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Digitale Premiere: Ein Meilenstein für die KV-Reform
Mit der KV-Reform wurde die kaufmännische Grundbildung grundlegend neu ausgerichtet. Ein zentraler Bestandteil davon sind die digitalen schulischen Abschlussprüfungen. Im Juni 2026 wurden diese erstmals schweizweit durchgeführt – für rund 10'000 angehende Kaufleute EFZ. Kathrin Ziltener, Leiterin der Geschäftsstelle QV des Kaufmännischen Verbands Schweiz, blickt auf eine anspruchsvolle Premiere zurück.
Als Anfang Juni 2026 schweizweit Tausende Lernende ihre digitale Abschlussprüfung starteten, war dies weit mehr als nur ein weiterer Prüfungstermin. Für die Verantwortlichen hinter den Kulissen markierte der Tag einen Meilenstein der KV-Reform – und den Abschluss einer intensiven Vorbereitungsphase. «Die digitalen QV-Prüfungen sind ein zentraler Teil der KV-Reform», sagt Kathrin Ziltener, Leiterin der Geschäftsstelle QV des Kaufmännischen Verbands Schweiz. Gemeinsam mit ihrem Team verantwortet sie die Entwicklung und Bereitstellung der schulischen Abschlussprüfungen der kaufmännischen Grundbildung. Mit der neuen Bildungsverordnung wurde diese Aufgabe deutlich umfangreicher: Erstmals werden die Prüfungen national koordiniert und in allen Sprachregionen nach denselben Grundsätzen entwickelt und durchgeführt.
Ein Projekt mit vielen Beteiligten
Die Einführung der digitalen Prüfungen war dabei Teil eines umfassenden Transformationsprozesses. Nach der politischen Verabschiedung der Reform und dem Start der neuen KV-Lehre im Jahr 2023, wurden vergangenes Jahr die schulischen Abschlussprüfungen für Kaufleute EBA erstmals digital durchgeführt. Diese Erfahrungen erwiesen sich als wertvoll, die Dimensionen der EFZ-Prüfungen waren jedoch ungleich grösser, wie Kathrin Ziltener betont: «Während bei den EBA-Prüfungen rund 350 Absolvent:innen aus etwa 20 Schulen beteiligt waren, mussten bei der ersten EFZ-Durchführung mehr als 90 Schulen und rund 10'000 Lernende koordiniert werden.» Das stellte entsprechend hohe Anforderungen an die IT und die Prüfungssoftware. Die technische Stabilität war dabei jedoch nur ein Aspekt. Ebenso wichtig war es, zahlreiche organisatorische Details im Voraus zu klären: Können sich alle Lernenden rechtzeitig anmelden? Sind die Benutzer korrekt erfasst? Funktioniert die Infrastruktur vor Ort? «Weil die Prüfungen nach dem Prinzip "Bring your own device" durchgeführt werden, mussten zahlreiche Details im Voraus geklärt werden», so Ziltener.
Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg
Entscheidend war dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kantonen, Fachpersonen und Organisationen der Arbeitswelt. Informationen, Webinare in allen drei Landessprachen und speziell geschulte Superuser:innen sorgten dafür, dass alle Beteiligten auf demselben Wissensstand waren. «Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Parteien war sicherlich einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren», weiss Kathrin Ziltener. Im März 2026 wurde zudem ein umfassender Stresstest durchgeführt, an welchem rund 5'000 Lernende teilnahmen. Getestet wurden dort nicht die eigentlichen Prüfungsinhalte, sondern sämtliche Funktionen der Plattform – vom Login bis zum Datenaustausch.
Trotz aller Vorbereitung blieb bis zum Tag X eine gewisse Anspannung. Die Wochen vor den Prüfungen seien intensiv gewesen, erzählt Ziltener. «Der Druck auf das ganze Team war gross. Es gab sehr viele Details, an die wir denken mussten.» Am eigentlichen Prüfungstag überwog dann aber die Zuversicht. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen sowie dem Entwicklungsteam der Prüfungs- und Lernplattform smartlearn verfolgte sie den Ablauf von den Büros der Agentur «whatwedo» in Bern aus. Für allfällige Probleme stand den Prüfungsexpert:innen und den IT-Verantwortlichen in den verschiedenen Schulen im ganzen Land ein Live-Chat zur Verfügung. Die meisten Anfragen betrafen Login-Themen und konnten rasch gelöst werden. «Aus technischer Sicht können wir eine sehr gute Bilanz ziehen», sagt Kathrin Ziltener. «Die Software hat wie gewünscht performt, wir hatten keinerlei Belastungsschwierigkeiten und konnten sämtliche Supportanfragen lösen.» Dass alle Schulen ihre Prüfungen erfolgreich durchführen konnten, sei letztlich das wichtigste Ziel gewesen.
«Die digitalen QV-Prüfungen sind ein zentraler Teil der KV-Reform»Kathrin Ziltener, Leiterin Geschäftsstelle QV beim Kaufmännischen Verband Schweiz
Prüfungen näher an der Realität
Doch die technische Umsetzung war nur eine Seite des Projekts. Mindestens ebenso wichtig war die Frage, wie die Abschlussprüfungen inhaltlich an die Anforderungen der modernen Arbeitswelt angepasst werden können. «Mit der KV-Reform steht die Handlungskompetenzorientierung im Fokus», sagt Kathrin Ziltener. Bedeutet: Statt isoliertes Fachwissen abzufragen, sollen die Prüfungen möglichst realistische Arbeitssituationen abbilden. In den schriftlichen Prüfungen bearbeiten die Lernenden umfassende Praxisfälle. Die mündlichen Prüfungen wurden mit Formaten wie Mini Cases, Rollenspielen oder Critical Incidents vollständig neu konzipiert. «Unser Ziel war, die Prüfung so zu gestalten, als würde ein Lernender einen halben Tag arbeiten», erklärt Kathrin Ziltener. «Die Aufgaben orientieren sich an konkreten Situationen aus dem Berufsalltag.»
Dazu gehört auch der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Während KI-Tools in den schriftlichen Prüfungen eingesetzt werden dürfen, müssen die Lernenden in den mündlichen Prüfungen zeigen, dass sie Aufgaben auch eigenständig analysieren und lösen können. «Wenn jemand im Büro arbeitet, nutzt er heute in der Regel auch KI», sagt Ziltener. «Deshalb wollen wir möglichst realitätsnahe Situationen prüfen. Gleichzeitig müssen die Lernenden beweisen, dass sie über die nötigen Kompetenzen verfügen, um die Resultate kritisch einzuordnen und fundierte Entscheidungen zu treffen.»
Nach der Prüfung ist vor der Prüfung
Obwohl die erste schweizweite Durchführung erst wenige Wochen zurückliegt, laufen die Vorbereitungen für die nächste Prüfungsserie bereits auf Hochtouren; erste Kick-off-Veranstaltungen haben bereits stattgefunden. In den kommenden Monaten werden zudem statistische Auswertungen der abgeschlossenen Prüfungen vorgenommen und Rückmeldungen der Schulen analysiert. «Bis Ende Sommer wollen wir soweit sein, dass wir konkrete Schlüsse ziehen können, was wir verbessern oder weiterentwickeln können», sagt Kathrin Ziltener. Sie blickt derweil mit Freude und Stolz auf die vergangenen Monate zurück: «Es war schön zu erleben, wie aus der intensiven Vorbereitungsarbeit anfangs Juni ein erfolgreicher Prüfungstag wurde.»
«Es war schön zu erleben, wie aus der intensiven Vorbereitungsarbeit ein erfolgreicher Prüfungstag wurde.»Kathrin Ziltener, Leiterin Geschäftsstelle QV beim Kaufmännischen Verband Schweiz
Erstmals veröffentlicht: 18.6.2026
Autor: Daniel Schriber