähigkeiten unabhängig von Beruf oder Branche

Wir brauchen heute grundlegende Fähigkeiten, unabhängig von Beruf oder Branche, sogenannte «transferable skills», um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen und auch persönlich für die Zukunft gewappnet zu sein. Um flexibel auf verschiedene Zukünfte reagieren zu können, müssen wir lernen, unsere Lebens- und Arbeitsweise neu zu denken. Denn die wenigsten von uns verrichten heute noch die gleiche Arbeit wie unser Vater oder unsere Grossmutter. Doch was bedeutet es, in Szenarien zu denken und gleichzeitig Fähigkeiten zu entwickeln, die Szenario-unabhängig funktionieren?

Die McKinsey-Umfrage «Defining the skills citizens will need in the future world of work» nennt vier breite Kategorien von Fähigkeiten, denen sich wiederum 13 konkrete Skills unterordnen lassen: kognitive, digitale, zwischenmenschliche und Selbst-Management-Fähigkeiten (vgl. Grafik1).

Dabei nimmt Selbstkompetenz oder «Self-Leadership» einen grossen Stellenwert ein. Das gilt auch für die kaufmännischen Berufe, wie die HWZ-Studie «Betriebswirtschaftliche Berufsbilder 2030» aufzeigt.

Der Stifterverband, eine deutsche Gemeinschaftsinitiative von Unternehmen und Stiftungen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Innovation, spricht in seinem «Future Skills Framework» von 18 Skills in drei Kategorien, die in den nächsten fünf Jahren wichtiger werden. Dabei unterscheidet er zwischen technologischen Fähigkeiten, digitalen Grundfähigkeiten und klassischen Fähigkeiten.

Gemeinschaftssinn, Eigenantrieb, Selbstwirksamkeit

Sichtet man die Inhalte der Weiterbildungsangebote und betrachtet die Modelle aus den Skills- und Zukunftsstudien, so zeichnet sich ab: In der Zukunft braucht es neben digitalen Kompetenzen auch Gemeinschaftssinn und Teamarbeit, Flexibilität, Mut zu Neuem (Stichwort Unternehmertum) und Mut zum Misserfolg – letzteres bedingt natürlich eine entsprechende (Unternehmens-)Kultur, welche dies auch toleriert und vorlebt.

Dabei können und sollen Arbeitnehmer:innen die Zukunft aktiv und selbstbestimmt mitgestalten: mit Eigenantrieb, Selbstwirksamkeit und der Fähigkeit, in Gruppen Entscheidungen zu treffen, so der allgemeine Tenor. In Zeiten von New Work braucht es zudem neue Kompetenzen wie Anpassungsfähigkeit, Selbstreflexion, kritisches Denken, Kommunikation und Interdisziplinarität. Sybille Sachs, Studienautorin der Studie «Betriebswirtschaftliche Berufsbilder 2030» der HWZ, sagt dazu: «Ich muss in der Lage sein, das eigene Handeln zu reflektieren. Was habe ich gut gemacht? Wo muss ich ein nächstes Mal einen anderen Weg einschlagen? Weshalb ist ein Projekt gelungen und weshalb nicht?»

Alle genannten Kompetenzen sind dabei branchen- und industrieübergreifend einsetzbar. Ein zentrales Merkmal, wenn man bedenkt, dass sich je nach Quelle zwischen 30 bis 50 Prozent der aktuellen Jobs in Zukunft entweder radikal verändern werden oder diese komplett verschwinden werden. Wer wird in Zukunft noch welche Tätigkeit erledigen, und wo wird die Wertschöpfung stattfinden? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Innosuisse-Forschungsprojekt der Fachhochschule Graubünden. Sie wollen mittels künstlicher Intelligenz ermitteln, welche Tätigkeiten auch zukünftig von Menschen in der Schweiz erledigt werden – und daraus ableiten, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden mit konkreten Re- und Upskilling-Angeboten für den Arbeitsmarkt fithalten können, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Reformen sollen zur Gestaltbarkeit befähigen

Die Rolle der Bildung im Thema Skills Management muss es sein, die Menschen über ihre gesamte Berufskarriere hinweg zu Gestaltbarkeit zu befähigen. Hier bewegt sich einiges und der Kaufmännische Verband ist mittendrin: Die Reformen in der KV-Grundbildung treten mit Lehrbeginn 2023 in Kraft und stellen die Weiterentwicklung des attraktiven KV-Berufs sicher. Im Detailhandel starten die Lernenden bereits im August 2022 mit der neuen Lehre, die Kundennutzen und Digitalisierung ins Zentrum stellt. Der Kaufmännische Verband Schweiz ist der grösste Anbieter von Weiterbildungen im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich. Er gestaltet die kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Berufsbilder auch in der höheren Berufsbildung aktiv mit: Unter anderem erneuert er das Berufsbild der Assistenz und hat mit ICT Berufsbildung Schweiz den eidgenössischen Fachausweis «Digital Collaboration Specialist» entwickelt. Die ersten Vorbereitungskurse dazu starteten im Herbst 2021, und die erste Berufsprüfung wird 2023 stattfinden

Das Lernen hört nie auf

Lebenslanges Lernen beginnt früh und hört nie auf. Organisationen tun gut daran, mit Weiterbildungsangeboten in die Arbeitsmarktfähigkeit ihrer Mitarbeitenden zu investieren. Denn neben der Möglichkeit, ortsunabhängig und flexibel zu arbeiten, erwarten Mitarbeitende auch, sich im Unternehmen weiterentwickeln und entfalten zu können. Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Digitalisierung beschleunigt, sondern auch die Einstellung der Arbeitnehmenden zur eigenen Arbeit und zur Wissensaneignung nachhaltig verändert.

Der Kaufmännische Verband besitzt sechs Tochtergesellschaften aus dem Berufs- und Bildungsumfeld (darunter examen.ch, die HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und das Schweizerische Institut für Betriebsökonomie SIB) und ist Mitglied in der KV Bildungsgruppe Schweiz. Als Träger bzw. Mitträger verschiedener Berufs- und Fachprüfungen gestaltet er das Schweizer Bildungssystem aktiv mit und engagiert sich in nationalen Gremien und Kooperationsprojekten – von der Grundbildung bis zur höheren Berufsbildung. Langfristige Weiterbildungen seiner Mitglieder unterstützt er im Rahmen sozialpartnerschaftlicher Projekte wie beispielsweise «skillaware – fit for the banking world» oder die «MEM-Passerelle» sowie mit zinslosen Studiendarlehen und Stipendien. Zudem bietet der Verband gemeinsam mit seinen Tochtergesellschaften und seinen Sektionen Weiterbildungen und Seminare mit speziellem Fokus auf Digitalisierungsthemen an.

Die Zukunft aktiv mitgestalten

Die Arbeitnehmenden sind angehalten, sich mit lebenslangem Lernen für den Arbeitsmarkt fit zu halten. Die GDI-Studie skizziert dazu drei Kategorien von Kompetenzen, mit denen Arbeitnehmende zur Gestaltbarkeit der Arbeitswelt der Zukunft beitragen können:

«Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Digitalisierung beschleunigt, sondern auch die Einstellung der Arbeitnehmenden zur eigenen Arbeit nachhaltig verändert.»

Die Zukunft aktiv mitgestalten

  1. Grundlagenwissen ist unabdingbar. Man muss Vergangenheit und Gegenwart kennen, um vernetzt denken zu können. Dazu gehört auch zu wissen, was man nicht weiss. Zuletzt braucht es die entsprechenden Werkzeuge, um sich neues Wissen anzueignen.

  2. Die Fähigkeit zur Introspektion – oder, seine Bedürfnisse zu verstehen und seine Wünsche zu formulieren – ist die Voraussetzung dafür, Ziele zu formulieren. Und Ziele sind für die Gestaltung der Zukunft unerlässlich.

  3. Um Ziele umsetzen zu können, muss man aktiv werden. Dafür braucht es praktische Fähigkeiten. Dazu gehören handwerkliche Fähigkeiten genauso wie Selbstorganisation und soziale Kompetenzen.

Gewiss, die Zukunft ist ungewiss, doch für uns alle gilt: Mit Veränderungs- und Lernbereitschaft, einer guten Portion Neugierde und dem Mut, Neues zu wagen und sich von Unsicherheit nicht einschüchtern zu lassen, können wir voneinander lernen, Ideen ausprobieren, als Gesellschaft resilienter werden und die Zukunft aktiv mitgestalten. Ganz im Sinne von Antoine de Saint-Exupéry, der sagte: «Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen».

Veröffentlicht am 4.7.2022

«Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.»
Antoine de Saint-Exupéry

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