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Bilanz Lohnverhandlungen 2026: Lohnmix statt Lohnroulette
17.03.2026 – In vielen Lohnverhandlungen 2026 gab es eine Grundsatzdiskussion: Arbeitgeber:innen wollten den Anteil genereller Lohnerhöhungen streichen oder reduzieren und stärker auf individuelle Lohnanpassungen setzen. Der Kaufmännische Verband Schweiz hält dagegen. Individuelle Lohnerhöhungen können Leistung zwar anerkennen, doch ohne ausreichende generelle Erhöhungen gerät die Kaufkraft vieler Mitarbeitenden weiter unter Druck.
Individuelle Lohnerhöhungen können sinnvoll sein – aber nur als Ergänzung. Generelle Lohnerhöhungen haben den Sinn, die Verminderung der Kaufkraft durch die Teuerung abzufedern. Wenn Unternehmen generelle Lohnanpassungen kleinhalten und den Rest «nach Ermessen» verteilen, wird Lohnpolitik zum Glücksspiel: «In der Praxis heisst das oft: Kaufkraftsicherung für wenige, Reallohnverlust für viele», bedauert Michel Lang, Leiter Sozialpartnerschaft beim Kaufmännischen Verband Schweiz.
Die Bilanz 2026: ein Trend zur Portionierung
Die Lohnverhandlungen 2026 haben gezeigt: Die Verhandlungen drehten sich nicht nur um die tatsächliche Lohnerhöhung, sondern um die Logik dahinter. In den diesjährigen Verhandlungen favorisierten Arbeitgeber:innen häufiger individuelle Lohnanpassungen. Was unter «individuell» konkret verstanden wird, da können sich die Mechanismen stark unterscheiden. In manchen Betrieben gibt es nachvollziehbare Kriterien, definierte Beurteilungszyklen und dokumentierte Entscheide. In anderen bleibt unklar, wer nach welchen Massstäben profitiert. Wer individuelle Elemente braucht, soll diese auch an transparente Kriterien koppeln. «Solange ‘individuell’ mal für ein transparentes System und mal für eine Blackbox steht, besteht Unsicherheit und damit ein Vertrauensproblem», so Lang. «Was sich nicht wegdiskutieren lässt: Wer die Kaufkraft sichern will, braucht eine solide generelle Basis.» Denn gerade, weil steigende Fixkosten wie Krankenkassenprämien und Mieten viele Haushalte belasten, bleibt eine solide generelle Basis zentral, um die Kaufkraft zu sichern, insbesondere bei Angestellten im Tieflohnbereich1. Denn viele von ihnen haben schlicht keine finanziellen Reserven und Kapazitäten mehr.
Sozialpartnerschaft zahlt sich aus
Im Rahmen der gelebten Sozialpartnerschaft zeigt sich zudem: Dort, wo Gesamtarbeitsverträge gelten, entwickeln sich Löhne in der Regel verlässlicher als in GAV-freien Branchen und Betrieben2. Klare Mindeststandards, institutionalisierte Verhandlungen und verbindliche Mechanismen sorgen dafür, dass die Kaufkraft nicht dem Zufall überlassen wird. Lang hebt hervor: «Sozialpartnerschaft ist kein Selbstzweck, sondern ein Standortvorteil für Stabilität und faire Lohnentwicklung.» Gerade in einer zunehmend individualisierten Arbeitswelt zahlen sich kollektive Forderungen weiterhin stärker aus. Wer Fairness und Kaufkraft ernst nimmt, setzt auf starke kollektive Lösungen.
2 Effektiv- und Mindestlöhne sind 2025 um durchschnittlich 1.2% bzw. 1% gestiegen (vgl. BFS)
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Kaufmännischer Verband Schweiz