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«Ich bin jetzt eine Anlaufstelle für die Jüngeren – das zeigt mir, wie viel ich gelernt habe.»

Chloe ist im dritten Lehrjahr ihrer KV-Lehre bei der Allianz Suisse. Im Interview erzählt sie, wie sie sich auf das Qualifikationsverfahren vorbereitet, warum KI für sie manchmal nützlich, aber nicht alles ist – und dass sie ihren Kopf am besten freibekommt, wenn sie Musik macht.

Chloe, wenn du auf die letzten Monate zurückblickst: Woran merkst du selbst am meisten, dass du im dritten Lehrjahr bist? 

Ich merke es vor allem daran, dass mich die Lernenden aus dem ersten und zweiten Lehrjahr jetzt oft direkt um Hilfe bitten. Ich bin eine Art Anlaufstelle geworden – nicht nur die Praxisbildnerin wird gefragt, sondern auch ich. Das hat mir bewusst gemacht: Ich habe Verantwortung übernommen und mir in den letzten Jahren Wissen aufgebaut. 

Auch meine persönliche Entwicklung spüre ich deutlich: Ich bin viel selbstsicherer geworden. Während die Jüngeren noch zurückhaltend sind, traue ich mich, auf Leute zuzugehen und bei Unklarheiten nachzufragen. Die Nervosität von früher ist weg – ich bin viel offener geworden. 

Wie läuft deine QV-Vorbereitung? Wann hast du begonnen – und wie gehst du vor? 

In der Schule haben wir schon mit der Vorbereitung zum Qualifikationsverfahren (QV) begonnen – zum Beispiel in Deutsch mit der sogenannten Nullserie. Weil wir die ersten sind, die nach dem neuen System abschliessen, gibt es noch nicht viele Vergleichsprüfungen. Unsere Lehrpersonen haben deshalb zusätzliche Aufgaben für uns erstellt. 

Privat beginne ich im Januar oder Februar mit dem Lernen. Ich habe ein Word-Dokument mit allen Lernzielen und Links zu unserem Tool, der «Lerngalaxie» – das hilft mir, den Überblick zu behalten. Ich lerne vor allem mit Zusammenfassungen. Das funktioniert für mich sehr gut – ich schreibe alles selbst auf, weil ich dabei den Stoff automatisch wiederhole. Vor dem QV möchte ich mir ein paar Tage freinehmen, um gezielt zu lernen. Für die mündliche Prüfung im betrieblichen Bereich machen wir ab April interne Simulationen in der Abteilung. Mit dem Praxisbildner übe ich ab Januar auch das versicherungstechnische Wissen und Telefongespräche – das hilft zusätzlich. 

«Ich schreibe Zusammenfassungen – so lerne ich am meisten.»
Chloe, KV-Lernende bei der Allianz Suisse

Nutzt dein Betrieb KI – und wie gehst du selbst damit um? 

Bei uns ist ChatGPT gesperrt, aber wir haben ein eigenes Tool: Allianz GPT. Das ist nicht ganz so leistungsfähig, aber es reicht, wenn ich zum Beispiel. eine Formulierung in einer Mail verbessern will. Ich nutze es eher selten – zum Beispiel zur Ideenfindung, als ich für den Zukunftstag ein Spielprogramm für Kinder planen musste. 

Wichtig ist bei uns: keine Kundendaten eingeben. Dafür gibt es klare Regeln – Namen, Adressen oder Geburtsdaten dürfen nicht ins System. Ich frage lieber meine Praxisbildnerin oder suche direkt in den allgemeinen Vertragsbedingungen (AVBs) . Dort finde ich meist schneller, was ich brauche. 

Welche Rolle spielt KI sonst in deinem Alltag – zum Beispiel in der Schule oder im Privaten? 

Privat bin ich ein grosser Fan von ChatGPT. Ich benutze es ständig – statt zu googeln, frage ich einfach dort. Das spart Zeit, und ich habe gelernt, die Infos kritisch zu hinterfragen. In der Schule hilft es mir, wenn ich etwas nicht verstehe – dann bitte ich um eine einfache Erklärung. 

Aber ich habe auch gemerkt: Wenn man es zu sehr nutzt, bleibt nichts hängen. Im ersten überbetrieblichen Kurs (üK) habe ich mal eine Prüfung fast nur mit KI gemacht – das hat nichts gebracht. Seither mache ich das nicht mehr. Ich will verstehen, nicht nur kopieren. 

Grenzen sehe ich vor allem auf Social Media. Da sieht man immer mehr KI-generierte Inhalte, und manchmal glaubt man fast alles – auch wenn es gar nicht echt ist. Das finde ich schon etwas beängstigend. 

«Privat liebe ich ChatGPT – aber bei der Arbeit hat KI klare Grenzen.»
Chloe, KV-Lernende bei der Allianz Suisse

Was hilft dir, wenn’s stressig wird – zum Beispiel vor Prüfungen oder bei der Arbeit? 

Musik – ganz klar. Wenn ich gestresst bin, setze ich meine Kopfhörer auf und höre Musik. Oder ich schreibe selbst: Im Februar habe ich meinen ersten eigenen Song veröffentlicht, Forever Thing, auf Spotify und Apple Music. Wenn mich etwas beschäftigt, schreibe ich es auf – und mache später ein Lied daraus. 

Daneben helfen mir meine Freundinnen. In den Schulferien unternehme ich fast immer etwas mit meiner besten Freundin – das ist für mich echte Erholung. 

Wie sehen deine Pläne nach der Lehre aus – beruflich und privat? 

Ich würde gerne bei der Allianz bleiben – am liebsten in der Abteilung, in der ich jetzt bin. Und ich plane, mit einem Kollegen zusammen die Höhere Fachschule (HF) zur diplomierten Versicherungswirtschafterin zu machen. Die dauert drei Jahre, bei einem 80%-Pensum. Wir wollen im Oktober direkt starten. 

Ich finde es sinnvoll, gleich dranzubleiben. Viele machen das erst mit 25 – ich denke: Wieso nicht jetzt, wo ich im Lernen drin bin? Ausserdem will ich mich weiterentwickeln und irgendwann auch eine höhere Position übernehmen.

Veröffentlicht am: 2.2.2026

Autor:in: Sibylle Zumstein

«Wenn mich etwas beschäftigt, mache ich ein Lied daraus.»
Chloe, KV-Lernende bei der Allianz Suisse

Steckbrief Chloe: Die Musikalische

Kampagne «mini Lehrzyt»

Der Kaufmännische Verband Schweiz begleitet die vier Lernenden Chloe, David, Dylan und Nari während ihrer Lehrzeit. Sie berichten zweimal jährlich über ihren Lehralltag und die Erfahrungen in der Schule und im Betrieb. Dabei erfahren wir, was sie sich von ihrer Lehrzeit erhoffen, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert werden und wie sie sich auf den Berufsalltag vorbereiten.

Die Lernenden haben ihre Lehre im August 2023 angefangen und arbeiten nach dem System der neuen KV-Reform. Neben dem Fokus auf Handlungskompetenzen eignen sie sich Fachwissen und Fähigkeiten an, die sie auch branchen- und berufsübergreifend einsetzen können. Damit ihnen nach der Lehrzeit alle Möglichkeiten offenstehen.

Jetzt entdecken! 

«mini Lehrzyt» – Eine Lehre fürs Leben

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