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Lehrabgänger:innen-Umfrage 2025: KI als Chance – Weiterbildung als Knackpunkt
14.4.2026 – Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht «die Zukunft des KV» – sie ist längst Teil des kaufmännischen Alltags. Die Lehrabgänger:innen-Umfrage (LAU) 2025 zeigt: Lernende nut-zen KI in Schule und Betrieb und beurteilen sie differenziert – viele sehen Chancen, andere Risiken. Gleichzeitig wird Weiterbildung für die grosse Mehrheit zum nächsten Schritt nach Abschluss der kaufmännischen Grundbildung. Umso auffälliger ist die Lücke bei deren Förderung: Mehr als die Hälfte der Lehrabgänger:innen, die direkt nach ihrer Lehre mit einer Weiterbildung startet, erhält keinerlei Unterstützung durch den Arbeitgebende. Der Befund ist klar: Wo Kompetenzaufbau ausbleibt, wird Potenzial verschenkt.
Die KV-Lehre ist mit rund 12 500 Absolvent:innen pro Jahr die meistgewählte Grundbildung der Schweiz. Wie Lernende ihre Ausbildung beurteilen, wie gut der Übergang in den Arbeitsmarkt gelingt und welche nächsten Schritte sie planen, beobachtet der Kaufmännische Verband Schweiz seit 2006 mit seiner jährlichen Lehrabgänger:innen-Umfrage (LAU). Befragt werden EBA- und EFZ-Absolvent:innen der betrieblich organisierten Grundbildung (BOG) und der schulisch organisierten Grundbildung (SOG). 2025 nahmen 3568 Personen an der Erhebung im Juli und 779 an der zweiten Erhebung im November teil.
KI als Chance – und Treiber für Weiterbildung
KI-Anwendungen wie DeepL oder ChatGPT sind im Ausbildungsalltag weit verbreitet: 86.5% der Lehrabgänger:innen geben an, KI während der Lehre genutzt zu haben. Besonders häufig kommt KI bei Texterstellung und Textüberarbeitung, Übersetzungen und Informationsbeschaffung zum Einsatz – sowohl im Betrieb als auch in der Schule. Mit der breiten Nutzung geht eine differenzierte Haltung einher: 56.2% bewerten KI als Chance (vgl. Grafik 1), v.a. um gewisse Routineaufgaben zu vereinfachen (81.6%). Gleichzeitig bewerten 43.8% KI als Risiko und beschreiben Unsicherheiten, nicht mit der raschen digitalen Entwicklung mithalten zu können (16.5%) oder sich nicht ausreichend auf die Anwendung von KI vorbereitet zu fühlen (11.3%).
Neuer Handlungskompetenzbereich zum Einsatz von digitalen Technologien
Vor diesem Hintergrund ist der Reformkontext zentral: Der Abschlussjahrgang 2025 ist der letzte EFZ-Jahrgang, der noch nach der Bildungsverordnung (BiVo) 2012 abschliesst. Ab BiVo 2023 sind digitale Kompetenzen im Ausbildungsplan verankert. Julian Sauer, Projektmitarbeiter Bildung und Verantwortlicher für die LAU 2025, sagt: «KI ist für viele bereits ein Werkzeug im Alltag – entscheidend ist, ob junge Kaufleute lernen, sie reflektiert, sicher und kompetent einzusetzen. Genau hier setzt die KV-Reform von 2023 an.»
Neue Aufgaben und Jobprofile
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse: Wer KI im Ausbildungsalltag nutzt und einordnen kann, ist ihr gegenüber grundsätzlich positiver eingestellt und schaut damit eher zuversichtlich auf die künftige Arbeit im kaufmännischen Bereich. «KI wird Kaufleute nicht ersetzen. Sie verändert Aufgaben und damit auch das Jobprofil», betont Sauer. «Mit Grundlagenwissen, kritischem Denken und Medienkompetenz sowie klaren Leitplanken, erhalten Lernende nicht nur einen fairen Zugang zu KI-gestützten Lern- und Arbeitsformen, sondern werden auch befähigt, KI sinnvoll und kritisch zu nutzen.»
Weiterbildung als logischer nächster Schritt – doch die Betriebe ziehen oft nicht mit
Diese Dynamik spüren die jungen Berufsleute. Sie passt zum wachsenden Bewusstsein, dass lebenslanges Lernen im kaufmännischen Umfeld immer wichtiger wird. So absolvieren oder planen bereits 87.6% der Lehrabgänger:innen eine Weiterbildung . Umso auffälliger ist die Lücke bei deren Förderung: 54.5% erhalten dabei keine Unterstützung – weder finanziell noch zeitlich (vgl. Grafik 2). «Die zentrale Herausforderung liegt nicht in KI, sondern in der fehlenden Unterstützung der Arbeitgebenden. Hier vergeben sich die Betriebe viel Potenzial – und die Chance auf gut ausgebildete Fachkräfte», hält Sauer fest.
Berufseinstieg: Nicht alle starten mit denselben Chancen
Vier Monate nach Lehrabschluss sind 9.6% der Lehrabgänger:innen nicht erwerbstätig und auf Stellensuche. Auffällig sind dabei Unterschiede je nach Ausbildungsweg: Wer die kaufmännische Lehre im Lehrbetrieb absolviert hat – also die «klassische» Lehre mit regelmässigen Praxisaufträgen – ist seltener auf Stellensuche (8.8%) als Absolvent:innen aus Handelsschulen mit Praktikumseinsätzen (16%) (vgl. Grafik 3). «Ein zentraler Pluspunkt der betrieblich organisierten Grundbildung ist die Praxiserfahrung», sagt Sauer. «Sie erleichtert den Berufseinstieg, weil Kompetenzen im Alltag erprobt werden, Berufsroutinen entstehen und ein Netzwerk im Unternehmen aufgebaut werden kann.» Das Muster ist nicht nur in der Berufsbildung bekannt: Auch bei Studienabgänger:innen wird der Berufseinstieg immer anspruchsvoller, wenn Praxiserfahrung und Arbeitsmarktnähe fehlen.
Die KV-Lehre liefert ein starkes Fundament
Trotz einzelner Herausforderungen zeigt die LAU 2025: 91.9% der Lehrabgänger:innen fühlen sich gut bis sehr gut auf ihr Berufsleben vorbereitet. Sauer sagt: «Die KV-Lehre hält, was sie verspricht – sie ist ein starkes Fundament. Entscheidend ist, dass wir dieses Fundament mit Zukunftskompetenzen wie KI und mit einer echten Weiterbildungskultur weiter stärken.» Der Kaufmännische Verband Schweiz sieht KI als Chance – wenn sie reflektiert eingesetzt wird und Schlüsselkompetenzen zur Nutzung und kritischen Einordnung gezielt vermittelt werden.
Kontakte
Downloads & Links
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Medienmitteilung | Lehrabgänger:innen-Umfrage 2025 (PDF)Download
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Factsheet | Ergebnisse der Lehrabgänger:innen-Umfrage 2025 (PDF)Download
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Schlussbericht | Ergebnisse Lehrabgänger:innen-Umfrage 2025Download
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Grafiken | Lehrabgänger:innen-Umfrage 2025Download
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MediendossierDownload
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Lehrabgänger:innen-Umfragen (2006-heute)
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Mediacorner | Bildmaterial