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Was gilt es in Bezug auf das Coronavirus arbeitsrechtlich zu beachten? Was dürfen/müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber? Welche Auswirkungen hat die Schulschliessung auf unsere KV-Lernenden sowie die Studierenden unserer Weiterbildungsschulen? Was ist mit Kurzarbeitsentschädigung? Erhalten Arbeitnehmer trotz Kurzarbeit ihren vereinbarten Lohn?

In unserem FAQ klären wir Arbeitnehmer auf und antworten auf die wichtigsten Fragen in Bezug auf Kurzarbeit, Auslandsreisen und behördliche Quarantäne. Wir informieren über die Auswirkungen von Massnahmen wie der Schulschliessung auf Lernende und Studierende unserer Weiterbildungsschulen.

Letzte Aktualisierung: 02.04.2020

In der Schweiz wurde der erste Coronavirus-Fall im Februar 2020 bestätigt. Weitere Erkrankungsfälle sind seitdem auftreten; Die Anzahl betroffener Personen steigt rasant an. Mehrere hundert Personen sind derzeit in ihrem Wohnkanton in Quarantäne.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht mittlerweile von einer Pandemie. Auch der Schweizer Bundesrat  stuft die Situation in der Schweiz als «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz ein. Entsprechend hat der Bundesrat gemeinsam mit den kantonalen Behörden Massnahmen erlassen, etwa Einschränkungen für grössere Veranstaltungen sowie die Schliessung aller Schulen bis zum 19. April. Die Wirtschaft steht vor grossen Herausforderungen.

Im Dezember 2019 wurde in Wuhan (China) eine aussergewöhnliche Häufung von Lungenentzündungen beobachtet. Diese sind auf das neuartige Coronavirus (Covid-19) zurückzuführen. Es gehört zur selben Familie wie die SARS-Viren (Severe Acute Respiratory Syndrome) und stammt ursprünglich von Tieren, welche sehr wahrscheinlich auf einem Wildtier- und Fischmarkt in Wuhan gehalten wurden. Seither wird es von Mensch zu Mensch übertragen (Tröpfcheninfektion) und breitet sich so weiter aus.

Allgemeine Fragen

  1. Aus Angst, angesteckt zu werden, können Arbeitnehmer nicht einfach so der Arbeit fernbleiben. Falls sie die Möglichkeit haben, Homeoffice zu machen, können sie ihren Arbeitgeber anfragen, ob sie davon vermehrt Gebrauch machen können. Falls möglich, können sie auch Urlaub nehmen.

    Falls Arbeitnehmer selber den Verdacht haben, ansteckend zu sein, da sie evtl. Symptome aufweisen, können sie in dieser Situation wie in jedem anderen Krankheitsfall zu Hause bleiben. Sie müssen das entsprechende Arztzeugnis erst nach 5 Tagen ihrem Arbeitgeber einreichen. 

  2. Der Arbeitgeber hat aber aufgrund seiner Fürsorgepflicht alles zu unternehmen, damit die Möglichkeit einer Ansteckung möglichst geringgehalten werden kann (z.B. Hygienemassnahmen, Homeoffice, keine Auslandeinsätze usw.). Nach OR 328 muss er aufgrund seiner Fürsorgepflicht entsprechende Massnahmen ergreifen, auf die Gesundheit gebührend Rücksicht nehmen und Weisungen erteilen. Die Massnahmen müssen selbstverständlich verhältnismässig sein und dürfen nicht in Persönlichkeitsrechte eingreifen.

  3. Das ist eine ganz heikle Frage. Die Fürsorgepflicht verpflichtet zwar den Arbeitgeber, den Arbeitnehmern Schutz und Fürsorge zu verschaffen und alles zu unterlassen, was ihren berechtigten Interessen entgegenstehen könnte. Ob der Arbeitgeber im Falle einer Ansteckung am Arbeitsplatz seiner Sorgfalts- und Fürsorgepflicht nachgekommen ist oder nicht, d.h. ob er alles unternommen hat, um die berechtigten Interessen des Arbeitnehmers zu schützen, muss jeweils im Einzelfall geprüft werden.

  4. Liegt der Grund für die Arbeitsunfähigkeit in den persönlichen Verhältnissen des Arbeitnehmers, besteht nach Art. 324a OR auch weiterhin eine Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Das heisst: Arbeitnehmer, bei denen das neue Coronavirus nachgewiesen wird und die krankheitsbedingt ausfallen, haben weiterhin Anspruch auf Lohn.

  5. Grundsätzlich gelten die Empfehlungen zur Prävention der saisonalen Grippe:

    • Hände waschen: Mehrmals täglich gründlich die Hände mit Wasser und Seife waschen.
    • In ein Papiertaschentuch husten oder niesen: Beim Husten oder Niesen ein Papiertaschentuch vor Mund und Nase halten. Das Papiertaschentuch nach Gebrauch in einem Abfalleimer werfen und danach gründlich die Hände mit Wasser und Seife waschen.
    • In die Armbeuge husten oder niesen: Wenn kein Papiertaschentuch zur Verfügung steht, in die Armbeuge husten oder niesen. Dies ist hygienischer als die Hände vor den Mund zu halten. Sollten doch die Hände benutzt werden, gleich danach gründlich mit Wasser und Seife waschen.
    • Oberflächen reinigen: Handys, Tastaturen, Mäuse etc. reinigen.
    • Bei Krankheit zu Hause bleiben: Bei Unwohlfühlen und Krankheitssymptomen, solltet ihr zu Hause bleiben. So wird verhindert, dass die Krankheit weiter übertragen wird.
    • Kontakt zu Kranken vermeiden: Vermeidet engen Kontakt mit erkrankten Menschen.

Homeoffice

  1. Der Begriff Homeoffice steht für die Arbeit von Zuhause aus, in Ergänzung zur Arbeit im Corporate Office und bei Kunden oder Partnern.

  2. Einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice haben Arbeitnehmer nicht – es sei denn, dies ist im Arbeitsvertrag bereits so vereinbart. Der Arbeitgeber kann aufgrund seines Weisungsrechtes (Art. 321d OR) dem Arbeitnehmer grundsätzlich jeden zumutbaren Arbeitsplatz zuweisen, wobei der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen muss. Der Arbeitnehmer hat diese Weisung zu befolgen und kann somit den Arbeitsplatz grundsätzlich nicht selber wählen.

    Jedoch gilt, dass der Arbeitgeber zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter verpflichtet ist (Art. 328 OR) und die ihm zumutbaren Massnahmen zu treffen hat (wie in der aktuellen Situation z.B. Homeoffice). Sind die Massnahmen objektiv ungenügend, hat ein Mitarbeiter das Recht, die Arbeit zu verweigern. Dass der Arbeitgeber darauf mit einer Kündigung reagiert, kann nicht ausgeschlossen werden. Bei einer berechtigten Arbeitsverweigerung wäre eine deswegen ausgesprochene Kündigung zwar missbräuchlich, aber rechtlich wirksam.

    Falls die betroffene Person zu einer Risikogruppe gehört, muss gemäss Verordnung des Bundesrates der Arbeitgeber Homeoffice gewähren.

  3. Grundsätzlich hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer die Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Setzt der Arbeitnehmer eigene Arbeitsmittel ein, so ist er dafür von Gesetzes wegen angemessen zu entschädigen, soweit nichts anderes vereinbart ist (Art. 327 OR).

    Davon ausgehend, dass die Krise längere Zeit dauern wird, sollte der Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorgepflicht die Einrichtung eines geeigneten Homeoffice unterstützen und den Arbeitnehmenden die erforderlichen Arbeitsmittel zur Verfügung stellen.

  4. Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass durch entsprechende Verschlüsselung die Datenübermittlung den betriebseigenen Sicherheitserfordernissen genügt.

  5. Auch im Homeoffice gelten die Bestimmungen des Arbeitsgesetzes. Das heisst: Arbeitnehmer haben auch im Homeoffice Anrecht auf eine Pause und müssen die Arbeits- und Ruhezeiten einhalten.

  6. Dafür gibt es keine rechtliche Grundlage. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten die Rahmenbedingungen für Homeoffice im Team klar festlegen, d.h. die gewünschte Form der Zusammenarbeit und die gegenseitige Erwartungshaltung (z.B. Erreichbarkeit, Reaktionszeit) definieren. Der individuelle Freiheitsgrad sollte dabei nicht durch restriktive Reglemente unnötig eingeschränkt werden.

  7. Für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist der Arbeitgeber auch dann verantwortlich, wenn die Mitarbeitenden von Zuhause arbeiten.

  8. Entscheidend für erfolgreiches Homeoffice ist das Beachten einiger Grundsätze. Der Kaufmännische Verband hat sie im Artikel So gelingt Homeoffice zusammengetragen.

Berufsbildung, Schulschliessung und Prüfungen

  1. Nein. Präsenzveranstaltungen in Schulen sind bis zum 19. April verboten. Die Berufsfach- und Weiterbildungsschulen informieren gegenüber ihren Schüler/innen und Studierenden, was dies für die jeweiligen Klassen und den Unterricht bedeutet. Die Schulen bemühen sich um die Anwendung von neuen digitalen Lehr- und Lernformen (Fernunterricht, Arbeitsaufträge, virtuelle Klassenzimmer u.a.).

    Bei Fragen zum Schulunterricht und dessen Weiterführung melden Sie sich bitte direkt bei Ihrer Berufsfach- oder Weiterbildungsschule.

  2. Bis zum 19. April hat der Bundesrat alle Präsenzveranstaltungen an Schulen verboten. Der Ausbildungsauftrag der Berufsfachschulen an die Lernenden wird grundsätzlich weitergeführt. Die Schulen bemühen sich um die Anwendung von neuen digitalen Lehr- und Lernformen (Fernunterricht, Arbeitsaufträge, virtuelle Klassenzimmer u.a.). Die Berufsfachschule informiert hierzu sowohl die Lernenden als auch die Lehrbetriebe laufend. Die ausfallenden Schultage werden dazu genutzt, um die Aufträge der Schule zu bearbeiten.

    Der Kaufmännische Verband appelliert an alle Lehrbetriebe, ihre Lernenden die Schulaufträge von zuhause machen zu lassen. Das bedeutet: keine ÖV-Nutzung und kein physischer Kontakt zu anderen Mitarbeitenden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die vom Bundesrat verordnete Schulschliessung auch tatsächlich zur Eindämmung und Bekämpfung des Coronavirus beiträgt

  3. Lehrbetriebe sind verpflichtet, die Schutzmassnahmen gemäss BAG auch für Lernende einzuhalten und entsprechende Massnahmen zu treffen (Hygienemassnahmen, Homeoffice, bis hin zu Betriebsschliessungen). Davon ausgehend, dass die Krise längere Zeit dauern wird, ist Homeoffice gerade für KV-Lernende eine sinnvolle und in der Regel praktikable Lösung, um sowohl den Gesundheitsschutz als auch die Weiterführung der Ausbildung zu gewährleisten. Der Kaufmännische Verband fordert alle Lehrbetriebe auf, ihren Lernenden das Arbeiten im Homeoffice, wo immer dies machbar ist, zu ermöglichen, sie bei der Einrichtung ihres neuen Arbeitsplatzes zu unterstützen und ihnen die dafür erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen.

    Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, die jeder Arbeitgeber individuell auf die neue Situation seiner Branche und seines Betriebs anpassen muss.

    • Einzelne Tage oder komplettes Homeoffice für Lernende: Die Berufs- und Praxisbildner/innen sollen den Lernenden klare Arbeitsaufträge mitgeben. Die Kommunikation und der Austausch von Informationen kann über E-Mail, Telefon, Videokonferenzen und Desktop-Sharing sichergestellt werden. Mittels Desktop-Sharing ist es auch möglich, einzelne Arbeitsschritte den Lernenden vorzuzeigen.
    • Homeoffice für einen Teil der Belegschaft, um das Ansteckungsrisiko zu senken und den Betrieb aufrecht zu erhalten: In diesem Fall können die Lernenden wechselnd durch unterschiedliche Personen im Lehrbetrieb betreut werden.
    • Aufgrund der Schulschliessungen kann es zudem sinnvoll sein, den Lernenden Zeit zum selbständigen Lernen zu geben – insbesondere dann, wenn aufgrund der aktuellen Situation wenig Aufgaben im Lehrbetrieb zu erledigen sind.

    Die Rahmenbedingungen, wie z.B. die Arbeitszeit, die Erreichbarkeit und Anleitungen für Videokonferenz-Tools (wie Zoom, Whereby, Skype usw.) müssen durch die Betriebe vorgegeben und durch die Lernenden eingehalten werden.

  4. Lernende in Lehrbetrieben, die von einer Schliessung betroffen sind, haben weiter die Schulpflicht zu erfüllen. Die Berufsfachschulen stellen entsprechende Lernangebote bereit (Fernunterricht, Arbeitsaufträge, virtuelle Klassenzimmer u.a.), welche die Lernenden von zu Hause aus bearbeiten.

  5. Ja, die überbetrieblichen Kurse (üK) sind ebenfalls vom Schliessungsentscheid des Bundesrates betroffen. Unterricht und Trainings in ÜK-Zentren finden nicht statt. In Branchen, wo dies möglich ist, wird auch hier «Distance Learning» eingesetzt. Die zuständigen Branchenverbände und -organisationen sind für die Umsetzung verantwortlich und werden Lernende wie Lehrbetriebe laufend informieren.

  6. Ja, die Lernenden sollen trotz Coronavirus wie in den Vorjahren ihren Lehrabschluss mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis bzw. einem eidg. Berufsattest realisieren können. Dies gilt auch für die Berufsmaturität. Das Qualifikationsverfahren wird dieses Jahr aufgrund der aktuellen Situation jedoch anders aussehen.

    Die Verbundpartner der Berufsbildung haben am 31. März einen Entwurf vorgelegt, der vorsieht, dass die schulischen Abschlussprüfungen nicht stattfinden und stattdessen die Erfahrungsnoten ins Abschlusszeugnis übernommen werden. Für die betrieblichen bzw. praktischen Prüfungen bestehen verschiedene Varianten, welche pro Beruf festgelegt werden können. Zum jetzigen Zeitpunkt handelt es sich um einen Entwurf, der noch nicht verabschiedet ist. Vorgesehen ist, dass Bund, Kantone und Sozialpartner sich bis vor Ostern gemeinsam auf die Umsetzung der angepassten Qualifikationsverfahren einigen.

    Aktuelle Informationen dazu finden Sie auf: Berufsbildung 2030.

  7. Verschiedene Zertifikats-, Berufs- und Höhere Fachprüfungen, die in den nächsten Wochen zentral durchgeführt worden wären, wurden abgesagt bzw. verschoben. Sie werden als angemeldete/r Prüfungsteilnehmende/r direkt durch die Prüfungsträgerschaft bzw. die Prüfungsorganisation über den aktuellen Stand und allfällige neue Termine informiert.

  8. Nein. Die Absolvierenden müssen die eidgenössische Prüfung abgelegt haben, damit sie ein Beitragsgesuch stellen können. Dies gilt auch, wenn eine Prüfung verschoben werden muss. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich Teilbeiträge zu beantragen (Ausnahmefall). Die Bedingungen für einen Antrag auf Teilbeiträge vor der eidgenössischen Prüfung gelten wie bis anhin.

Kinderbetreuung

  1. Soweit die Eltern von schulpflichtigen Kindern die von den Schulen zur Verfügung gestellte Notbetreuung nicht in Anspruch nehmen können, müssen sie ihre Kinder bis zur Organisation einer alternativen Betreuungsmöglichkeit selber betreuen. Dies gilt auch beim Wegfall der Kita-Betreuung oder der Betreuung durch die Grosseltern. Der Bundesrat hat am 20.3.2020 verordnet, dass Eltern, die ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von Schulschliessungen unterbrechen müssen, um ihre Kinder zu betreuen, Anspruch auf Entschädigung haben.

Kurzarbeit

  1. Von Kurzarbeit spricht man, wenn der Arbeitgeber aus wirtschaftlichen Gründen (z.B. Arbeitsausfall aufgrund fehlender Aufträge) die Arbeitszeit vorübergehend um mindestens 10% kürzt. Um Kündigungen zu verhindern, kann der Arbeitgeber im Einverständnis des Mitarbeitenden die Arbeitszeit reduzieren und damit Löhne einsparen. Die Mitarbeitenden werden für den Arbeitsausfall von der Arbeitslosenversicherung entschädigt werden.

    Innerhalb von zwei Jahren wird die Kurzarbeitsentschädigung während höchstens 12 Monaten ausgerichtet. Der Bundesrat kann bei erheblicher Arbeitslosigkeit die Höchstdauer um 6 Monate verlängern.

  2. Die Zustimmung zur Kurzarbeit ist notwendig und muss schriftlich erfolgen.

    Arbeitnehmer haben aber auch das Recht, die Entschädigung abzulehnen. Im Fall einer Ablehnung, muss der Arbeitgeber weiterhin den vollen Lohn bezahlen, jedoch steigt bei Ablehnung das Risiko, die ordentliche Kündigung zu erhalten, massiv.

  3. Für den Arbeitsausfall erhalten betroffene Arbeitnehmer eine Kurzarbeitsentschädigung. Diese beträgt 80% des Verdienstausfalls, d.h. 80% des wegfallenden Lohns.

    Aufgrund der neuen Verordnung des Bundesrats vom 20.3.2020 müssen Arbeitnehmer nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen, bevor sie von Kurzarbeitsentschädigungen profitieren können.

    Detail-Fragen zur Kurzarbeitsentschädigung können die zuständige kantonale Amtsstelle sowie die Arbeitslosenkasse beantworten. Adressen finden Sie hier.

  4. Arbeitnehmer dürfen nicht einfach so eine andere Stelle annehmen. Dafür braucht es die Einwilligung des Arbeitgebers, die aber in der Regel nicht verweigert werden darf. Der Lohn der anderen Arbeitsstelle muss dem ersten Arbeitgeber gemeldet werden.

    Die Kurzarbeitsentschädigung hingegen wird nur dann gekürzt, wenn sie zusammen mit dem Verdienst aus der Zwischenbeschäftigung den Verdienstausfall beim ersten Arbeitgeber übersteigt.

  5. Der Arbeitnehmer ist erst dann zur Suche einer Zwischenbeschäftigung verpflichtet, wenn seine ursprüngliche Arbeit für länger als einen Monat ganz eingestellt wird.

  6. Nein. Der Arbeitgeber darf den Ferienanspruch nicht wegen Kurzarbeit kürzen. Sollten Arbeitnehmer jedoch während der Kurzarbeit Urlaub beziehen, könnte es sein, dass der Arbeitgeber nur den gekürzten Lohn bezahlen muss.  Dieser Punkt ist nicht leicht zu beantworten.

    Detail-Fragen zur Kurzarbeitsentschädigung können die zuständige kantonale Amtsstelle sowie die Arbeitslosenkasse beantworten. Adressen finden Sie hier.

  7. Ja, der Bundesrat hat am 20. März 2020 beschlossen, dass die Kurzarbeitsentschädigung auch für Angestellte in befristeten Arbeitsverhältnissen sowie für Personen im Dienst einer Organisation für Temporärarbeit ausgerichtet werden und der Arbeitsausfall auch für Personen, die in einem Lehrverhältnis stehen, anrechenbar werden. Dabei wird bis maximal 80% des auf die ausgefallenen Arbeitsstunden anrechenbaren Verdienstausfalls entschädigt.

    Der Kaufmännische Verband macht sich jedoch dafür stark, dass Lehrbetriebe ihren Lernenden als Zeichen der Unterstützung den vollen Lernendenlohn auszahlen. Er ruft ausserdem alle Lehrbetriebe auf, trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation, Lehrvertragsauflösungen zu vermeiden. Unternehmen sind und werden auch weiterhin auf Fachkräfte angewiesen sein: Es ist im ureigenen Interesse der Lehrbetriebe, den beruflichen Nachwuchs weiterhin zu rekrutieren, auszubilden und damit zu sichern.

Behördliche Quarantäne

  1. Quarantäne bedeutet nicht gleich ansteckend: Unter Quarantäne werden auch Personen mit Verdacht auf das neue Coronavirus genommen d.h. die in Kontakt mit einem Coronavirus-Patienten waren oder akute Symptome wie z.B. Atembeschwerden, Husten oder Fieber aufweisen. Dabei handelt es sich um präventive Massnahmen, mit denen die Gesundheitsbehörden die Ansteckungsketten ausfindig machen und Betroffene besser isolieren können. Eine solche Quarantäne dauert 10 Tage. Betroffene müssen in ihrer Wohnung bleiben und den Kontakt zu anderen vermeiden. Sie können nicht zur Arbeit gehen und ihren Tätigkeiten nur begrenzt nachgehen.

    Wenn die Arbeitnehmer unter Quarantäne stehen, müssen sie dem Arbeitgeber selbstverständlich melden, dass sie nicht zur Arbeit erscheinen können. Sie müssen sich aber nur dann krankmelden, wenn sie tatsächlich krank sind.

  2. Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die Gesetzeslage ist komplex.

    Werden ganze Gebiete behördlicherseits unter Quarantäne gestellt, so ist die Arbeitsverhinderung nicht persönlich begründet und es besteht insofern keine Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Hingegen kann die anordnende Behörde betroffene Personen nach dem Epidemie-Gesetz Art. 63 jedoch entschädigen: Das heisst: Arbeitnehmer, bei denen das neue Coronavirus (noch) nicht nachgewiesen wurde, deren Wohnkanton jedoch unter allgemeine Quarantäne fällt, werden nicht vom Arbeitgeber entlöhnt. Sie fallen nicht krankheitsbedingt aus, sondern aufgrund gegen sie gerichteter behördlicher Massnahmen. Sie können finanziell entschädigt werden, wenn sie aufgrund der Quarantäne Schäden erleiden und diese Schäden nicht anderweitig gedeckt werden.

    Werden dagegen einzelne Personen aufgrund spezifischer Umstände behördlicherseits unter Quarantäne gestellt, liegt der Grund für die Arbeitsunfähigkeit wieder in den persönlichen Verhältnissen des Arbeitnehmers. Nach Art. 324a OR kann die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers allenfalls wieder angewendet werden. Das heisst: Arbeitnehmer, bei denen das neue Coronavirus (noch) nicht nachgewiesen wurde, die aber persönlich in Quarantäne genommen werden, können weiterhin entlöhnt werden.

  3. Gemäss Bundesratsentscheid vom 20.3.2020 gibt es Anspruch auf die Entschädigung bei einem Erwerbsunterbruch aufgrund von einer durch einen Arzt verordneten Quarantäne. Arbeitnehmer erhalten in Anlehnung an die Erwerbsersatzordnung (EO; Erwerbsersatz bei Dienstleistung oder Mutterschaft) ein Taggeld. Dieses entspricht 80 Prozent des Einkommens und beträgt höchstens 196 Franken pro Tag. Die Entschädigung ist auf 10 Taggelder für Personen in Quarantänemassnahmen begrenzt.

Auslandsreisen

  1. Der Arbeitgeber hat selber ein Interesse daran, dass sich seine Arbeitnehmer nicht anstecken. Gemäss dem Kaufmännischen Verband sollte sich ein Arbeitnehmerweigern können, in ein «Betroffenes Gebiet» zu reisen, d.h. in ein Land oder eine Region, in der eine fortgesetzte Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch stattfindet oder wo dies angenommen wird. Dazu dienlich sind auch die behördlichen Reiseempfehlungen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

  2. Der Bundesrat rät seit dem 13. März 2020, auf nicht dringliche Auslandreisen zu verzichten. Seit dem 16. März 2020 empfiehlt er Schweizer Reisenden im Ausland, an ihren Wohnsitz zurückzukehren, solange dies mit kommerziellen oder eigenen Mitteln noch möglich ist. Sie riskieren sonst, im Ausland blockiert zu bleiben.

Kontakt

Als Mitglied steht Ihnen unser Rechtsdienst bei weiteren Fragen tatkräftig zur Seite. Rufen Sie uns an unter 0442834510 oder schreiben Sie uns an rechtsdienst@kfmv.ch.

Bei spezifischen Fragen zur Situation in der Lehre  steht Lernenden, Eltern sowie Berufs- und Praxisbildner/innen unsere Jugendberatung zur Seite. Schreiben Sie uns an jugend@kfmv.ch.

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