So werden Sie Berufs- oder Praxisbildner:in

    Berufs- und Praxisbildner:innen prägen den Einstieg junger Kaufleute in die Arbeitswelt. Seit der KV-Reform ist ihre Rolle noch stärker auf Handlungskompetenzen, Praxisaufträge und regelmässiges Feedback ausgerichtet. Welche Voraussetzungen gelten, wie unterscheiden sich die beiden Funktionen – und was braucht es für einen gelungenen Einstieg? Ein Überblick für Fachpersonen und Lehrbetriebe.

    Ausbilden heisst Kompetenzen entwickeln

    Berufs- und Praxisbildner:innen begleiten junge Menschen bei einem wichtigen Schritt: dem Einstieg ins Berufsleben. Sie vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern unterstützen Lernende dabei, zunehmend selbstständig zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und sich als Berufsperson weiterzuentwickeln.

    Mit der reformierten KV-Lehre hat diese Aufgabe zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Seit August 2023 richtet sich die kaufmännische Grundbildung konsequent an Handlungskompetenzen aus. Lernende sollen Wissen nicht einfach wiedergeben, sondern in konkreten beruflichen Situationen anwenden, ihr Vorgehen reflektieren und daraus lernen. Die drei Lernorte Berufsschule, überbetrieblicher Kurs und Lehrbetrieb rücken damit näher zusammen.

    Für Berufs- und Praxisbildner:innen bedeutet das: Sie schaffen im Arbeitsalltag Lerngelegenheiten, begleiten Praxisaufträge, beobachten die Kompetenzentwicklung und geben regelmässig Rückmeldung. Gute Berufsbildung entsteht damit nicht nebenbei. Sie braucht Fachwissen, pädagogisches Geschick, Zeit und klare Zuständigkeiten.

    Berufsbildner:in: die Gesamtverantwortung tragen

    Berufsbildner:innen tragen im Lehrbetrieb die übergeordnete Verantwortung für die betriebliche Ausbildung. Sie begleiten die Lernenden über die gesamte Lehrzeit und koordinieren die Zusammenarbeit mit Praxisbildner:innen, Berufsfachschulen, überbetrieblichen Kursen, Ausbildungs- und Prüfungsbranchen sowie Behörden.

    Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem:

    • Ausbildungsplanung,

    • Rekrutierung

    • Abschluss der Lehrverträge

    Sie

    • sind die übergeordnete Ansprechperson der Lernenden bei persönlichen oder beruflichen Fragen 

    • verfolgen den Lernstand,

    • führen die halbjährlichen Qualifikationsgespräche,

    • erstellen Bildungsberichte und

    • stellen sicher, dass die Lernenden auf das Qualifikationsverfahren vorbereitet sind.

    Wer diese Funktion übernimmt, braucht neben den persönlichen Voraussetzungen auch die entsprechende fachliche und berufspädagogische Qualifikation. In der Regel sind ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis im entsprechenden Gebiet oder eine gleichwertige Qualifikation sowie mindestens zwei Jahre Berufspraxis im Lehrgebiet erforderlich. Hinzu kommt eine anerkannte berufspädagogische Ausbildung. Dafür stehen ein Kurs mit 40 Kursstunden oder ein Bildungsgang mit 100 Lernstunden zur Verfügung. Sonderfälle beurteilt das zuständige kantonale Berufsbildungsamt.

    Praxisbildner:in: Lernen im Alltag begleiten

    Praxisbildner:innen arbeiten näher am täglichen Geschehen. Sie sind die fachlichen Ausbildungsbeauftragten einer Abteilung oder eines Fachbereichs und begleiten Lernende während ihres jeweiligen Einsatzes.

    Sie

    • führen in Aufgaben und Abläufe ein,

    • planen und begleiten Praxisaufträge und

    • geben Rückmeldungen zu Leistung und Verhalten.

    Eine wichtige Rolle spielen dabei die Kompetenzraster. Lernende schätzen ihren Kompetenzstand selbst ein, die Praxisbildner:innen ergänzen ihre Fremdeinschätzung. Diese Rückmeldungen bilden eine Grundlage für die weitere Entwicklung und für das Qualifikationsgespräch mit den Berufsbildungsverantwortlichen. Auch die digitale Lerndokumentation und der Stand der Praxisaufträge gehören zur laufenden Begleitung.

    Für Praxisbildner:innen sieht der aktuelle Funktionsbeschrieb kein obligatorisches Berufsbildner:innen-Zertifikat vor. Wer die Betreuung, Ausbildung und Aufsicht während eines Abteilungseinsatzes übernimmt, braucht jedoch eine kaufmännische Grundbildung oder ausreichend Berufspraxis im kaufmännischen Bereich. Der Kaufmännische Verband Schweiz empfiehlt ausdrücklich, ebenfalls das Berufsbildner:innen-Zertifikat zu erwerben und die eigenen pädagogischen Kompetenzen regelmässig weiterzuentwickeln.

    Die KV-Reform verändert auch die Begleitung

    Mit der Handlungskompetenzorientierung der KV-Lehre hat sich nicht nur verändert, was Lernende lernen, sondern auch wie sie lernen. Ausgangspunkt sind reale berufliche Situationen. Fachwissen, Kommunikation, digitale Kompetenzen, Zusammenarbeit und Selbstorganisation werden nicht isoliert betrachtet, sondern miteinander verknüpft.

    Praxisaufträge bringen diesen Ansatz direkt in den Lehrbetrieb. Lernende bearbeiten konkrete Aufgaben, dokumentieren ihre Erfahrungen und reflektieren ihr Vorgehen. Berufs- und Praxisbildner:innen unterstützen sie dabei, geben Orientierung und helfen ihnen, aus Erfolgen und Schwierigkeiten zu lernen.

    Damit verschiebt sich auch das Rollenverständnis. Es reicht nicht, einzelne Arbeitsschritte vorzuzeigen und danach zu kontrollieren. Berufs- und Praxisbildner:innen schaffen vielmehr einen Rahmen, in dem Lernende ausprobieren, Verantwortung übernehmen und ihre Kompetenzen Schritt für Schritt erweitern können. Der stärkere Fokus auf Selbstreflexion und Selbstführung gehört ausdrücklich zur neuen Ausbildungslogik.

    Gute Ausbildung braucht genügend Zeit

    Wer Lernende begleitet, übernimmt eine Fach- und Führungsaufgabe zusätzlich zur eigentlichen Berufstätigkeit. Entsprechend wichtig sind realistische zeitliche Rahmenbedingungen.

    Der Kaufmännische Verband Schweiz empfiehlt für Berufsbildungsverantwortliche rund 20 bis 30 Stellenprozente. Bei Praxisbildner:innen sind während des Aufenthalts einer lernenden Person in der jeweiligen Abteilung rund 10 bis 20 Stellenprozente vorgesehen. Wie hoch der effektive Aufwand ausfällt, hängt unter anderem von der Zahl der Lernenden, der Betriebsgrösse und der internen Organisation ab.

    Unternehmen sollten deshalb früh klären, wer welche Aufgaben übernimmt und welche Ressourcen dafür zur Verfügung stehen. Dazu gehören auch Stellvertretungen, Weiterbildungsmöglichkeiten und ein regelmässiger Austausch unter den beteiligten Berufs- und Praxisbildner:innen. Ausserdem sollten die Betriebe die Kosten für den Berufsbildner:innenkurs beziehungsweise entsprechende Weiterbildungen tragen.

    Der Weg in die Ausbildungsfunktion

    Wer Berufs- oder Praxisbildner:in werden möchte, sollte zunächst das Gespräch im eigenen Unternehmen suchen. Besteht bereits eine Bildungsbewilligung für die kaufmännische Grundbildung? Welche Funktion soll übernommen werden? Und sind genügend Zeit und geeignete Einsatzmöglichkeiten vorhanden?

    Will ein Unternehmen erstmals KV-Lernende ausbilden, braucht es eine Bildungsbewilligung des zuständigen kantonalen Berufsbildungsamts. Dieses prüft unter anderem, ob die vorgesehenen Handlungskompetenzen vermittelt werden können, geeignete Arbeitsplätze vorhanden sind und entsprechend qualifizierte Berufs- und Praxisbildner:innen zur Verfügung stehen. Erst mit der Bewilligung können Lehrverträge für den betreffenden Beruf genehmigt werden.

    Anschliessend gilt es, die eigene Rolle sorgfältig vorzubereiten. Berufsbildner:innen erwerben die notwendige berufspädagogische Qualifikation. Auch angehende Praxisbildner:innen profitieren von einer entsprechenden Weiterbildung. Ebenso wichtig ist es, Verantwortlichkeiten, Zeitressourcen und die Zusammenarbeit zwischen Berufs- und Praxisbildner:innen verbindlich zu regeln.

    Austausch macht Berufsbildung besser

    Auch erfahrene Berufs- und Praxisbildner:innen treffen immer wieder auf neue und herausfordernde Situationen. Die Arbeitswelt verändert sich, neue Technologien halten Einzug und die Bedürfnisse der Lernenden entwickeln sich weiter. Regelmässige Weiterbildung und der Austausch mit anderen Berufs- und Praxisbildner:innen helfen, die eigene Praxis zu reflektieren und neue Lösungsansätze kennenzulernen.

    Die Fachgruppe wbp «Wir Berufs- und Praxisbildner:innen» des Kaufmännischen Verbands Schweiz unterstützt dabei mit Beratung, Merkblättern, Funktionsbeschrieben, Events, Webinaren und Netzwerkmöglichkeiten. Sie bringt Berufs- und Praxisbildner:innen aus unterschiedlichen Branchen und Regionen zusammen und fördert den Erfahrungsaustausch rund um den Ausbildungsalltag.

    Denn eine gute KV-Lehre lebt nicht allein von Bildungsplänen und Praxisaufträgen. Entscheidend sind die Menschen, die jungen Kaufleuten zutrauen, Verantwortung zu übernehmen, ihnen konstruktives Feedback geben und sie auf dem Weg zur selbstständigen Berufsperson begleiten.

    «Berufs- und Praxisbildner:innen schaffen Zukunft. Sie tragen massgeblich zum Branchennachwuchs und zur Attraktivität der KV-Lehre bei.»
    Jana Frischmann,  Fachverantwortliche Berufsbildung und Berufsbildnerin beim Kaufmännischen Verband Schweiz

    Erstmals veröffentlicht: 02.12.2016
    Letzte Aktualisierung: 16.10.2026

    Autor:in: Emily Unser

    Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt.

    Infobox

    1. Die Fachgruppe wbp «Wir Berufs- und Praxisbildner:innen» stellt ihren Fachgruppenmitgliedern unter anderem zwei praktische Merkblätter kostenlos zur Verfügung: die Funktionsbeschriebe für Berufsbildner:innen und Praxisbildner:innen. Sie geben einen kompakten Überblick über Qualifikationen, Aufgaben, Zuständigkeiten und den empfohlenen zeitlichen Umfang der jeweiligen Funktion. Jetzt Mitglied der Fachgruppe wbp werden und von praxisnahen Informationen, Beratung, Austauschmöglichkeiten und weiteren Angeboten rund um die Berufsbildung profitieren. 

      Fachgruppe wbp – «Wir Berufs- und Praxisbildner:innen»

    2. Machen Sie Ihre Kompetenzen sichtbar! Als Berufs- oder Praxisbildner:in erwerben und vertiefen Sie wertvolle Skills – etwa in der Begleitung und Förderung von Lernenden, in der Kommunikation, im Feedback oder in der Ausbildungsplanung. Diese Kompetenzen können Sie auch in Ihrer Work-ID, dem digitalen Skills-Ausweis für die Schweizer Arbeitswelt, erfassen. So wächst Ihr persönliches Skills-Portfolio mit Ihrer beruflichen Erfahrung – und zeigt umfassend, was Sie können. Die Work-ID ist kostenlos und begleitet Sie über Ihr Berufsleben hinweg. Jetzt Work-ID erstellen und Ihre Skills sichtbar machen.

      Work-ID – Die ID für die Schweizer Arbeitswelt

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