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Individualbesteuerung
Der demographische Wandel beeinflusst den Arbeitsmarkt der Zukunft. Der Fachkräftemangel verschärft sich. Neben Massnahmen zum Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit von älteren Arbeitnehmenden ist demnach auch eine höhere Arbeitsmarktbeteiligung der inländischen Bevölkerung – vor allem der Frauen – gefragt. Gerade Massnahmen, die finanzielle Anreize schaffen oder die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern, haben einen wichtigen Erwerb auf diese Bevölkerungsgruppe.
Forderung
Der Kaufmännische Verband Schweiz setzt sich über seine politische Allianz «die plattform» für ein faires, zukunftsfähiges Steuersystem ein, welches die Heiratsstrafe beseitigt und Erwerbsanreize stärkt – insbesondere beim Zweiteinkommen. «die plattform» unterstützt die Einführung der Individualbesteuerung.
Analyse
In der Schweiz werden verheiratete Paare vom Bund und von den Kantonen gemeinsam besteuert. Damit gehört die Schweiz zu einer Minderheit in Europa. Durch die Steuerprogression zahlen Doppelverdiener-Ehepaare mehr Steuern als unverheiratete Paare mit dem gleichen Einkommen. Für Zweitverdienende – oft Frauen – lohnt sich Erwerbsarbeit deshalb oft kaum. Die gemeinsame Besteuerung setzt damit Fehlanreize und bremst die Erwerbsbeteiligung. Dies will ein neues Gesetz ändern, welches im Sommer 2025 vom Parlament verabschiedet wurde. Es sieht fundamentale Neuerungen im Schweizer Steuersystem vor: Alle Personen in der Schweiz sollen künftig, unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht, individuell besteuert werden. Familien mit Kindern würden zusätzlich steuerlich entlastet. Dies nicht nur bei der Bundessteuer, sondern auch auf der Ebene der Kantone und der Gemeinden. Rund die Hälfte der Ehepaare würden finanziell von der Individualbesteuerung profitieren. Für einige würde sich nichts ändern (36%) und nur eine Minderheit von Einverdienerehepaaren (14%) würde leicht höher belastet. Da ein Referendum zustande gekommen ist, stimmt das Volk im März 2026 über die Individualbesteuerung ab.
Die plattform setzt sich für eine zivilstandsunabhängige Besteuerung ein. Laut einer Studie von ECOPLAN würden nach der Einführung der Individualbesteuerung viele, vor allem Frauen, ihr Pensum erhöhen und es könnten bis zu 44 000 Vollzeitstellen besetzt werden. Viele Branchen leiden heute unter dem Fachkräftemangel und dieser dürfte sich wegen der anstehenden Pensionierung der Babyboom-Generation noch verschärfen, wie eine OECD-Studie von 2025 zeigt. Angesichts dessen ist die Mobilisierung des inländischen Fachkräftepotenzials wirtschaftlich notwendig.
Arbeit soll sich lohnen. Weil die gemeinsame Besteuerung das Zweiteinkommen überproportional belastet, lohnt sich eine Erwerbstätigkeit oder eine Pensumerhöhung für Zweitverdienende häufig kaum. Da rund 90% der Zweitverdienenden Frauen sind, betrifft diese Ungleichbehandlung vor allem sie. Vor diesem Hintergrund ist es kaum überraschend, dass Frauen oft eine unzureichende Altersvorsorge aufbauen können (siehe dazu Reform der Altersvorsorge).
Die Individualbesteuerung ist damit wirtschafts- und gleichstellungspolitisch sinnvoll und notwendig.
Engagement
Bei der plattform haben die Gleichstellung von Mann und Frau in der Arbeitswelt einen hohen Stellenwert. Neben besseren Rahmenbedingungen für flexibles Arbeiten und einer finanziellen Entlastung bei familienexterner Kinderbetreuung, setzt auch die Individualbesteuerung die richtigen finanziellen Anreize für Erwerbsarbeit. Erwerbsarbeit lohnt sich mehr für Frauen und ihre Altersvorsorge wird gestärkt. Deshalb setzt sich die plattform für die Einführung der Individualbesteuerung ein.
«Die vom Parlament verabschiedete Individualbesteuerung beseitigt die Heiratsstrafe bei der Ehepaarbesteuerung. Erwerbstätigkeit beider Ehepartner wird somit nicht mehr finanziell bestraft. Sie ist einfach, gerecht und berücksichtigt die besonderen Umstände von Familien mit Kindern. Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, Leute vom Arbeiten abzuhalten.»Daniel Jositsch, Ständerat SP, Präsident Kaufmännischer Verband Schweiz und «die plattform»
«die plattform» – die starke Stimme der Berufsleute
Die plattform ist die starke Stimme der Berufsleute. Sie vertritt die Interessen der Erwerbstätigen in Dienstleistungs- und Wissensberufen und in der MEM-Branche. Ihre Mitglieder stehen stellvertretend für 80% der Erwerbsbevölkerung, welche in Dienstleistungs- und Wissensberufen tätig sind. Die plattform vernetzt Angestellten- und Berufsverbände und setzt sich für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden ein. Sie arbeitet an inspirierenden Lösungen in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik und gestaltet die Arbeitswelt von morgen aktiv mit.
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