Seitennavigation & Suche
KV-Reform stärkt Zukunftsfähigkeit der kaufmännischen Grundbildung
23.07.2026 – Die KV-Lehre steht vor ihrer nächsten Etappe: Nach rund zehn Jahren Reformprozess ist die kaufmännische Grundbildung praxisnäher, kompetenzorientierter und stärker auf die Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt ausgerichtet. Der Kaufmännische Verband Schweiz ordnet die Entwicklung gemeinsam mit beteiligten Bildungspartner:innen ein – und zeigt, weshalb Kaufleute gerade im Zeitalter von KI eine zentrale Rolle spielen.
Mit den ersten digitalen EFZ-Abschlussprüfungen im Juni 2026 hat die KV-Reform einen sichtbaren Meilenstein erreicht: Rund 10 000 angehende Kaufleute absolvierten den schriftlichen Teil ihrer schulischen Abschlussprüfungen erstmals schweizweit digital. Was für die Lernenden den Abschluss ihrer Ausbildung markiert, ist zugleich Ausdruck einer umfassenden Neuausrichtung der grössten beruflichen Grundbildung der Schweiz. Seit 2017 wurde die KV-Lehre konsequent auf die Anforderungen einer Arbeitswelt ausgerichtet, die sich durch Digitalisierung, neue Technologien, vernetztes Arbeiten und steigende Anforderungen an Selbstständigkeit, Kommunikation und Problemlösungskompetenz stark verändert hat.
Im Zentrum dieser Neuausrichtung steht die Handlungskompetenzorientierung. Statt isoliertes Fachwissen zu vermitteln, orientiert sich die Ausbildung stärker an konkreten beruflichen Situationen. Lernende sollen Wissen erwerben, dieses aber auch anwenden, vernetzen und reflektieren können. «Ziel ist eine Ausbildung mit möglichst direktem Bezug zum Berufsalltag. Entscheidend ist der Aufbau von Kompetenzen, die im Arbeitsleben tatsächlich gebraucht werden», sagt Melinda Bangerter, Leiterin Bildung beim Kaufmännischen Verband Schweiz.
Von der Konzeption zur Umsetzung
Ausgangspunkt der KV-Reform war die gesetzlich vorgesehene 5-Jahres-Überprüfung der kaufmännischen Grundbildung im Jahr 2017. Sie zeigte, dass sich das kaufmännische Berufsfeld stark verändert und die Ausbildung entsprechend weiterentwickelt werden muss. 2018 startete das Projekt «Kaufleute 2022». Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt analysierten gemeinsam die Anforderungen des Berufsfelds, definierten die künftigen Kompetenzen von Kaufleuten und erarbeiteten darauf aufbauend das neue Qualifikationsprofil, die Bildungspläne, die Bildungserlasse und die Grundlagen für das Qualifikationsverfahren.
Als Arbeitnehmendenverband und Sozialpartner war der Kaufmännische Verband Schweiz von Beginn an eng in die Reform eingebunden. Er begleitete die Berufsentwicklung fachlich, wirkte in der Kerngruppe mit und unterstützte verschiedene Anspruchsgruppen mit Informationsangeboten, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem Erlass der neuen Bildungsverordnungen und Bildungspläne begann die Umsetzung: Lehrmittel wurden neu entwickelt, digitale Instrumente aufgebaut, betriebliche Umsetzungsinstrumente erarbeitet und Lehrpersonen, Berufsbildende sowie üK-Leitende auf die neuen Anforderungen vorbereitet. Im August 2023 starteten die ersten Jahrgänge nach der reformierten kaufmännischen Grundbildung auf Stufe EBA und EFZ. Für Schulen, Betriebe, Branchen und Behörden bedeutete dies grosse Anpassungsleistungen – zugleich rückten Lernen und Arbeiten näher zusammen.
Neue Prüfungen als sichtbarer Meilenstein
Die Reform zeigt sich auch im Qualifikationsverfahren. Die neuen schulischen Abschlussprüfungen prüfen nicht primär isoliertes Faktenwissen, sondern wie Lernende ihr Fachwissen in konkreten beruflichen Situationen einsetzen. Fachliche Grundlagen bleiben damit zentraler Bestandteil der Ausbildung und des Qualifikationsverfahrens. Sie werden jedoch stärker anhand realitätsnaher Aufgabenstellungen geprüft – etwa in geleiteten Fallarbeiten, Mini Cases, Rollenspielen und Critical Incidents. Damit gewinnen Recherchefähigkeit, kritisches Denken, vernetztes Arbeiten und die Anwendung von Wissen auf konkrete Fragestellungen an Bedeutung.
Nach dem ersten digitalen EBA-Qualifikationsverfahren 2025 wurde die digitale Durchführung 2026 erstmals in der gesamten Breite sichtbar. Die EFZ-Abschlussprüfungen stehen damit nicht für ein technisches Einzelprojekt, sondern für die inhaltliche Weiterentwicklung der kaufmännischen Grundbildung: Fachwissen bleibt wichtig, wird aber konsequenter mit beruflichen Handlungssituationen verknüpft. Die Reform stärkt damit eine Ausbildung, die Wissen, Können und Reflexion näher zusammenbringt.
Nach der Reform ist vor der Reform
Der Juni 2026 ist deshalb weniger Schlusspunkt als Standortbestimmung. Die Erfahrungen aus Schulen, Betrieben, Branchen und Qualifikationsverfahren werden laufend ausgewertet und fliessen in die weitere Entwicklung der KV-Lehre ein. Ziel bleibt es, die kaufmännische Grundbildung eng an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts auszurichten und Lernenden eine attraktive, praxisnahe und zukunftsgerichtete Ausbildung zu bieten.
Gerade Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, digitale Zusammenarbeit und neue Berufsbilder zeigen, wie wichtig Kompetenzen wie kritisches Denken, Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Technologien sind. Die KV-Reform stärkt genau diese Fähigkeiten – und schafft damit die Grundlage dafür, dass die kaufmännische Grundbildung auch künftig eine zentrale Rolle in der Schweizer Berufsbildung spielt.