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Lernende und Lehrabgänger/innen brauchen in dieser Krise dringend Unterstützung

Es sind grosse Auswirkungen der Corona-Krise auf Lehrabgänger/innen und Lernende zu erwarten. Auch wenn das Ausmass zum heutigen Zeitpunkt schwer abschätzbar ist, muss auf politischer Ebene alles dafür getan werden, damit es zu keiner verlorenen Generation kommt. Für den Kaufmännischen Verband greifen die Massnahmen der hierfür gegründeten Taskforce des Bundesrats zu kurz. Er fordert eine Ergänzung des Pakets um weitere drei Massnahmen: Einen Fonds zur Unterstützung von Ausbildung und Weiterbeschäftigung, das Sammeln von Berufserfahrung für arbeitslose Berufseinsteiger/innen und die Weiterbeschäftigung von Lehrabgänger/innen trotz Kurzarbeit.

20. Mai 2020

Es ist zu erwarten, dass die Corona-Krise massive Auswirkungen auf Lehrstellensuchende und Lehrabgänger/innen haben wird. So zeigt eine Studie von Yousty und der ETHZ, dass 8.3% der Lehrstellen für 2020 gefährdet sind und im Gegensatz zu anderen Jahren bis zu einem Viertel der diesjährigen Lehrabgänger/innen nicht weiterbeschäftigt werden könnten (Quelle: lehrstellenpuls.ch, Pressemitteilung). Wirtschaftliche Krisenzeiten treffen junge Berufsleute erfahrungsgemäss besonders hart und wirken sich oft längerfristig auf ihre Berufsbiografien aus. «Wir müssen sicherstellen, dass es zu keiner verlorenen Generation kommt. Die Berufsbildung ist für viele junge Menschen ein Sprungbrett für ihre berufliche Laufbahn, etwa ein Fünftel der Lehrabgänger/innen stammt aus dem kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich. Wir sind es ihnen schuldig, alles zu tun, damit auch sie faire Chancen haben, sich in ihrem Berufsleben erfolgreich zu etablieren. Auch müssen wir sicherstellen, dass genügend Lehrstellen für Sek II-Abgänger/innen angeboten werden», so Michael Kraft, Leiter Bildung beim Kaufmännischen Verband.

Die vorgeschlagenen Lösungsansätze der Taskforce des Bundes, um die aktuelle Situation der Lehrabgänger/innen und Lehrstellensuchenden anzugehen, gehen aus Sicht des Kaufmännischen Verbands in die richtige Richtung, greifen allerdings zu kurz. Daniel Jositsch, Präsident des Kaufmännischen Verbands und Ständerat meint: «Wir sehen drei weitere wichtige Massnahmen, die die von der Taskforce des Bundes erarbeiteten Ansätze unbedingt ergänzen sollten. Ich werde entsprechende Vorstösse in der nächsten Session einbringen.»

Das Massnahmenpaket des Bundes sollte aus Sicht des Kaufmännischen Verbands folgende drei weitere Massnahmen umfassen:

Ein Fonds zur Unterstützung von Ausbildung und Weiterbeschäftigung

Unternehmen sollen finanzielle Anreize zur Weiterbeschäftigung beziehungsweise Einstellung von Lehrabgänger/innen und zur Ausbildung von Lernenden geboten werden. Der Bund gibt Milliarden für die Stützung von verschiedenen Branchen und anderen betroffenen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen aus. Nun braucht es auch für die Lernenden und Berufseinsteiger/innen massgeschneiderte Lösungen, damit sie nicht untergehen. Mit einem Fonds kann sichergestellt werden, dass keine Ausbildungsplätze aufgrund der Krise verloren gehen und den Lehrabgänger/innen der Berufseinstieg ermöglicht wird. Das ist auch deshalb wichtig, weil die Absolventinnen und Absolventen von heute die Fachkräfte von morgen sind. Hierbei muss ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildungsqualität und die Berechtigungskriterien gelegt werden, denn Jugendliche und junge Erwachsene dürfen keinesfalls als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.

Das Sammeln von Berufserfahrung für arbeitslose Berufseinsteiger/innen

Dennoch wird es Lehrabgänger/innen geben, die keinen Job finden. Mit dem Berufspraktikum, einer arbeitsmarktlichen Massnahme der Arbeitslosenversicherung, besteht bereits heute ein wirksames Instrument für die Arbeitsmarktintegration. Diese Massnahme bietet die Möglichkeit, weitere Berufserfahrungen in einem Unternehmen zu sammeln, berufliche Kenntnisse zu vertiefen und das Netzwerk zu vergrössern. Dieses Instrument soll in der aktuellen Situation hochgefahren werden, indem mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden, ein besseres Matching zwischen Berufseinsteiger/in und Unternehmen bspw. über die kantonalen BIZ stattfindet und mehr Bekanntheit für das Angebot erzielt wird. Wichtig hierbei ist, dass die Tätigkeiten qualifizierend sind und Qualitätskontrollen stattfinden. Junge Erwachsene dürfen keinesfalls als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Zudem kann der Bund hier als Arbeitgeber eine Rolle spielen, indem er sein Programm «SOMS» ausdehnt.

Die Weiterbeschäftigung von Lehrabgänger/innen trotz Kurzarbeit

Momentan haben Firmen mit Kurzarbeit einen Einstellungsstopp. Aus diesem Grund können sie auch keine eigenen oder fremden Lehrabgänger/innen (= neuer Arbeitsvertrag) beschäftigen. Ein Anstellungs-Stopp bei Kurzarbeit ist grundsätzlich sinnvoll. Allerdings ist es problematisch, wenn in der aktuellen Krise von Firmen mehr Verantwortung gefordert wird, zugleich viele Lehrbetriebe ihre Lehrabgänger/innen aus rechtlichen Gründen jedoch nicht weiterbeschäftigen dürfen. Berufseinsteiger/innen sollen in ihren Lehrbetrieben weiterhin beschäftigt werden können, denn de facto erhöht das Unternehmen seine Anzahl an Mitarbeitenden dadurch nicht. Die Folge darf allerdings nicht sein, dass der Betrieb, nur um seine Lehrabgänger/innen weiterbeschäftigen zu können, keinen neuen Lernenden aufnehmen darf. Der Kaufmännische Verband erwartet hier vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO rasche Lösungen.

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