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Corona zeigt dringenden Modernisierungsbedarf im geltenden Arbeitsgesetz auf

Mit der Corona-Pandemie hat sich das Arbeiten im Homeoffice branchenübergreifend etabliert. Nicht nur wird es rege genutzt, als flexibles Zukunftsmodell findet es auch grossen Zuspruch. Davon zeugt die neueste Umfrage der plattform. Damit Homeoffice langfristig und über die aktuelle Krisensituation hinaus tragfähig wird, fordert die plattform eine Modernisierung des geltenden Arbeitsgesetzes.

8. Juni 2020

Rund 6400 erwerbstätige Mitglieder der Arbeitnehmer- und Berufsverbände der plattform – bestehend aus dem Kaufmännischen Verband, den Angestellten Schweiz, der Schweizer Kader Organisation SKO, der Zürcher Gesellschaft für Personal-Management ZGP und veb.ch, dem Schweizer Verband für Rechnungslegung, Controlling und Rechnungswesen – haben Ende Mai 2020 an einer gemeinsamen Umfrage zu den Arbeitsbedingungen während der Transitionsphase aus dem Corona-Lockdown teilgenommen und ihre Erwartungen für die Zeit nach der Krise skizziert.

Homeoffice wird zum Zukunftsmodell

Bis zu ihrer Rückkehr in den Normalbetrieb arbeitet fast die Hälfte der Befragten im Homeoffice. Davon haben 51% schon vorher gelegentlich im Homeoffice gearbeitet. Von den Befragten, die trotz Corona oder seit dem Lockerungsschritt vom 11. Mai wieder am normalen Arbeitsplatz tätig sind, haben 30% vorher gelegentlich im Homeoffice gearbeitet. Bei Erwerbstätigen mit Kindern sogar 42%.

Homeoffice ist also kein Randphänomen: Bei allen Befragten – unabhängig davon, ob sie früher schon im Homeoffice gearbeitet haben oder diese Arbeitsform für sich entdecken – ist aus der Corona-Krise ein Bedürfnis nach mehr Homeoffice entstanden. Insgesamt möchten 52% (sogar bis zu 63% bei Homeoffice-gewohnten) künftig mehr im Homeoffice arbeiten und 45% möchten mehr virtuelle Sitzung durchführen (siehe Grafik 1). Bei Erwerbstätigen mit Kindern ist dieser Wunsch besonders gross. Die gelebte, wenn auch erzwungene, Vereinbarkeit in der Krise hat sich als positiv erwiesen. «Wir werden in Zukunft nicht drum herumkommen, örtlich und zeitlich flexiblere Arbeitsmodelle auszubauen und diese gesetzlich zu verankern» meint Ursula Häfliger, Geschäftsführerin der plattform.

Flexibilität ja, aber nicht auf Kosten der sozialen Kontakte

Die überwältigende Mehrheit der Befragten (96%) gibt an, gut von zu Hause arbeiten zu können. Nur 15% würden lieber im Büro arbeiten – und dies vor allem wegen der mangelnden sozialen Kontakte oder Infrastruktur. Das spiegelt sich auch bei den Antworten zu den momentan grössten Herausforderungen wider: Mangelnde soziale Kontakte und Schwierigkeiten bei der Koordination mit Kollegen sind mit Abstand die meist genannten Herausforderungen im Homeoffice (siehe Grafik 2). Daraus schliesst Häfliger: «Der Stellenwert der Kommunikation und der sozialen Kontakte – wenn auch momentan stark geprägt von der Krise – legt nahe, dass wenn Homeoffice künftig zum Standard wird, feste Tage für den Austausch und das Socializing im Betrieb (oder einem anderen geeigneten Ort) eingeplant werden sollten.»

Homeoffice bietet Berufsleuten in Dienstleistungs- und Wissensberufen allgemein eine grössere Flexibilität in der Arbeitsgestaltung und kann die Motivation, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie die Gesundheit fördern, solange betroffene Arbeitnehmende einen erhöhten Gestaltungsspielraum geniessen und die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen klar definiert sind. Dies ist vor allem längerfristig vonnöten, wenn über mehrere Monate oder Jahre hinweg im Homeoffice gearbeitet wird und das Modell nicht mehr nur eine zeitlich begrenzte Alternative in einer Krisensituation ist.

Arbeitszeiterfassung, Infrastruktur und Ergonomie erfordern klare Regelungen

Die Umfrage zeigt deutlich auf, dass in gewissen Bereichen feste Abmachungen zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden dringend notwendig sind. Erschwert wird die Arbeit im Homeoffice vor allem wegen der mangelnden Infrastruktur (49%) und Technik (37%). Auch wenn über 80% der Unternehmen die Grundinfrastruktur (z.B. Laptop, digitale Kommunikationsmittel) sicherstellen, hört die Unterstützung spätestens beim Einrichten des Home-Arbeitsplatzes und der notwendigen ICT-Abonnements auf: Nur 25% der Arbeitgeber leisten momentan einen materiellen oder finanziellen Beitrag (z.B. Handy, Internet, Bildschirm, Mobiliar) für das Arbeiten von zu Hause.

Ein besonderes Augenmerk gilt auch dem Gesundheitsschutz im Homeoffice (siehe Grafik 3). Das betriebliche Gesundheitsmanagement deckt die Situation im Homeoffice nicht ab. Es braucht vielmehr einen individualisierten Gesundheitsschutz. Die grössten Schwierigkeiten und Unklarheiten treten bei der Ergonomie (90%), der Work-Life-Balance (35%; und bis zu 50% bei Leuten mit Kindern) und der Arbeitszeiterfassung (21%) auf.

Homeoffice muss gesetzlich verankert werden

Das gegenwärtige Arbeitsgesetz ist auf fixe Arbeitszeiten im Betrieb ausgelegt. Es stammt aus dem Industriezeitalter und entspricht nicht mehr den neuen gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Bedürfnissen unserer Dienstleistungsgesellschaft. Die plattform fordert daher eine Modernisierung des Arbeitsgesetzes, gekoppelt an Präventionsmassnahmen im Bereich des Gesundheitsschutzes, welche psychosoziale Risiken angemessen berücksichtigen.

Häfliger erklärt: «Wenn Homeoffice zur neuen Normalität in der Arbeitswelt gehört, braucht es unbedingt Klarheit bezüglich der Rahmenbedingungen. Drei Handlungsebenen stechen dabei besonders hervor: die Regelung der Arbeits- und Ruhezeiten, welche über das Arbeitsgesetz definiert sind, die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur, welche Teil einer Vereinbarung zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden sein kann sowie die Sicherstellung des Gesundheitsschutzes für die Arbeit ausserhalb des Betriebs. Fragen zur Erreichbarkeit oder der Vergütung der mit der Verrichtung von Homeoffice verbundenen Ausgaben müssen ebenfalls Bestandteil solcher Regelungen sein.» Homeoffice soll gleichwohl für Angestellte und Betriebe attraktiv sein. Die plattform wird entsprechende Vorstösse im Parlament einbringen.

Zur Umfrage

Vom 18. bis 22. Mai 2020 haben die fünf Arbeitnehmer- und Berufsverbände der plattform ihre erwerbstätigen Mitglieder zu den Arbeitsbedingungen während der Transitionsphase und den geplanten Lockerungsschritten des Bundes aus dem Corona-Lockdown befragt. Insgesamt haben sich über 6'400 Erwerbstätige an der Umfrage beteiligt. Die Geschlechter waren gleich vertreten, die französische Sprachregion mit nur knapp über 7% der Befragten. Die Einladung zur Befragung erfolgte per E-Mail. Die Befragung selbst wurde online durchgeführt.

die plattform – «For a strong Swiss workforce»

Die plattform ist die politische Allianz unabhängiger und lösungsorientierter Arbeitnehmer- und Berufsverbände. Mit rund 88'000 Mitgliedern agiert sie im Interesse der Dienstleistungsberufe, in denen derzeit 80 Prozent der Erwerbstätigen tätig sind (Tendenz steigend) sowie der Wissensberufe, der am stärksten wachsenden Gruppe von Berufsleuten in der Schweiz. Sie arbeitet an innovativen Lösungen in bildungs-, sozial- und wirtschaftspolitischen Dossiers. Denn nur so können Erwerbstätige befähigt werden, ein erfülltes Berufsleben zu gestalten und ihr Potenzial über den gesamten beruflichen Werdegang hinweg zu entfalten. Starke und selbstbewusste Berufsleute sind der Grundstein für eine moderne und offene Gesellschaft.

Zahlreiche politische Geschäfte des Kaufmännischen Verbands werden als gemeinsame plattform-Themen betreut. 

Kontakt

Ursula Häfliger

Verantwortliche Politik beim Kaufmännischen Verband und Geschäftsführerin der plattform
T +41 44 283 45 78
M Mail
Ursula Häfliger

Emily Unser

Verantwortliche Media Relations und Public Affairs kfmv und Verantwortliche externe Kommunikation plattform
T +41 44 283 45 60
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