Homeoffice braucht Flexibilität – aber keinen Freipass für grenzenlose Arbeit
14.10.2026 - Die Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S) macht aus der notwendigen Flexibilisierung des Homeoffice einen Abbau zentraler Schutzrechte. Ein Arbeitszeitrahmen von bis zu 17 Stunden, verkürzte Ruhezeiten und der Verzicht auf ein ausdrücklich verankertes Recht auf Nichterreichbarkeit drohen die Grenzen zwischen Arbeit und Erholung weiter aufzuweichen. Der Kaufmännische Verband Schweiz fordert klare Korrekturen.
Homeoffice ist längst Teil einer modernen Arbeitswelt. Der Kaufmännische Verband Schweiz unterstützt deshalb flexible Regeln, die es Arbeitnehmenden ermöglichen, Beruf, Familie und weitere Verpflichtungen besser miteinander zu vereinbaren. Flexibilität darf jedoch nicht dazu führen, dass sich der Arbeitstag immer weiter in den Morgen und Abend ausdehnt und Erholungszeiten unter Druck geraten.
Homeoffice darf nicht zur Entgrenzung führen
Die WAK-S hält ein ausdrücklich geregeltes Recht auf Nichterreichbarkeit für unnötig. Aus Sicht des Kaufmännischen Verbands Schweiz greift diese Argumentation zu kurz. Wer den Arbeitszeitrahmen ausdehnt und gleichzeitig die Mindestruhezeit verkürzt, muss für klare Grenzen sorgen. «Ein bloss implizites Recht genügt nicht, wenn digitale Erreichbarkeit technisch rund um die Uhr möglich ist und im Arbeitsalltag dann zunehmend auch erwartet wird», sagt Prisca D’Alessandro, Leiterin Politik beim Kaufmännischen Verband Schweiz.
Besonders kritisch ist der vorgesehene Arbeitszeitrahmen von bis zu 17 Stunden. Damit kann sich ein Arbeitstag vom frühen Morgen bis weit in den Abend erstrecken. Der Kaufmännische Verband Schweiz hält einen Rahmen von 15 Stunden für ausreichend. Mehr Gestaltungsfreiheit soll den Alltag erleichtern – nicht die zeitlichen Grenzen der Arbeit immer weiter verschieben.
Mehr Spielraum – aber nicht auf Kosten der Erholung
«Wenn Flexibilität zum Argument für den Abbau von Schutzrechten wird, begünstigt das Arbeitsstrukturen, die zu mehr Belastung und weniger Erholung führen», sagt D’Alessandro. «Eine moderne Arbeitswelt braucht deshalb klare Grenzen und einen wirksamen Gesundheitsschutz»
Der Kaufmännische Verband Schweiz fordert deshalb den Ständerat auf, die Vorlage in der Wintersession zu korrigieren. Eine moderne Homeoffice-Regelung braucht beides: echte Flexibilität und verbindlichen Schutz vor grenzenloser Arbeit.