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«Ich möchte nach der Lehre die Berufsmaturität machen»
Nari absolviert ihr drittes Lehrjahr als Kauffrau bei der Treuhandgesellschaft G-FID Consulting in Biel. Sie erzählt, wie sie sich auf die Prüfungen vorbereitet, was sie von KI hält und was sie nach dem Erwerb ihres eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses (EFZ) vor hat.
Wenn du auf die letzten fünf Monate zurückblickst, was zeigt dir am deutlichsten, dass du im dritten Lehrjahr bist?
Ich merke, dass ich mich dem Ende meiner Ausbildung nähere, weil in der Schule viel über die Lehrabschlussprüfung und die praktischen Prüfungen gesprochen wird. Bei der Arbeit bin ich selbstständiger und habe mehr Verantwortung. Einige Kundinnen und Kunden betreue ich sogar fast allein. Da ich nun für ganze Kundendossiers verantwortlich bin, verstehe ich auch die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Aufgaben besser. Ich habe jetzt einen Überblick über alles, was die Arbeit in einer Treuhandgesellschaft erfordert.
Wie bereitest du dich auf die Abschlussprüfungen (QV) vor? Hast du schon mit dem Lernen angefangen?
Ich habe mit der Vorbereitung begonnen und einen mehrwöchigen Lernplan erstellt. Ausserdem befasse ich mich etwa alle zwei Wochen ein bis zwei Stunden mit den verschiedenen Themen, die in den Prüfungen vorkommen werden. Dazu nutze ich die Unterlagen der Schule sowie alte Prüfungsaufgaben. Diese erhalten wir jede Woche von der Schule, damit wir uns vorbereiten können. Zudem übe ich mich in den Dokumentvorlagen, die wir für die Prüfung erstellen müssen, zum Beispiel Briefe oder Formulare.
Wie sieht es in deinem Unternehmen mit KI aus?
Wir nutzen KI für bestimmte Aufgaben– etwa, um nach Informationen zu Sozialversicherungen zu suchen oder um ein Formular zu erstellen, das wir nicht zur Verfügung haben. KI ist manchmal auch bei der Suche nach allgemeinen Informationen nützlich, aber das ist eher die Ausnahme. Da wir in einem Bereich tätig sind, in dem der Datenschutz extrem wichtig ist, müssen wir mit KI sehr vorsichtig umgehen, noch vorsichtiger als sonst, obwohl wir ohnehin schon sehr strenge Vertraulichkeitsregeln haben.
Und welche Rolle spielt KI in deinem schulischen und privaten Alltag?
Ich nutze KI, um Allgemeines zu recherchieren und um Prüfungsfragen zu üben, aber nicht, um eine Arbeit zu schreiben. Denn wenn ich mein Umfeld betrachte, sehe ich eine übermässige Abhängigkeit. Viele Menschen nutzen KI für fast alles. Und ich habe keine grosse Lust, mich ständig auf KI zu verlassen, ich möchte auch ein bisschen mein Gehirn benutzen. Ich glaube, dass KI-Tools dazu führen, dass die Leute weniger nachdenken und sich nicht mehr so sehr anstrengen.
«Ich habe keine Lust, mich ständig auf KI zu verlassen. Ich möchte auch mein Gehirn benutzen.»Nari, KV-Lernende bei G-FID Consulting
Was hilft dir, dich zu entspannen oder dich wieder zu konzentrieren, wenn du gestresst bist?
Im Treuhandbereich sind Jahresanfang und Jahresende mit enormem Stress verbunden. In diesen Zeiträumen gibt es sehr viel zu tun. Damit ich dann nicht überfordert bin, strukturiere ich meine Aufgaben und erstelle eine Prioritätenliste. Diese lege ich meinem Ausbilder vor. Er überprüft, ob die Prioritäten stimmen und alles gut organisiert ist. Wenn die Liste passt, kann ich Schritt für Schritt vorgehen. Das hilft mir, den Stress zu bewältigen und mich besser zu konzentrieren. Ausserhalb der Arbeit entspanne ich mich bei Spaziergängen und wenn ich Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringe. Ich gehe sehr gerne mit meiner Mutter spazieren. Unsere Beziehung ist mir sehr wichtig, und ich schätze diese Momente, in denen wir uns unterhalten können. Ich versuche auch, nicht zu viel Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen, und nutze mein Handy privat nur selten.
Was möchtest du nach deiner Ausbildung machen?
Schon seit meinem ersten Lehrjahr plane ich, die Berufsmaturität zu machen, und das werde ich auch tun, weil es mir wirklich wichtig ist. Ich habe vor, sie in einem Jahr in Vollzeit zu absolvieren, also bis August 2027. Grundsätzlich ist es möglich, nebenbei 20 Prozent zu arbeiten, aber ich muss schauen, ob ich das schaffe. Danach möchte ich sechs Monate oder ein Jahr arbeiten, um finanziell etwas stabiler zu sein. Und dann will ich eine Weile reisen. Später werde ich sicherlich Weiterbildungen machen oder ein eidgenössisches Diplom erwerben. Sicher ist, dass ich im Treuhandbereich bleiben und mich auf Sozialversicherungen spezialisieren möchte.
Wie denkst du, wirst du dich im nächsten Jahr persönlich weiterentwickeln?
Ich weiss es nicht. Ich werde wahrscheinlich mehr Selbstvertrauen gewonnen haben und finanziell stabiler sein. Ich denke, dass ich neben meiner Arbeit Weiterbildungen absolvieren werde, dass ich beruflich mehr Verantwortung übernehmen und mehr Lebenserfahrung sammeln werde. So stelle ich mir das vor. Aber ich werde sehen, was das Leben für mich bereithält!
Veröffentlicht am: 1.5.2026
Autor:in: Christine Theumann
«Ich gehe sehr gerne mit meiner Mutter spazieren. Unsere Beziehung ist mir sehr wichtig, und ich schätze diese Momente, in denen wir uns unterhalten können.»Nari, KV-Lernende bei G-FID Consulting
Steckbrief Nari: Die Leseratte
Kampagne «mini Lehrzyt»
Der Kaufmännische Verband Schweiz begleitet die vier Lernenden Chloe, David, Dylan und Nari während ihrer Lehrzeit. Sie berichten zweimal jährlich über ihren Lehralltag und die Erfahrungen in der Schule und im Betrieb. Dabei erfahren wir, was sie sich von ihrer Lehrzeit erhoffen, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert werden und wie sie sich auf den Berufsalltag vorbereiten.
Die Lernenden haben ihre Lehre im August 2023 angefangen und arbeiten nach dem System der neuen KV-Reform. Neben dem Fokus auf Handlungskompetenzen eignen sie sich Fachwissen und Fähigkeiten an, die sie auch branchen- und berufsübergreifend einsetzen können. Damit ihnen nach der Lehrzeit alle Möglichkeiten offenstehen.
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